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Neues Stade de Suisse in Bern öffnet die Tore

Wankdorf: Schlussfeuerwerk nach dem Spektakel am Samstagabend. Keystone

In Bern ist am Samstag der neue Stadion-Komplex eröffnet worden. Den Ankick gaben Sportminister Samuel Schmid und YB-Star Hakan Yakin.

Dieser Inhalt wurde am 21. Juli 2005 - 16:43 publiziert

Gegen Ende der Feierlichkeiten kam es zu einem Unfall, bei dem sich ein Artist auf einem Fesselballon mittelschwer verletzte.

Die Stadt Bern feiert an diesem Wochenende die "Wiederauferstehung" des legendären Wankdorf-Stadions: Mit einem dreitägigen Eröffnungsfest wird das Stade de Suisse in Betrieb genommen.

Rund ums Stadion begann am Samstagnachmittag ein Volksfest mit Kleinkünstlern, Bands und einem breiten gastronomischen Angebot. Um 18 Uhr öffnete dann das 360 Mio. Franken teure Stade de Suisse seine Tore. Bundespräsident Samuel Schmid und YB-Star Hakan Yakin gaben den offiziellen Ankick.

Der Eröffnungsakt begann mit einem Bekenntnis von Bundespräsident Schmid zum Berner Heimklub BSC Young Boys. Der Sportminister sagte, er hoffe auf glorreiche YB-Zeiten und auf ein begeisterungsfähiges, friedfertiges Publikum.

Farbiges Spektakel und Ballonunfall

Nach Einbruch der Dunkelheit begann eine 70-minütige Show. Licht- und Feuerspektakel, Luftartisten und viele Laiendarsteller zogen das Publikum in ihren Bann.

Auch 780 Schulkinder beteiligten sich an der Darbietung im Stadion, das nach Schätzungen nur gut zur Hälfte gefüllt war. Beobachter führten dies auf die hohen Eintrittspreise - 100 Franken pro Person - zurück.

Während der Eröffnungsfeier löste sich ein Fesselballon und stürzte ausserhalb des Stadions auf das Dach einer Autogarage. Der 30-jährige, mit einem Sitzgurt am Ballon festgemachte Akrobat wurde mittelschwer verletzt.

Die Feiern werden am 1. August mit einem Tag der offenen Tür abgerundet.

Vor genau vier Jahren ging eine Ära zu Ende

Vor genau vier Jahren, am 3. August 2001, war in Bern eine Ära der Fussball- und Sportgeschichte zu Ende gegangen: Das altehrwürdige Wankdorfstadion wurde in die Luft gesprengt. Der Mythos des "Wankdorfs" entstand 1954: Damals schlugen die Deutschen im WM-Final die hoch favorisierten Ungaren 3:2.

Anstelle des düsteren Betonzeugen aus alten Fussball-Zeiten erhebt sich jetzt nach nur vierjähriger Bauzeit das neue und topmoderne Stade de Suisse.

Neues Zeitalter

Der neue Name steht für den Anbruch eines neuen Zeitalters auf dem geschichtsträchtigen Grund.

Dort ist, so hart es tönen mag, der Fussball als König am Abdanken, bevor er zum ersten Mal richtig den Rasen betreten hat. Zwar erhoffen sich die Berner Young Boys von ihrem neuen Stadion den entscheidenden Impuls, um den FC Basel als unangefochtenen Dominator im Schweizer Fussball abzulösen.

Die Jagd nach dem Ball ist aber lediglich noch die Event-Affiche, die möglichst viel Volk in den riesigen Komplex locken soll - zum Verweilen, aber vor allem Einkaufen und Konsumieren. Denn die rund 25 Fussball-Matches pro Saison reichen nicht aus, um die privaten Investoren des 350-Mio-Franken-Komplexes glücklich zu machen.

Neuerliches "Wunder von Bern"?

Die Geldgeber, es sind dies je zu einem Drittel der Detailhändler Coop, die Winterthur-Versicherung sowie die SUVA (Schweizerische Unfall-Versicherungsanstalt), hoffen dank des multifunktionellen Konzepts auf ein neuerliches "Wunder von Bern".

"Der Fussball allein ist keine solide Basis für die erfolgreiche Bewirtschaftung des Stadionkomplexes", erklärte Peter Jauch, Chef der Betreibergesellschaft des Stade de Suisse. Es braucht 800 bis 1000 Zusatzveranstaltungen, um wirtschaftlich einigermassen auf einen grünen Zweig zu kommen.

Die Betreiber erhoffen sich 12'000 bis 15'000 Personen am Tag, welche in den total 35 Läden mit insgesamt 32'000 Quadratmetern Fläche strömen.

Big Business mit Big Events

An spielfreien Tagen sollen die teuren Logen, die an Firmen und Private vermietet werden, für Schulungen, Konferenzen, Tagungen, Geburtstagspartys oder sonstige Privatfeste vermietet werden.

Für das grosse Geld sollen aber fussballfremde "Mega-Events" sorgen. Die Berner Stadionbetreiber denken dabei an Konzerte von Rock- und Popgrössen, Opern, Musicals, Schwing- und Turnfeste, Bike- und Motocross-Rennen.

"Wir hoffen, dass im nächsten Jahr die Rolling Stones hier spielen", weckt Ralph Ammann, Chef Marketing und Events der Betreiber gegenüber swissinfo grosse Erwartungen.

Kampf ums Überleben

Der Druck auf die Betreiber, aber auch die Young Boys, ist gross. Die Betriebskosten betragen 800'000 Franken bis eine Million – monatlich.

Die Hälfte der Einnahmen muss dabei aus dem Fussball kommen, schätzt Jauch. YB führt pro Match denn auch eine Viertelmillion an die Stadiongesellschaft ab. Die Rentabilitätsschwelle liegt bei 14'000 Zuschauern pro Spiel. Andere Berechnungen gehen gar von 20'000 aus.

Es ist beileibe nicht nur ein Wettrennen um das grösste und schönste Fussball-Stadion, das gewichtige Investoren und Städte unter sich austragen. Die schon fertigen Arenen sowie die mehr oder minder ambitionierten Projekte sind Ausdruck eines schlichten Überlebenskampfes der Klubs.

Wer künftig nicht ein Stadion vorweisen kann, das den Normen des Europäischen Fussballverbandes (UEFA) entspricht, hat in der obersten Schweizer Liga nichts mehr verloren. Klubs in der Super League müssen zudem ihr Budget bis 2009 auf mindestens sechs Mio. Franken aufstocken. Die Rechnung, mit der das aufgehen soll, lautet: grösseres Stadion, mehr Zuschauer, mehr Einnahmen.

Modellfall Basel

Am Rhein hat das Modell des multifunktionalen Gross-Stadions eingeschlagen. "Bei uns läuft es so gut, dass wir selbst ohne den FC Basel überleben könnten", freut sich Christian Kern, Leiter von Basel-United, der Betreiberin des Stadions St. Jakobs-Park.

Rund 55% des Gesamtumsatzes von 12 Mio. Franken erwirtschaftet Basel-United heute über etwa 1200 fussballfremde Anlässe wie Konzerte, Musicals, Konferenzen, Tagungen und Führungen im Stadion. Kein Wunder, dass sich die Berner Stadionbetreiber an Basel orientieren.

Auf Gedeih und Verderb

Was aber, wenn eine Mannschaft vom Pech verfolgt ist und nur noch verliert? Oder ein Verein Bankrott geht, wie kürzlich mit dem Traditionsklub Servette Genf geschehen?

Das nigelnagelneue Stade de Genève - eine reine Fussball-Arena - dümpelt nun nutzlos vor sich hin. Jetzt soll es verkauft werden. Anonyme Interessenten haben dafür die lächerliche Summe von 50 Mio. Franken geboten.

swissinfo, Renat Künzi und Agenturen

Fakten

Offizielle Eröffnung des Stade de Suisse: Vom 30. Juli bis 1. August mit einem Volksfest.
Es wird von den Promotoren als modernstes Stadion der Schweiz gepriesen.
Es fasst 32'000 Sitzplätze.
Bei Konzerten haben 40'000 Menschen Platz.
Erstes Länderspiel ist am 8. Oktober das EM-Qualifikationsspiel gegen Ex-Weltmeister Frankreich.
Das Stade de Suisse gehört zu den vier Schweizer Arenen, in denen 2008 Spiele um die Fussball-Europameisterschaften ausgetragen werden.

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