Navigation

Nationalfeiertag und Ebner

Die vier Beteiligungs-Gesellschaften von Martin Ebner (Bild) seien am Markt gescheitert, schreibt die NZZ. Keystone

Die Schweizer Freitagszeitungen kommentieren den Nationalfeiertag und den Verkauf der vier Visionen des Financiers Martin Ebner an die ZKB.

Dieser Inhalt wurde am 02. August 2002 - 11:54 publiziert

"Wir sind ein lustiges Völklein"

schreibt die BERNER ZEITUNG in ihrem Kommentar zum Schweizer Nationalfeiertag, dem 1. August, an dem - wie immer - versucht wurde den Sinn der Schweiz zu ergründen.

"Wir Schweizer sind ein lustiges Völklein. Am 1. August hören wir uns Reden an, ziehen mit Lampions und Fähnlein durch die Gegend und zünden Feuer an."

Einige würden gar ein Bier oder zwei trinken, schreibt die BZ weiter. Und wenn zufällig eine Landesausstellung stattfinde, dürfe man sich an einem Affentheater amüsieren.

Dieses Affen-Theaterstück - Affen wohnten dem Rütlischwur bei - wurde auf der Bieler Arteplage aufgeführt und sollte provozieren. Der Berner BUND:

"Das provozierende Affentheater inklusive Fahnenverbot zum 1. August: Die Seifenblase ist unter dem immensen Erwartungsdruck zerplatzt. Mit Ausnahme der Romandie und des Tessins, die sich im Stück nicht berücksichtigt sehen, wurden nur die darauf Abonnierten provoziert."

Was soll's?, fragt der Bund zum Schluss:

"Vier Millionen Menschen waren bislang auf der Expo zu Besuch - und sind zufrieden."

Auch die welsche LE TEMPS nervt sich an der ewigen Frage, wer wir denn seien und wohin wir denn gingen, und blickt nach Frankreich:

"Also dort in Frankreich freut man sich am Nationalfeiertag an einem simplen 'bal de musette' oder am Umzug der Feuerwehr. Müssen wir denn ständig über die Werte, die uns verbinden und die kleinen Verwerfungen, die uns trennen, nachdenken?"

Nein - wohl nicht. Aber Gedanken über den Mann mit der Fliege, der mit seiner BZ-Gruppe eine Bruchlandung hinlegte, machen sich doch etliche Freitagszeitungen.

"Martin Ebners vier börsenkotierte Beteiligungs-Gesellschaften hatten einen klaren Auftrag: Sie schaffen dank einer relativ kleinen Zahl streng ausgewählter Beteiligungen Mehrwert für ihre Aktionäre."

Das schreibt die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG. Doch der bleiche Herr mit der Fliege am Hals, der den Kleinanlegern Wohlstand durch Aktiensparen versprach, musste seine Visionen Mitte Woche der Zürcher Kantonalbank verkaufen. Auch wenn die NZZ meint, man solle jetzt nicht Spott und Häme über den Herrn Ebner ausschütten, tut es der BLICK halt doch. Denn Martin Ebner war auch ein Steuerflüchtling:

"Der Kanton Zürich war für seine Visionen der falsche Ort. Ebner entzog den Zürchern seine Liebe, sein Kapital und zog ins Steuerparadies Schwyz."

Und nun, wo der Schönwetterprophet gescheitert sei, habe er just dorthin verkauft von wo er geflohen sei. Der BLICK:

"Just die Zürcher Kantonalbank rettet Ebner und seine 50'000 Visionäre vor dem Totalabsturz. Das Risiko dieses Milliardendeals tragen die Zürcher Steuerzahler."

In der Schweiz geniessen Kantonalbanken Staatsgarantie. Und deshalb fragt sich auch der Zürcher TAGES ANZEIGER:

"Ordnungspolitisch ist es fragwürdig, warum die Weiterführung von gescheiterten Anlagemodellen zu den Aufgaben eines Staatsinstitutes zählen."

Der Kauf der Aktien, so der Tagi, gründe wohl in der Hoffnung, man habe sie unterbewertet erworben. Allerdings seien die Grossbanken zu einem andern Schluss gekommen.

"Nun muss die Zürcher Kantonalbank die Ebner-Papiere den Anlegern wieder schmackhaft machen. Die Vorstellung dass ZKB-Chef Vögeli künftig mit dem BZ-Käppi auf dem Kopf als Verkäufer auftritt, wirkt allerdings befremdlich."

Für den Berner BUND hat Martin Ebner Wasser gepredigt und Wein getrunken. Er habe von den andern Transparenz gefordert, sei aber mit Informationen zu seiner Holding äusserst knauserig. Er habe von den andern die Einheitsaktie gefordert aber seine Beteiligungs-Gesellschaften mit Stimmrechtstiteln kontrolliert. Auch sonst habe er nicht getan, was er von den andern verlangt habe:

"Er, der von den Firmen stets Konzentration auf ihre 'Kernkompetenz' verlangte, ist in seiner eigenen Kernkompetenz - der Vermögensverwaltung - abgestürzt."

Urs Maurer

Artikel in dieser Story

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

Mehr: JTI-Zertifizierung von SWI swissinfo.ch

Diskutieren Sie mit!

Diesen Artikel teilen

Passwort ändern

Soll das Profil wirklich gelöscht werden?