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Nach dem Wasser die Schadensbilanz

Auch die Landwirtschaft muss mit Schäden rechnen. Bild: Therwil Baselland. Keystone

Einen Tag nach den grossen Unwettern in der Schweiz werden die Schäden langsam sicht- und bezifferbar. Sie gehen in die Millionen, sind aber deutlich geringer als bei den Überschwemmungen vom August 2005.

Dieser Inhalt wurde am 10. August 2007 - 11:59 publiziert

Schäden sind nicht nur an vielen Gebäuden sondern auch in der Landwirtschaft entstanden. Derweil haben sich die Pegelstände stabilisiert, bleiben teilweise aber noch auf bedrohlichem Niveau.

In den meisten Unwettergebieten hat sich die Lage in der Nacht und am Freitag Vormittag beruhigt. Langsam kommen die Folgen zum Vorschein.

Die Pegelstände des Thuner- und Bielersees stiegen nicht mehr weiter an. Jene des Rheins, der Birs und der Aare bei Bern sanken spürbar.

Auch im Kanton Aargau und der Stadt Basel beruhigte sich die Lage im Laufe der Nacht. Rhein und Birs bewegten sich unterhalb der kritischen Marken.

Befahrbare Bahn-Hauptlinien

Auch im Bahnverkehr normalisiert sich die Lage. Nach den Behinderungen am Donnerstag läuft der Betrieb auf den SBB-Hauptlinien seit Freitag Vormittag wieder durchgehend. Die Strecke Bern-Freiburg war für die Bahn bereits seit Donnerstag Abend einspurig befahrbar, ist aber inzwischen seit 10.30 Uhr wieder gesperrt.

Wo die Strecken noch gesperrt sind, werden die Reisenden mit Bussen transportiert.

Ernteausfälle in der Landwirtschaft

Nach den Unwettern rechnet die Schweizerische Hagel-Versicherungs-Gesellschaft mit Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen von über 5 Mio. Franken. Während den letzten grossen Überschwemmungen im August 2005 waren es 10 Mio. Franken gewesen.

Der Schweizerische Bauernverband (SBV) hingegen schätzt, dass nur 50% der Felder versichert sind. "Viele Landwirte rechnen nur alle zehn Jahre mit Unwetterschäden", sagte Hans Rüssli vom SBV. Diese Bauern legen das Geld lieber auf die Seite, als teure Prämien zu zahlen.

Der SBV forderte am Freitag erneut eine Ernteversicherung. Diese wäre weiter gefasst als die bestehende Hagelversicherung.

Am stärksten von den Schäden betroffen sind laut der Hagel-Versicherung die Landwirte in den Kantonen Aargau, Baselland, Bern, Freiburg, Jura, Luzern, Solothurn, Thurgau und Waadt.

Zerstört worden seien besonders Mais-, Kartoffel-, Zuckerrüben- und Gemüsekulturen. Auch Gärtnereien und Wiesen seien beschädigt.

Die Hagel-Versicherungs-Gesellschaft deckt nicht nur Hagel-, sondern auch andere Elementarschäden ab, wie Überschwemmungen oder Erdrutsche. Zum Ertragsausfall werden dabei zusätzlich auch die Wiederherstellungskosten für das Kulturland vergütet.

Laut der Versicherung besitzt eine Mehrheit der Landwirte eine Hagelversicherungs-Police. Je nach Kultur seien rund 85% der Flächen versichert.

Hohe Gebäudeschäden

Durch die Unwetter der letzten Tage sind in der Schweiz Schäden an Gebäuden von bis zu 60 Mio. Franken entstanden. Der Dachverband der kantonalen Gebäudeversicherer teilte am Freitag weiter mit, dass vor allem die Kantone Solothurn, Aargau, Luzern und Baselland betroffen seien.

Kantonale Gebäudeversicherungen gibt es in 19 der 26 Kantone.

Die Schweizerische Mobiliar-Versicherungsgesellschaft bezeichnete die Unwetter am Donnerstag als ein "überdurchschnittliches Ereignis". Dennoch geht sie davon aus, dass die Schadenszahlen der letzten Überschwemmungen aus dem Jahr 2005 nicht erreicht werden.

Laut dem Schweizerischen Versicherungsverband (SVV) haben die jüngsten Unwetter Schäden in dreistelliger Millionenhöhe verursacht. Ein Grossteil der Schäden betrifft die Bereiche Hausrat und Geschäftsinventar.

Prämienerhöhungen seien für den SVV allerdings kein Thema.

Differenziertere Prämien?

In Versicherungskreisen haben aber die ersten Debatten über die Auswirkungen der häufigeren Naturereignisse und des steigenden Gebäudebestands auf die Prämienpolitik schon begonnen.

Diese Auswirkungen führen zu ständig wachsenden Schadenssummen. Serge Tröber, Naturrisiko-Experte beim Rückversicherer Swiss Re, plädiert für eine stärkere Differenzierung der Prämien.

Die Prämieneinnahmen aus Naturgefahren reichten seit einigen Jahren aber nicht, um die versicherten Schäden zu decken.

Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey machte sich am Freitag nachmittag im Kanton Jura ein Bild des Ausmasses der Schäden. Der Kanton hat die folgenschwersten Überschwemmungen seiner 28-jährigen Geschichte erlebt.

swissinfo und Agenturen

Deutschland

Starker Regen sowie die aus der Schweiz abfliessenden Wassermassen haben auch in Deutschland zu Überschwemmungen geführt.

Bei heftigen Unwettern im Bundesland Nordrhein-Westfalen wurden zahlreiche Verkehrswege und Keller überflutet. Zwei Menschen kamen ums Leben, wobei der eine in einem überfluteten Keller ertrank.

Die Rheinschifffahrt wurde durch den hohen Wasserstand lahmgelegt. In Karlsruhe überstieg der Pegel am Donnerstag Abend die Marke von 7,50 Metern, worauf ein Fahrverbot für den Schiffverkehr erlassen wurde.

Zwar stieg das Wasser in der Folge noch weiter, gemäss einem Sprecher des Krisenstabes wird der Pegel aber nicht die Rekordmarke von 8,80 Meter erreichen, die 1999 gemessen wurde. Für Freitag und Samstag wird erwartet, dass das Hochwasser Rhein-abwärts Speyer und Mannheim erreichen wird. In Köln dürfte dann aber von der Flut kaum noch etwas zu spüren sein.

Im stark betroffenen Bundesland Baden-Württemberg hat sich die Hochwasserlage inzwischen etwas entspannt.

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Glückskette

Nach den neusten Hochwassern hat die Glückskette ihr Konto für Spenden geöffnet.

Das gesammelte Geld ist für Einzelpersonen, Kleinbetriebe oder finanzschwache Gemeinden in Härtefällen vorgesehen, etwa für dringende Aufräum- und Instandstellungsarbeiten.

Die Glückskette ist kein Hilfswerk, sondern das humanitäre Sammelsystem der Schweizer Medien, angeführt von der SRG SSR idée suisse.

Die Glückskette wurde 1946 gegründet und erhielt 1983 die Rechtsform einer Stiftung.

Spendenkonto: 10-15000-6 (mit Vermerk "Unwetter Schweiz" oder "Monsun-Opfer Asien")

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