Navigation

Munition in den Seen muss geborgen werden

Der Thunersee, Trinkwasser-Reservoir für 400'000 Menschen. swiss-image

Die Munitions-Abfälle in Schweizer Seen müssen geborgen und entsorgt werden. Der Nationalrat hat die Regierung aufgefordert, zu handeln.

Dieser Inhalt wurde am 29. November 2005 - 10:07 publiziert

Diese wollte zuerst abklären, ob die Abfälle eine Gefahr für das ökologische Gleichgewischt der Seen darstellen. Ein erster Bericht konnte das nicht nachweisen.

Der Nationalrat (grosse Kammer) hat am Montag eine Motion aus den Reihen der Schweizerischen Volkspartei (SVP) mit 102 zu 56 Stimmen angenommen. Sie fordert, dass die Tonnen von Armee-Abfällen aus den Schweizer Seen geborgen werden.

Eine Zeitbombe

Die Armee habe zwischen 1945 und 1964 Fliegerbomben, Granaten, gewöhnliche Patronen und Sprengstoff-Rückstände in den Schweizer Seen versenkt, sagte Motionärin Ursula Haller, SVP.

Bisher habe das Verteidigungs-Departement (VBS) die Haltung vertreten, solange das Seewasser nicht verunreinigt werde, bestehe kein Bedarf, die Deponien zu behandeln oder zu entfernen, so Haller weiter.

Es müsse aber davon ausgegangen werden, dass die Munition einer ständigen Korrosion ausgesetzt sei. Je länger mit einer Bergung zugewartet werde, desto grösser werde die Gefahr, dass die giftigen Substanzen zu Umweltproblemen führten.

Riskante Bergung

Verteidigungsminister Samuel Schmid wandte sich vergeblich gegen eine solche Bergung. Studien zeigten, dass nach heutigem technisch-naturwissenschaftlichem Wissensstand nicht mit schädlichen Einwirkungen auf das Seewasser gerechnet werden müsse und keine konkrete Gefahr für das ökologische Gleichgewicht bestünde.

Die Munition und der Sprengstoff in den Schweizer Seen bereiteten auch dem Bundesrat Sorgen, und er stehe deshalb mit den Kantonen in Kontakt. Mit einem verpflichtenden Motions-Auftrag werde das Problem aber nicht gelöst, so Schmid weiter.

Jede Aktion, die heute vorgenommen würde, sei schädlicher als der Status quo. Die Motion geht nun an den Ständerat.

Seen als Mülldeponien

Nach einem Bericht des VBS vom November 2004 liegen in vier Schweizer Seen rund 8210 Tonnen Munition. Zum Teil handelt es sich dabei um überalterte Munition der Armee, zum Teil um Fabrikationsrückstände der eidgenössischen Munitionsfabriken.

Im Thunersee wurden etwa 4600 Tonnen Munition versenkt, im Brienzersee 280 Tonnen, im Urnersee 2800 Tonnen, im Gersauer Becken 530 Tonnen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Munitionsmagazine der Armee übervoll. Nach schweren Explosions-Unglücken beschloss der Bundesrat 1948 eine einmalige Vernichtungsaktion. Zwischen 1948 und 1949 wurde die überzählige Munition in den Seen versenkt.

Bis in die 1960er-Jahre hinein entsorgten zudem die Munitionsfabriken Thun und Altdorf Fabrikations-Rückstände, Fehlchargen und nichtrevidierbare Altmunition in nahe gelegenen tiefen Seen.

Felchen werden zu Zwittern

Speziell untersucht wurde das Wasser im Thunersee, wo mysteriöse Veränderungen bei den Geschlechtsorganen der Felchen beobachtet wurden.

Ein Zusammenhang zwischen diesem Phänomen und den Munitionsdeponien konnte dabei nicht erwiesen werden.

In den Wasser- und Sedimentproben wurden trotz verfeinerter Nachweismethode weder Rückstände von TNT noch von anderen Sprengstoffen gefunden. Die Untersuchungen werden aber noch weitergeführt.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Ein Bericht des VBS von 2004 kam zum Schluss, dass in den Schweizer Seen über 8000 Tonnen Munitions-Abfälle liegen.

Die am stärksten betroffenen Gewässer waren der Thuner-, Brienzer- und Vierwaldstättersee.

Bei den Abfällen handelt es sich um Granaten, Bomben und Zünder der Armee sowie um Müll der staatlichen Munitionsfabriken.

Ein fünfjähriges Forschungs-Programm untersucht die geheimnisvolle Veränderung der Geschlechtsorgane von Thunersee-Felchen.

End of insertion

Artikel in dieser Story

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

Mehr: JTI-Zertifizierung von SWI swissinfo.ch

Diskutieren Sie mit!

Diesen Artikel teilen

Passwort ändern

Soll das Profil wirklich gelöscht werden?