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"In Russland wurden hundert neue Gesetze verabschiedet, welche die Pressefreiheit einschränken"

Die russisch-ukrainische Journalistin Galina Timchenko lebt und arbeitet seit Jahren in Lettland. Hier gründete sie eine Online-Multimedia-Plattform, auf der weiterhin publiziert wird, was die russischen Medien aufgrund der strengen Zensurvorschriften nicht mehr veröffentlichen dürfen.

Dieser Inhalt wurde am 05. Juli 2022 - 10:00 publiziert
Michele Novaga, Bruno Kaufmann, Carlo Pisani

"Rede- und Informationsfreiheit sind alles für mich", sagt Timchenko in dieser neuen Ausgabe unserer "Global Voices of Freedom". Die 60-jährige Chefredaktorin von Meduza.io bestätigt, dass die Presse- und Meinungsfreiheit in Russland seit vielen Jahren unter Beschuss ist.

Timtschenko leitete ein Jahrzehnt lang eines der auflagenstärksten russischen Nachrichtenmedien, Lenta.ru, bis 2014, als der russische Präsident Wladimir Putin mit der Annexion der Krim und der Unterstützung separatistischer Kräfte in der Donbass-Region einen Angriff auf die Ukraine befahl.

"Damals wies der Kreml den Besitzer von Lenta direkt an, mich zu feuern", sagt sie gegenüber SWI swissinfo.ch. "So musste ich Russland verlassen und nach Lettland und Riga gehen, wo ich ein neues Medienunternehmen, Meduza, gründete, um die Pressefreiheit zu erhalten, die in Russland nicht mehr möglich war. Für mich und alle meine Kolleg:innen war das eine echte Lebensumstellung."

Heute ist das neue Medium, das die ukrainisch-russische Journalistin leitet, nicht nur in Russland, sondern auch international sehr beliebt, da es Nachrichten sowohl auf Russisch als auch auf Englisch veröffentlicht.

"Meduza ist eine multimediale Plattform, die sich in allen sozialen Netzwerken, über Messenger und Newsletter Gehör verschafft", fügt Timchenko hinzu. Auf diese Weise ist es gelungen, viele junge Menschen anzuziehen, die heute die Hälfte der Leserschaft ausmachen.

Im März wurde Meduza.io jedoch als direkte Folge des russischen Angriffs auf die Ukraine von den russischen Behörden blockiert. "Seitdem wurden in Russland etwa hundert neue Gesetze verabschiedet, welche die Pressefreiheit einschränken. Es gibt eine militärische Zensur, und die Opfer sind gerade die Medienorganisationen: 100 Zeitungen wurden zu ausländischen Agenten erklärt und des Verrats und der Spionage beschuldigt."

"Und Hunderte von Journalist:innen haben das Land verlassen", so Timtschenko weiter. "Solange Putin an der Macht bleibt, wird es in Russland keine Presse- und Meinungsfreiheit und keine Achtung der Menschenrechte geben."

(Übersetzt aus dem Englischen: Sibilla Bondolfi)

Serie Stimmen der Freiheit aus aller Welt

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