Navigation

Mehrheit will Sozialhilfe kürzen

Eine starke Mehrheit in der Schweiz will die Sozialhilfe kürzen. Keystone

In einer Internet-Umfrage will eine Mehrzahl der Schweizerinnen und Schweizer die Sozialleistungen herunterfahren und die Bezüger besser kontrolieren.

Dieser Inhalt wurde am 14. Februar 2006 - 21:28 publiziert

Die Umfrage "Perspektive Schweiz" wurde von Studierenden entworfen. Die Ergebnisse werden jedoch von Experten relativiert.

Über zahlreiche Reformprojekte konnte die Schweizer Bevölkerung in der Online-Umfrage "Perspektive Schweiz" abstimmen. Fast alle wünschen auch einen Abbau der Sozialhilfe.

Insgesamt 96% der Schweizerinnen und Schweizer möchten die heute garantierten Sozialleistungen herunterschrauben, 9% möchten ihren Mitmenschen gar nichts garantieren.

80% der Befragten plädieren zudem für eine stärkere Kontrolle bei der Sozialhilfe, um Missbräuche zu verhindern. 68% befürworten einen Zivildienst für Arbeitslose.

Mehr Hilfe für Familien

Fast drei Viertel möchten in der ganzen Schweiz einheitliche Kinderzulagen. Jede zweite Person möchte einkommensabhängige Krankenkassenprämien und auch Vaterschaftsurlaub von vier Wochen. Dabei ist die Zustimmung bei den Frauen grösser als bei Männern.

Die Zufriedenheit mit der aktuellen Familienpolitik ist generell nicht sehr gross: 58% äussern sich unzufrieden, 61% finden, dass die Familien vom Staat zu wenig unterstützt werden.

Unterstützung für Umweltschutz

Die Umfrage hat sich auch mit Wirtschaftspolitik befasst. Auf die Frage, ob Umweltschutz oder Wirtschaftswachstum in den nächsten zwei Jahren stärker gefördert werden sollten, gaben 55% der Befragten der Umwelt den Vorzug. Zustimmung findet der Vorschlag, dass der Bund innovative Geschäftsideen mit Risikokapital fördern soll.

Könnten die Teilnehmer der Umfrage Mehrausgaben für den Bundeshaushalt planen, würden sie am meisten in die Bildung investieren, gefolgt von Sozialleistungen, Altersvorsorge und Schuldentilgung.

Gemäss der Umfrage fühlen sich 51% der Frauen diskriminiert. Ideen zur Gleichstellung scheinen aber chancenlos: 58% der Befragten sind dagegen, dass in der Regierung mindestens drei Frauen sitzen sollten.

Parteipolitisch neutral

Initiiert wurde "Perspektive Schweiz" vom Verein "Vernunft Schweiz", der 2003 von Studenten gegründet wurde. Die Umfrage, die von fünf Studierenden entworfen wurde, ist nach Angaben der Verantwortlichen parteipolitisch neutral. Das Patronat haben Politiker aller vier Schweizer Regierungsparteien.

Die Umfrage wurde zwischen Oktober und Dezember 2005 durchgeführt. Der Fragebogen mit 45 Fragen konnte auf der Internetseite von "Perspektive Schweiz" abgerufen werden.

Für die Umfrageergebnisse berücksichtigt wurden rund 16'800 Antworten. Die Umfrage ist nach Angaben von "Perspektive Schweiz" mit einer Genauigkeit von +/- 3 Prozent repräsentativ.

Experte skeptisch

Oliver Bieri, Soziologe und Fachperson für Umfragen beim Institut "Interface" für Politikstudien in Luzern, ist nach eigenen Worten bei solchen Internetumfragen immer skeptisch.

"Die Erfahrungen zeigen, dass bei Online-Umfragen eine starke Mehrheit junger Leute und in der grossen Mehrzahl Männer teilnehmen. Bei dieser Umfrage fehlt mir die Teilnehmerstruktur", sagt er gegenüber swissinfo.

Zu den Ergebnissen erklärt Bieri, dass diese ziemlich genau die momentane Stimmung wiedergeben würden. "Sozialhilfe-Empfänger sind Randgruppen, welche das System ausnutzen können, und deshalb muss man sie besser kontrollieren."

Man könne höchstens sagen, dass die harten Aussagen einer Schweizerischen Volkspartei (SVP) in Sachen Sozialhilfe anzukommen scheinen. Das sei aber bekannt und nicht neu.

Bieri weist noch auf eine weitere Eigenart der Umfrage hin: Sie stelle viele Fragen, in denen ein Recht eingefordert werden dürfe. Die Fragen, wo sich der Befragte für etwas verpflichten muss, fehlten. "In einer Gemeinschaft leben heisst aber, dass ich anderswo auch etwas abgeben muss, wenn ich etwas verlange", so Bieri.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

"Perspektive Schweiz" ist eine Online-Umfrage über Reformvorschläge in der Schweiz.

Alle Schweizerinnen und Schweizer waren aufgerufen, zu 45 Fragen über Ideen und Vorschläge Stellung zu nehmen.

Die Umfrage "Perspektive Schweiz" wurde vom Verein "Vernunft Schweiz" lanciert, einem Verein, der die Schweizer Bevölkerung zu wirtschafts-politischen Abstimmungs-Vorlagen und Themen neutral und verständlich informieren will.

"Vernunft Schweiz" wurde 2003 von sechs Studenten gegründet.

End of insertion

Fakten

In "Perspektive Schweiz" wurden 16'800 Antworten berücksichtigt.
96% möchten die heute garantierten Sozialleistungen herunterschrauben.
68% befürworten einen Zivildienst für Arbeitslose.
61% finden, dass die Familien vom Staat zu wenig unterstützt werden.
55% geben der Umwelt vor Wirtschaftswachstum den Vorzug.
51% der Frauen fühlen sich diskriminiert.

End of insertion

Artikel in dieser Story

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

Mehr: JTI-Zertifizierung von SWI swissinfo.ch

Diskutieren Sie mit!

Diesen Artikel teilen

Passwort ändern

Soll das Profil wirklich gelöscht werden?