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Mehr Transparenz von der Schweizerischen Nationalbank gefordert

Der Vorort hat die Nationalbank zu mehr Transparenz in der Geldpolitik aufgefordert. Die Abkehr von der monetaristischen Geldmengensteuerung werde zwar grundsätzlich begrüsst, doch bestehe die Gefahr, mehr Verwirrung als Klarheit zu schaffen.

Dieser Inhalt wurde am 21. März 2000 - 07:49 publiziert

Der Vorort hat die Nationalbank zu mehr Transparenz in der Geldpolitik aufgefordert. Die Abkehr von der monetaristischen Geldmengensteuerung werde zwar grundsätzlich begrüsst, doch bestehe die Gefahr, dass mit dem neuen Konzept mehr Verwirrung als Klarheit geschaffen werde, teilte der Spitzenverband der Wirtschaft mit.

Der Schweizerische Handels- und Industrie-Verein (Vorort) ging in seinem am Dienstag (21.03.) veröffentlichten Konjunkturbericht, der im Einklang mit den zuversichtlichen Prognosen aller Experten steht, ausführlich auf das zum Jahresbeginn geänderte geldpolitische Konzept der Schweizerischen Nationalbank (SNB) ein. Die seither vorgenommene Straffung der Geldpolitik zur Wahrung der Preisstabilität wird vom Vorort begrüsst, ebenso wie der Entscheid der Notenbank, einer inflationszielorientierten Strategie den Vorzug vor einer wechselkursorientierten Politik zu geben.

Dennoch macht der Spitzenverband der Wirtschaft mehrere Fragezeichen zur Umsetzung des neuen Konzepts.

Die neue Geldpolitik stehe bezüglich Transparenz und Glaubwürdigkeit unter einem besonderen Begründungszwang. Denn mit der Anivisierung eines Inflationsziels von unter zwei Prozent pro Jahr mittels der indirekten Steuerung eines Geldmarktsatzes werde Neuland beschritten. Der Umsetzung der Inflationsprognose in zinspolitischeHandlungsanweisungen komme besondere Bedeutung zu.

Der Vorort bemängelt, dass vorläufig nicht bekannt sei, wie die Abschätzung der Inflationsaussichten erfolge. Denn die Nationalbank habe weder über das zu Grunde liegende Prognosemodell noch über die dabei verwendeten Einzelindikatoren informiert. Sollte der Zeithorizont der Inflationsprognosen kürzer sein als jener, der für den Zusammenhang zwischen Geldmenge und Preisentwicklung üblich sei, wäre dies problematisch.

Inflationsprognosen weckten an den Finanzmärkten zudem Erwartungen, die nächsten geldpolitischen Entscheidungen würden ausschliesslich daran ausgerichtet, ohne dass die unterschiedlichen Ursachen der Inflation in die Geldpolitik einbezogen würden. "Dadurch könnte letztlich mehr Verwirrung als Klarheit geschaffen werden", befürchtet der Vorort.

Ermessensspielraum als Einladung für Druckversuche?

Kritisch merkt der Spitzenverband der Wirtschaft sodann an, dass die SNB beim neuen Konzept einen grösseren Ermessensspielraum als früher habe. So könne sie zur Begründung ihrer Zinsentscheide nun nach Gutdünken verschiedene Indikatoren wie Wechselkurse, allgemeine Konjunkturlage, Importpreise, Lohnstückkosten und anderes mehr heranziehen.

Dies könnte nicht nur die Interpretation des Kurses erschweren, sondern die Nationalbank könnte künftig auch grösseren politischen Druckversuchen ausgesetzt sein. Das alte Konzept hatte gemäss Vorort demgegenüber den Vorteil, dass die Nationalbank gezwungen war, Abweichungen vom Ziel der Geldmengenentwicklung zu begründen und zu rechtfertigen. Diese öffentliche Rechenschaftspflicht sei für die Erwartung der Märkte, aber auch für die Glaubwürdigkeit der Geldpolitik wichtig.

SNB soll Garant für stabile Preise bleiben

"Allzu viel Unverbindlichkeit beziehungsweise allzu grosse situative Flexibilität tut der Geldpolitik in aller Regel nicht gut", schreibt der Vorort, räumt aber zugleich ein, dass es in einer kleinen, offenen Volkswirtschaft wie der Schweiz keinen Königsweg für die Geldpolitik gebe.

Zentral für das Vertrauen und die Glaubwürdigkeit sei, dass die Nationalbank auch bei ihrer neuen Strategie in erster Linie Garant eines stabilen Geldwertes bleibe. Gelegenheit zur erhöhten Transparenz über die Umsetzung ihres neuen Konzepts hat die Nationalbank am kommenden Donnerstag. Dann stehen im dreiköpfigen Direktorium die geldpolitische Beschlüsse für das zweite Quartal an.

swissinfo und Agenturen

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