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Mehr Kinder dank höherer Kinderzulagen?

In einer Grossfamilie ist jeder Tag Waschtag. swissinfo.ch

Schwimmen Grossfamilien künftig im Geld, wenn das Stimmvolk am 26. November die landesweite Harmonisierung der Kinderzulagen auf mindestens 200 Franken beschliessen sollte?

Dieser Inhalt wurde am 15. November 2006 - 12:52 publiziert

swissinfo unterhielt sich darüber mit der Mutter einer Familie mit acht Kindern im Alter zwischen 6 und 24 Jahren.

"Ich wasche jede Woche rund 70 Paar Socken", beschreibt Susanne D. einen kleinen, aber doch gewichtigen Bereich ihres Alltags. Sie wohnt mit ihrer Grossfamilie in einem Dorf im solothurnischen Mittelland.

Abgesehen vom grossen zeitlichen Aufwand, für eine zehnköpfige Familie zu sorgen, kosten Betreuung, Erziehung und Unterhalt eine ganze Menge Geld.

"Im Grunde sind wir eine total normale Familie, einfach mit ein paar Kindern mehr", erklärt sie gegenüber swissinfo.

Sollten die neuen Kinderzulagen am 26. November vom Schweizer Stimmvolk tatsächlich angenommen werden, hätte Familie D. pro Monat 230 Franken mehr zur Verfügung. 10 Franken mehr pro Kind (200 Fr.) und 60 Franken mehr für die Jugendlichen in Ausbildung (250 Fr.).

Luxuslösung?

Würde sich dadurch etwas ändern? "Eine gute Frage", sinniert Susanne D. "Ich habe bisher noch gar nicht vorausberechnet, wie wir das zusätzliche Geld verwenden würden. Denn mit einer so grossen Familie, mit so vielen Kindern, jongliert man einfach herum. Irgendwie sind wir bis jetzt aber immer über die Runden gekommen."

Entschieden wehrt sie sich gegen Argumente der Gegner des Familienzulagengesetzes, es handle sich hierbei um eine Luxuslösung: "190 Franken wie bisher oder neu 200 Franken pro Monat und Kind, das macht relativ wenig aus." Obwohl eine Erhöhung durchaus positive Aspekte hätte, fügt sie hinzu.

Tropfen auf den heissen Stein

Susanne D. zählt auf: "Wenn ich nur daran denke, was da alles anfällt: Schuhe, Kleider, Bücher, Musikschule, Sport, etc." Aus diesem Grund seien die alten wie die neuen Kinderzulagen nur ein Tropfen auf den heissen Stein.

"Unser Jüngster, der Benjamin, ist 6 Jahre alt. Er kommt im nächsten Sommer in die Schule. Dann folgt Markus mit 8 Jahren, Sarah ist 11, Martin 13, Peter 15, Anna 18, Christine 21."

Kostenfalle Studium

Alexander der Älteste wird nächstens 24 Jahre alt. Nach dem Studienabschluss in Bern möchte er in Zürich seinen Doktortitel machen. "Dann verdient er etwas. Das war bis anhin nicht möglich, da ihn sein Naturwissenschafts-Studium voll in Anspruch nahm," so Susanne D.

Mit Alexanders Kinderzulage finanzieren die Eltern sein Generalabonnement für die Bahn, damit er weiterhin zu Hause wohnen kann. "Eine auswärtige Wohnung hätten wir nicht bezahlen können."

Die Unterstützung durch die öffentliche Hand bleibt mehr als bescheiden. So wurde sein erster Stipendienantrag postwendend abgeschmettert. Argument: Aufgrund des Familieneinkommens könne er keine Stipendien geltend machen.

"Unser Einkommen wäre für eine Familie mit zwei Kindern tatsächlich sehr gut", gesteht Susanne B. zu. "Bei einer Familie mit acht Kindern sieht das aber ganz anders aus."

Schliesslich wurde Alexander dann doch noch ein kleiner Betrag zugesprochen. Aber dieser deckte nicht einmal die Semester-Gebühren.

Familienfreundliche Schweiz?

Und überhaupt, die Schweiz sei gar nicht familienfreundlich. Hier würden kinderreichen Familien oft Steine in den Weg gelegt.

"Letzte Woche gingen wir ins Hallenbad – das hat uns 50 Franken gekostet, obwohl nicht alle Kinder dabei waren."

Dasselbe gelte auch für Sportanlässe: "Es wäre viel geholfen, wenn man nur bis zum dritten Kind bezahlen müsste."

Auch bei Skipässen wünscht sich die Grossfamilie die Einführung von Familienkarten. Denn gerade dort komme man immer wieder ans Limit.

Wichtige Freizeitbeschäftigung

Susanne D. legt grossen Wert darauf, dass ihre Kinder Hobbies nachgehen können. Jedes Kind habe die Möglichkeit, ein Musik-Instrument zu lernen. Denn heutzutage sei es von grosser Bedeutung, die Kinder von der Strasse wegzuholen.

"Überdies ist es auch die Pflicht von uns Eltern, unsere Kinder so zu fördern, dass sie sich möglichst gut entfalten können. Das ist mir sehr wichtig, denn jedes unserer Kinder ist total verschieden", betont sie.

"Kinderzulagen sind auf jeden Fall kein Thema bei der Entscheidung, ob man nun noch ein Kind mehr will oder nicht. Da spielen ganz andere Faktoren mit", erklärt die Mutter der Grossfamilie. Sie sei glücklich mit ihrer Kinderschar und würde sich wieder für eine grosse Familie entscheiden - mit oder ohne höhere Kinderzulagen.

swissinfo, Etienne Strebel

Fakten

Gemäss dem am 26. November dem Stimmvolk zur Abstimmung vorliegenden neuen Familienzulagengesetz soll die Kinderzulage künftig in der ganzen Schweiz mindestens 200 Fr. pro Monat betragen.
Zulage für 16-25-Jährige in Ausbildung: mindestens 250 Fr./Monat.
Auch Teilzeit- und Nichterwerbstätige erhalten neu in allen Kantonen volle Zulagen.
Selbständigerwerbende unterliegen weiterhin den unterschiedlichen kantonalen Regelungen

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