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Mehr humanitäres Handeln in Nepal

Regierungstruppen suchen nach maoistischen Rebellen, 100 km südwestlich von Kathmandu. Keystone

Um in Nepal eine humanitäre Krise zu vermeiden, braucht es laut dem Schweizer Menschenrechtler Walter Kälin mehr internationale Unterstützung.

Dieser Inhalt wurde am 25. April 2005 - 16:47 publiziert

Der UNO-Verantwortliche für landesintern Vertriebene sagt gegenüber swissinfo, im Land herrsche ein "Klima der Angst".

Walter Kälin ist kürzlich von einer zehntägigen Reise aus Nepal zurück gekehrt. Dort bereiste er verschiedene Regionen und sprach mit Vertriebenen, die vor den Kämpfen zwischen den maoistischen Rebellen und den Regierungstruppen geflohen sind.

Er sprach auch mit Regierungsstellen, die sich mit Vertriebenen befassen, und mit Repräsentanten der Nepalesischen Armee. Doch ein Treffen mit Rebellenvertretern kam nicht zustande.

Kälins Forderungen kommen drei Tage, nachdem die UNO-Kommission für Menschenrechte in Genf einen Schweizer Beschluss akzeptiert hat. Diese verlangt, dass Demokratie und individuelle Freiheiten in Nepal wieder hergestellt werden sollen.

"Gefährliche Lage"

Die schweizerischerseits mit Nepal geführten Verhandlungen haben ausserdem zu einer Vereinbarung geführt, wonach UNO-Menschenrechts-Beobachter in diesem Königreich am Fuss des Himalaya stationiert werden sollen.

In einem Interview mit swissinfo in der Hauptstadt Kathmandu sagte Kälin, das Land befinde sich in einer "sehr schwierigen und gefährlichen Lage".

swissinfo: Welches sind die Gründe für die zahlreichen Vertriebenen in Nepal?

Walter Kälin: Viele Menschen sind wegen der Gewalt und den Drohungen geflohen, die von den Rebellen ausgehen. Viele jedoch befürchten, ins Kreuzfeuer zwischen Regierungstruppen und Maoisten zu geraten.

Die schlechte Sicherheits-Situation macht das Leben in solchen Gegenden unmöglich.

Viele Vertriebene haben sich nach Indien abgesetzt, in der Hoffnung, dort eine Arbeit zu finden. Andere bleiben in Nepal. Ihre Situation wird immer schwieriger. Bereits sind Frauen zur Prostitution gezwungen worden.

Die allgemeine Lage für die Vertriebenen wirft humanitäre und menschenrechtliche Fragen auf.

swissinfo: Gibt es auch Leute, die wegen der Bedrohung durch Regierungstruppen ihr Heim verloren haben?

W.K.: Viele fürchten sich vor den Regierungstruppen. Sie haben Angst, ins Kreuzfeuer zu geraten oder Probleme zu kriegen, wenn sie die Rebellen mit Nahrung und Geld versorgen. Denn oft werden sie dazu gezwungen, so dass sie wirklich zwischen die Fronten geraten.

swissinfo: Waren Sie schockiert über das Ausmass der Krise in Nepal?

W.K.: Ich war bereits früher in Nepal und wusste, was mich erwartet. Der wichtigste Grund, weshalb ich dorthin reiste, waren Vorschläge für Aktionen. Ich fühle, dass das Problem mit den Vertriebenen übersehen und vernachlässigt worden ist. Deshalb braucht es jetzt aktives Handeln.

Wir sollten uns im Frühstadium damit befassen, bevor die Lage zu einer wirklichen humanitären Krise ausartet.

swissinfo: Was gedenken Sie zu tun?

W.K.: Bisher haben UNO-Agenturen und Nicht-Regierungsorganisationen, NGO, in Nepal in erster Linie Entwicklungszusammenarbeit betrieben. Doch heute braucht es mehr humanitäre Aktionen für die Bevölkerung, damit diese über die Krise hinweg kommt.

swissinfo: Der nepalesische König Gyanendra hat Sie ins Land eingeladen. Doch wie reagierten die Rebellen auf Ihren Besuch?

W.K.: Ich hatte keinen Kontakt mit den Maoisten. Aber ich glaube nicht, dass sie gegen meine Besuche etwas einzuwenden hatten, denn ich stiess auf keine Sicherheits-Probleme.

Ich hoffe, die Rebellen akzeptieren meine Bitte, die grundlegenden Prinzipien der internationalen Menschenrechte zu respektieren. Falls Sie dies tun, wird einer der wichtigsten Vertreibungs-Gründe beseitigt.

swissinfo: Wäre es für Sie nicht wichtig gewesen, mit den Maoisten den Dialog zu suchen?

W.K.: Sicher ist es wichtig, mit beiden Seiten zu sprechen. Nepal hat kürzlich eine Absichtserklärung mit dem UNO-Hochkommissariat für Menschenrechte unterzeichnet, worin den UNO-Beobachtern das Recht zugestanden wird, auf beiden Konfliktseiten Zugang zu haben.

swissinfo: Da der König seit Februar die Medien zensuriert, ergibt sich seither ein unklares Bild. Wie ist die allgemeine Lage in Nepal einzuschätzen?

W.K. In Kathmandu und dem umliegenden Tal zeigt sich die eine Seite Nepals. Doch wenn man die Hauptstadt verlässt, kommt man in ein anderes Nepal. Dort zeigt sich wirklich, wie gravierend die Lage ist. Es herrscht ein Klima der Angst, was viel Sorge bereitet.

Fast jeder Nepalese, mit dem ich sprach, sagte mir, sein einziger Wunsch sei Frieden. Das Land befindet sich in einer sehr schwierigen Situation.

swissinfo: Was kann die Schweiz tun, um die Krise in Nepal lösen zu helfen?

W.K. Die Schweiz vermag eine wichtige Rolle zu spielen. Ein Grund, weshalb bisher wenig getan wurde, ist der Mangel an Geld. In einem Flüchtlings-Camp hatte die eine Hälfte der Vertriebenen Häuser, aber die andere Hälfte musste elend in Zelten darben, weil das Geld für bessere Unterkünfte ausgegangen war.

Die Schweiz kann auch bei der Umsetzung der Absichtserklärung, was die UNO-Beobachter betrifft, eine wichtige Rolle spielen.

swissinfo, Billi Bierling in Kathmandu
(Übertragung aus dem Englischen: Alexander Künzle)

Fakten

Nepal gehört zu den prioritären Ländern Schweizerischer Entwicklungs-Zusammenarbeit.
Die Schweiz ist seit mehr als 40 Jahren im Königreich engagiert.

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In Kürze

Anfang April hat die UNO-Kommission für humanitäre Rechte ein Abkommen mit Nepal geschlossen, wonach Menschenrechts-Beobachter im Land zugelassen werden.

Ein sechs-köpfiges Beobachter-Team soll Mitte Mai mit der Arbeit beginnen.

Die nepalesischen Mao-Rebellen kämpfen seit zehn Jahren für die Abschaffung der Monarchie. Sie wollen eine kommunistische Diktatur.

Rund 11'000 Menschen wurden bereits umgebracht.

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