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Marktplatz für Erfinder-Träume

Mit Easy Opener, einer Erfindung aus der Schweiz, sollen sich Flaschen problemlos öffnen lassen. inventions-geneva

Rund tausend neue Erfindungen feiern an der internationalen Messe für Erfindungen, neue Techniken und Produkte in Genf ihre Weltpremiere.

Dieser Inhalt wurde am 12. April 2003 - 12:12 publiziert

Die Messe ist für viele Erfinder das Schaufenster, ihre Produkte und Ideen zu vermarkten und einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen.

Die Erfindermesse Genf bezeichnet sich selbst als "grösste und bedeutendste Ausstellung, die ausschliesslich Erfindungen gewidmet ist". Sie untermauert diese Aussage mit Zahlen: Rund 1000 Erfindungen von etwa 600 Ausstellern aus 42 Ländern warten auf rund 76'000 Besucher aus aller Welt.

Auf den Schutz des Geistigen Eigentums wird dieses Jahr grossen Wert gelegt: Die World Intellectual Property Organization, das Europäische Patentamt, sowie Patentämter von 15 Ländern, darunter auch das eidgenössische Institut für geistiges Eigentum, sind anwesend.

Professor Bienlein ist nicht mehr das, was er mal war...

Die 1000 Erfindungen kommen von Industrie und Handel, von Forschern und Erfindern aus staatlichen und privaten Institutionen. 35% des Angebots werden von letztgenannten präsentiert.

Trotzdem ist die Genfer Veranstaltung kein "Professor Bienlein- oder Daniel Düsentrieb-Salon", meint Jean-Luc Vincent, Gründer und Präsident der Erfindermesse. "Leider, und das meine ich für das breite Publikum, werden die Professor Bienlein-Typen immer seltener."

Weshalb? Die Weiterentwicklung der Technik und das Erfinden von neuen Materialien erfordert einen immensen Aufwand. Dieser ist von Einzelpersonen fast nicht mehr zu schaffen. Zudem: Was gestern als ausgefallenes oder spleeniges Produkt Beachtung fand, sei heutzutage nicht mehr so gefragt, meint Vincent.

Die Schweizer, ein Volk von Tüftlern?

Die Institutionen, bei denen Patente angemeldet werden können, hätten strengere Kriterien aufgestellt, damit mehr ausgereifte Erfindungen einen Patentschutz erhalten, meint Vincent weiter.

12% der rund 600 Aussteller sind Schweizer. "Die Schweiz weist, bezogen auf die Einwohnerzahl, am meisten Patente auf, selbst, wenn man berücksichtigt, dass heute die meisten Erfindungen durch das Europäische Patentamt in München brevettiert werden," erklärt Walter Lederberger vom Eidgenössischen Institut für geistiges Eigentum, gegenüber swissinfo.

Nicht alle patentierten Erfindungen finden schliesslich den Weg zur Serienproduktion. Gemäss den Statistiken werden nur 5-6% kommerzialisiert. Da sind die Aussteller der Erfindermesse erfolgreicher: 45% der Erfindungen, die an der letztjährigen Messe präsentiert wurden, fanden einen Lizenznehmer oder Financier. Der Umsatz auf der Messe oder im unmittelbaren Anschluss daran betrug rund 50 Mio. Franken.

Breites Angebot

Objekte wie der Easy Opener (ein Flaschenöffner), Driving Machine (eine Vorrichtung um Golfbälle zu positionieren), Powerskate (Rollschuhe mit elektrisch angetriebenen Rädern), Urimat (ein Pissoir, das ohne Wasser oder Chemie funktioniert) sind einige der Erfindungen, die beim Institut für geistiges Eigentum auf die ihre Patentierung warten.

Philipp Thomas, Jurist beim Schweizer Patentamt: "In der Schweiz sind mehr als 500'000 Patente registriert. Pro Jahr erfolgen rund 12'000 Neuanmeldungen. Bei uns kann man die Idee, die Marke oder das Design schützen lassen".

Ikarus und James Bond

Der Traum des 42-jährigen Piloten Peter Allenbach ist, Auto und Flugzeug zu vereinen. Er will sich damit sowohl auf der Strasse wie in der Luft bewegen können.

In sein Projekt hat er fünf Jahre Arbeit und 10'000 Franken investiert: "Ich weiss, es ist keine neue Idee, in einem James-Bond-Film hat man bereits vor Jahren ein Auto in ein Flugzeug verwandelt."

"Der Unterschied zu anderen Modellen und meiner Erfindung besteht darin, dass ich einen wahren Hybriden zwischen Flugzeug und Auto entwickelt habe," erklärt der Tüftler aus dem bernischen Niederbipp.

In diesen Tagen hat er mit einem Modell aerodynamische Versuche im Windkanal der Ruag in Luzern durchgeführt. Um den Prototypen zur Serienreife entwickeln zu können, rechnet er noch mit drei bis zehn Jahren Arbeit.

Ob Aerocar wirklich einmal die Strassen und die Luft unsicher macht, hängt davon ab, ob Allenbach an der Erfindermesse mit kapitalkräftigen Investoren ins Geschäft kommt, die an sein Projekt glauben.

Allenbach: "Die nötigen Investitionen für den Prototypen beziffere ich auf rund eine Million Franken, wovon rund 100'000 Franken allein die Materialkosten ausmachen".

Erfinder als Beruf

Oliviero Guelli, 63 Jahre alt, wohnt und arbeitet in Breganzona im Kanton Tessin. Die Anzahl der Erfindungen des gelernten Elektro-Technikers ist beeindruckend.

"Ich bin Besitzer von 24 Patenten," sagt Guelli gegenüber swissinfo, "und alle sind kommerziell erfolgreich".

Die erste Erfindung des Tessiners stammt aus dem Jahr 1981: ein Spezial-Rollstuhl für Behinderte. Die letzte Erfindung ist eine Teleskop-Stange zum Abschleppen von Autos, welche die Sicherheit des an sich gefährlichen Manövers markant erhöht.

"Aber," offenbart Oliviero Guelli, "ich tüftle bereits an meiner nächsten Erfindung: eine Autofelge, die nicht schmutzig wird".

swissinfo, Sergio Regazzoni und Bernard Léchot
(Übersetzung: Etienne Strebel)

Fakten

585 Erfinder präsentieren sich an der 31. Erfindermesse in Genf
76'000 Besucher werden erwartet
2002: 50 Millionen Franken Umsatz
500'000 registrierte Patente in der Schweiz
12'000 Patente werden jährlich in der Schweiz angemeldet

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