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Marcel Ospel geht bei der UBS von Bord

Keystone

Abschreibungen im ersten Quartal von 19 Mrd. Franken, Reinverlust von 12 Milliarden: Erneut tiefrote Zahlen haben das Schicksal von UBS-VR-Präsident Marcel Ospel besiegelt. Peter Kurer soll sein Nachfolger werden.

Dieser Inhalt wurde am 01. April 2008 - 08:33 publiziert

Kreditkrise und kein Ende, zumindest für die UBS: Nachdem die Schweizer Grossbank bereits im letzten Jahr über 21 Milliarden Franken abschreiben musste, geht es in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres im gleichen Stil weiter.

Mit den jüngsten Abschreibungen von knapp 20 Milliarden Franken erhöht sich das Debakel der UBS auf dem US-Hypothekenmarkt auf einen Abschreibungsbedarf von über 40 Mrd. Franken. Keine andere Bank hat bisher so viel ans Bein streichen müssen. Das Loch soll mit einer neuen Kapitalerhöhung von 15 Mrd. Franken gestopft werden.

Doch im Unterschied zu Ende 2007 ist Verwaltungsratspräsident Marcel Ospel nicht mehr länger "Teil der Lösung des Problems", wie er damals noch verkündet hatte. An der Generalversammlung vom 23. April soll ihn Peter Kurer, 59-jähriger Wirtschaftsanwalt und bisheriges Konzernleitungsmitglied, ablösen.

"Probleme hinter uns"

Noch-UBS-Präsident Marcel Ospel zeigte sich am Dienstagmorgen überzeugt, dass die Grossbank mit den jüngsten Abschreibern und Massnahmen alles getan habe, um die Probleme im Zuge der weltweiten Finanzkrise hinter sich zu bringen.

Nach den "intensiven" Wertberichtigungen "haben wir die Probleme in diesem Markt hinter uns", sagte Ospel am Schweizer Radio.

Er habe seit längerem Rücktrittsabsichten gehabt. Im Sommer habe er aber diese Pläne auf Wunsch des Verwaltungsrats und "aus eigenem Antrieb" geändert und sich der Bank für eine weitere, auf ein Jahr verkürzte Amtszeit zur Verfügung gestellt.

Nachdem nun die dringendsten und drückendsten Probleme gelöst seien, "betrachte ich meinen Beitrag als geleistet", sagte Ospel. In einer Telefonkonferenz ergänzte er, dass er seinen Rücktrittsentscheid erst in der vergangenen Nacht gefällt habe.

Ethos begrüsst Rücktritt

Die Anlagestiftung Ethos, die als kritische Aktionärin die UBS-Krise begleitet, begrüsst den raschen Rücktritt von UBS-Verwaltungsratspräsident Marcel Ospel.

"Wir sind zufrieden, dass Herr Ospel sich nicht mehr als Teil der Lösung des Problems sieht und die Konsequenzen zieht", sagte Ethos-Direktor Dominique Biedermann am Dienstag. Die Kandidatur von Peter Kurer sei zu begrüssen. Mit Peter Kurer rücke ein längjähriger, erfahrener UBS-Mann nach.

Überrascht zeigte sich Biedermann über die Höhe der Abschreibungen im ersten Quartal 2008. Die vorgeschlagene Kapitalerhöhung sei vor diesem Hintergrund ein absolutes Minimum. Er frage sich, ob sie ausreiche, um das Vertrauen der Kunden und Aktionäre zu bewahren.

"Vertrauensbildendes Signal"

Der Rücktritt entspreche den Erwartungen der Eidgenössischen Bankenkommission (EBK), sagte Direktor Daniel Zuberbühler am Dienstag vor den Medien. Es sei ein vertrauensbildendes Signal.

Die EBK-Spitze ist zuversichtlich, dass die Bank mit Peter Kurer als neuem Verwaltungsratspräsident wieder Stabilität gewinnt und die neue Equipe sie mit einem gewissen Erneuerungsprozess erfolgreich in die Zukunft führen wird. Die EBK-Vertreter sagten ausserdem auf eine entsprechende Frage, dass bei der UBS zu keinem Zeitpunkt die Gefahr einer Insolvenz bestanden habe.

Auch Finanzminister Hans-Rudolf Merz hat die jüngsten Massnahmen der UBS begrüsst. Er rechnet wegen der Milliardenverluste der Grossbank aber mit Steuerausfällen von bis zu einer Milliarde Franken.

Keine Panik beim Personal

Das Bankpersonal der UBS bleibt trotz Verunsicherung durch die grösste Krise in der Geschichte der Grossbank ruhig. Die Stimmung sei zwar getrübt. Es herrsche aber keine Panik, sagte Mary-France Goy, Zentralsekretärin des Bankpersonalverbandes.

"Wir hoffen, dass mit der jüngsten Hiobsbotschaft weiterer Abschreibungen in Höhe von 19 Mrd. Dollar das Ende des Tunnels erreicht ist", sagte Goy am Dienstag. Mit Ausnahme des Investment Bankings laufe das Bankgeschäft gut.

Leider gebe es wie oft in Krisenlagen auch jetzt Headhunter, die versuchten, Personal abzuwerben.

Börse reagiert positiv

An der Schweizer Börse SWX ist der Rücktritt von Marcel Ospel mit Erleichterung aufgenommen worden. Die Aktie verbuchte bereits in den ersten Handelsminuten kräftige Gewinne.

Analysten bezweifeln zwar, dass der Höhepunkt der Krise schon überschritten ist. Die neuerlichen Wertberichtigungen seien umfangreicher ausgefallen als erwartet. Zuversichtlich stimme, dass die UBS ihre Risikopositionen deutlich habe reduzieren können.

Doch der Rücktritt von Marcel Ospel wird mit Erleichterung aufgenommen. Damit verlasse der Mann das Schiff, der von allen für den angerichteten Schaden verantwortlich gemacht werde.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Die UBS ist 1997 aus der Fusion des Schweizerischen Bankvereins SBV und der Schweizerischen Bankgesellschaft SBG entstanden.

Sie ist schweizweit die grösste und weltweit die zehntgrösste Bank und beschäftigt rund 80'000 Mitarbeitende.

Was die laufende Subprime-Krise betrifft, vermeldete die Bank Ende 2007 zuerst einen Abschreiber von 4 Mrd. Franken. Doch das letzte Geschäftsjahr beendete sie schliesslich mit einem Verlust von 4,4 Mrd., nach insgesamt 21,3 Mrd. Abschreibungen.

Ihr Engagement in diesem Sektor ist noch viel grösser. Inklusive anderen unsicheren Krediten könnten 80 Mrd. Franken betroffen sein. Weitere Abschreiber könnten sich ergeben.

Seit Beginn 2008 hat die UBS-Aktie einen Drittel ihres Werts verloren.

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