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Mangel an medizinischer Forschung

Catherine Nissen-Druey, Ärztin und Wissenschafts-Politikerin swissinfo.ch

Zu viele Ärzte, aber nicht genug Forschende in der Medizin - Catherine Nissen-Druey, Ärztin und Vizepräsidentin des Schweizerischen Wissenschafts- und Technologierats (SWTR) sieht Probleme.

Dieser Inhalt wurde am 09. Januar 2003 - 08:45 publiziert

Sie spricht gar von einem echten Notstand.

Das Treffen mit Catherine Nissen-Druey fand bei ihr zu Hause statt, aufmerksam verfolgt von ihrem Labrador. Als erstes erzählt sie von ihrem medizinischen Werdegang: "Ich bin Ärztin, Frau, Mutter und Grossmutter. Diese Mehrfach-Belastung war nicht einfach, denn in der Medizin gab es keine Strukturen für Frauen."

Deshalb wurde sie nicht, wie eigentlich geplant, Kinderärztin oder Herzspezialistin, sondern ging in die klinische Forschung. Genauer, in die Hämatologie, also die Lehre vom Blut.

Bescheiden fügt sie bei: "Wir waren die ersten, welche Blutstammzell-Kulturen anlegten. Heute sprechen alle davon, aber damals waren wir ein kleiner Klub von Fachleuten."

Die klinische Forschung in der Schweiz

Die Ausbildung lenke angehende Ärzte und Ärztinnen kaum in Richtung Forschung. Deshalb fehle es in der Schweiz an klinisch Forschenden.

"Die Karrierestrukturen sind unmöglich, und noch unmöglicher ist der Lohn. Ein junger Forscher verdient rund 30'000 Franken pro Jahr", erklärt Catherine Nissen-Druey.

"Von diesem Problem spricht man nie, dabei sollte es unbedingt angepackt werden. Wenn nichts geschieht, wird es in zehn Jahren keine Forschung mehr geben."

Was tun? Der SWTR schlägt unter anderem vor, Arbeitsstellen für junge Forschende zu schaffen, den Nachwuchs mittels Studienstipendien (training grants) zu fördern und die klinische Forschung auch Nichtmedizinern zu öffnen.

Aber Nissen-Druey sieht noch eine andere Erklärung für den Mangel an medizinischer Forschung: "Die Jungen streben diese Karriere nicht an, weil der Status der Ärzteschaft gesellschaftlich noch immer attraktiv ist. Auch wenn die Bevölkerung nicht mehr so zu ihnen aufsieht wie früher, was meiner Ansicht nach gut ist für den Beruf."

Die Schweizer Medizin: gut, aber teuer

Nissen-Druey beurteilt das Niveau der Medizin in der Schweiz als ausgezeichnet: "Das kommt daher, dass die Ausbildung im ganzen Land gleich ist. Wir haben also eine gewisse Qualitätsgarantie. Und vor allem gibt es keine Primärspezialisierung. Alle erhalten eine allgemeine Grundausbildung, und diese Basis ist eine Garantie."

Doch der Beruf verändere sich: "Die Jungen müssen viel mehr wissen als wir damals. Die Entwicklung geht so schnell voran, dass Ärzte und Ärztinnen heute manchmal Medikamente verschreiben, die sie nur aus der Werbung kennen. Sie verstehen weder die Physiopathologie der Krankheiten noch die Auswirkungen dieser Produkte wirklich. Es ist zu kompliziert geworden, zu unübersichtlich."

swissinfo, Yves Pillard

Fakten

Catherine Nissen-Druey
geboren 1939
1959-1965: Studium in Basel und Zürich
1975: Titel als Fachärztin FMH, innere Medizin
1975: Start der Forschungs-Karriere in Hämatologie
Seit 1983: Direktorin des experimentellen Hämatologie-Labors an der Universitäts-Klinik Basel
1991: Ernannt zur ausserordentlichen Professorin für Physiopathologie
1993: Preisträgerin des Wissenschaftspreises der Stadt Basel.

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