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Das grosse Risiko der Mafia-Berichterstattung

Für Journalist:innen, die über die dunklen Seiten des heutigen Italien berichten, ist der EU-Mitgliedstaat nachwievor ein gefährlicher Ort, sagt Federica Angeli – die neueste "Stimme der Freiheit aus aller Welt" in unserer Video-Reihe.

Dieser Inhalt wurde am 19. Oktober 2022 - 09:15 publiziert
Bruno Kaufmann, Michele Novaga

Die italienische Journalistin Federica Angeli lebt seit Jahren unter Polizeischutz, weil sie über die Mafia in der Küstengemeinde Ostia in Rom berichtete. "Meinungsfreiheit ist für mich die Freiheit, Dinge erzählen zu können, die niemand erzählen will", erklärt sie.

Die 46-Jährige veröffentlicht seit über zwanzig Jahren investigative Recherchen über die Netzwerke des organisierten Verbrechens für die Tageszeitung La Repubblica.

Nach einem Bericht über Ostia erhielt Angeli ernsthafte Drohungen. "Bei dieser Recherche hatte ich auch enorme Schwierigkeiten sozialer Natur. Denn hier in Rom gab es einen kulturellen Widerstand, an die Existenz einer Mafia zu glauben, die den römischen Dialekt sprach: Für viele existierte die Mafia in Italien nur im Süden", sagt sie gegenüber swissinfo.ch im Innenhof des römischen Sitzes von La Repubblica. Das Interview wurde von zwei Agenten überwacht, die Angeli seit neun Jahren rund um die Uhr begleiten.

Dank ihrer Arbeit konnte eine kriminelle Bande unter der Führung der Familie Spada zerschlagen werden, die Schutzgelder von Händler:innen verlangte und entlang der römischen Küste Angst und Schrecken verbreitete. Im Januar 2022 führte der Oberste Gerichtshof einen grossen Prozess gegen 17 Anführer:innen und Mitglieder der kriminellen Gruppe, die als Teil des Mafia-Clans – des Spada-Clans - in Ostia aktiv waren, was die Arbeit von Angeli bestätigt.

Angeli wurde 2015 vom italienischen Staatspräsidenten Sergio Mattarella mit dem Verdienstorden der Italienischen Republik ausgezeichnet und schrieb drei Jahre später auch ein Buch – "A mano disarmata: Chronik von eintausendsiebenhundert Tagen unter Polizeischutz". Die Veröffentlichung war so erfolgreich, dass die Geschichte auch zu einem Film inspirierte, bei dem Caludio Bonivento Regie führte und die Schauspielerin Claudia Gerini die Rolle von Angeli spielte.

Angeli ist einer von mehr als 20 italienischen Journalist:innen, die teils schon seit Jahren unter permanentem Polizeischutz leben. "Es ist nicht normal, dass es all diese Journalist:innen in Italien gibt", sagt sie. "Im Gegenteil, es ist eine Anomalie, die in Europa und anderen Teilen der Welt Interesse weckt. Offensichtlich funktioniert etwas in unserer Gesellschaft nicht richtig."

Übertragen aus dem Englischen: Melanie Eichenberger

Serie Stimmen der Freiheit aus aller Welt

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