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Locarno: Lob und Applaus für Schweizer Beiträge

Der Schweizer Film "Mais im Bundeshuus" auf der Piazza Grande. Keystone

Die Hitze, über die allseits gejammert wird, und das damit verbundene perfekte Sonnenwetter haben die ersten Tage am Filmfestival Locarno bestimmt.

Dieser Inhalt wurde am 10. August 2003 - 18:38 publiziert

Mit 9500 Besuchern wurde am Samstag auf der Piazza Grande ein Publikumsrekord erreicht.

Die bisher gezeigten Filme auf der Piazza wie im Wettbewerb waren von unterschiedlicher Qualität. Neben einigen Perlen gab es auch unbedarfte Beiträge, die kaum Chancen auf einen Preisgewinn haben.

Der Wettbewerb wurde am Donnerstag mit einer kleinen Perle eröffnet, die aus der Schweiz stammt: "Au sud des nuages" des Westschweizers Jean-François Amiguet, dessen letzter Spielfilm "L'ecrivain public" zehn Jahre zurück liegt.

Der Weg ist das Ziel

Geschildert werden die Erlebnisse einiger Bauern aus dem Wallis auf einer Reise nach China. Rasch wird klar: Der Weg ist das Ziel. Die Protagonisten entdecken das Abenteuer weniger in der Ferne als in sich selbst.

Die durchwegs exzellenten Schauspieler transportieren die Botschaft vom Wert schlichter Menschlichkeit mit schöner Leichtigkeit. Amiguet erzählt sympathisch schnörkellos; die Story fesselt mit Spannung. Ein Film, der Locarno bestens entspricht: Unterhaltung mit Anspruch.

Auch zwei weitere Beiträge aus der Schweiz setzten in den ersten Festivaltagen die Glanzlichter: Der Spielfilm "Mein Name ist Bach" und die Dokumentation "Mais im Bundeshuus".

Wunderbare Hauptdarsteller

"Mein Name ist Bach" ist das Regie-Debüt der in Berlin lebenden Westschweizerin Dominique de Rivaz. Ausgehend von einer verbürgten Begegnung zwischen Preussenkönig Friedrich II. und dem Komponisten Johann Sebastian Bach reflektiert sie phantasievoll das Verhältnis von Kunst und Macht.

Dank den wunderbaren Hauptdarstellern Vadim Glowna (Bach) und Jürgen Vogel (Friedrich II) fesselt die psychologisch pointierte Zeichnung eines handfesten Kampfes von Genie und Wahnsinn.

Dabei ist der Witz oft böse, denn er zeigt deutlich die Abhängigkeit der Künstler von den Machthabern. Damit weist dieser in der Historie angesiedelte Film deutlich ins Heute und lässt die Zuschauer bei allem Lachen auch erschaudern.

Cineastischer Leckerbissen

Dieselbe Wirkung erreicht auch die Dokumentation "Mais im Bundehuus" des Westschweizers Jean-Stéphane Bron. Beobachtet werden die Mitglieder der Parlamentarischen Kommission, die 2001 ein Gesetz zur Gentechnologie erarbeitet hat.

Obwohl zu den Beratungen nicht zugelassen und deshalb in die Rolle des "Lauschers an der Tür" gedrängt, gelingt Bron ein vielschichtiges Tableau über Aspekte des Parlamentarier-Alltags, das zeitweise wie ein Thriller aussieht.

Ohne die im Mittelpunkt stehenden Politiker mit filmischen Mitteln zu denunzieren, wird deren Beschränktheit deutlich. Es drängt sich bald der Eindruck auf, es gehe weniger um die Sache als um die Stärkung der jeweils vertretenen Partei.

Die Statements der Protagonisten und die Szenen im Parlament haben bitter-satirisches Potential. Mikrofon und Kamera mussten scheinbar nur hingehalten werden.

Das stimmt natürlich nicht: Erst die intelligente Montage des Materials macht die Reportage aus dem Berner Machtzentrum zu einem cineastischen Leckerbissen.

Unübersehbares Angebot

Neben diesen Schweizer Glanzpunkten offerierten die beiden Hauptsektionen des Festivals bisher ungeordnet so ziemlich alles, was Filmfestivals anbieten können.

Experimentelles aus Flandern ("Any Way the Wind Blows"), Bezauberndes aus England ("Calendar Girls"), Sozialkitsch aus Italien ("Ora o mai piu'") oder Dramatisches aus den USA ("Thirteen").

Dazu gibt es ein unübersehbares Angebot in den zu vielen Nebensektionen. Motto scheint das alte Dichterwort zu sein: "Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen."

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Zwar fehlte am Eröffnungswochenende die internationale Filmprominenz. Dafür gaben sich hochrangige Politikerinnen und Politiker ein Stelldichein.

So nahm der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder am jährlich stattfindenden Galadiner teil.

Schröder befand sich in Gesellschaft von Bundespräsident Pascal Couchepin sowie von Bundesrätin Micheline Calmy-Rey und Bundesrat Moritz Leuenberger.

Der Besuch des deutschen Bundeskanzlers war in höchster Diskretion organisiert und erst am Samstagabend bekannt gemacht worden.

Der Kanton Tessin war am Galadiner durch drei Staatsräte vertreten. Unter den geladenen Gästen befanden sich auch der Schriftsteller Adolf Muschg sowie die deutsche Kulturministerin Christina Weiss.

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