Navigation

Kurzschluss war Ursache für das Bahn-Chaos

Das lange Warten der Bahnreisenden ist definitiv zu Ende. Keystone

Für die bisher grösste Panne im Schweizerischen Schienennetz vom Mittwoch Abend machen die SBB einen Kurzschluss verantwortlich.

Dieser Inhalt wurde am 23. Juni 2005 - 00:40 publiziert

Seit Donnerstag morgen ist die Normalität wieder in den Bahn-Alltag zurückgekehrt. Zu einigen Verspätungen kam es dennoch.

Auf den Bahnhöfen herrschte am Donnerstag-Morgen wie üblich an Werktagen Hochbetrieb. Dazu kamen nach Angaben der Schweizerischen Bundesbahnen SBB Hunderte von Schulklassen, die ihre Schulreisen antraten. Auf den Bahnhöfen seien überall Kundebetreuer im Einsatz, um einen möglichst reibungslosen Verkehr zu ermöglichen, sagte ein SBB-Sprecher.

Die ganze Nacht über waren die Züge von zusätzlichem Personal in ihre normalen Ausgangspositionen gebracht worden. Man hoffe, den Betrieb so weit als möglich wieder fahrplanmässig führen zu können.

Laut SBB-Sprecher Christian Kräuchi konnte der Güterverkehr ab Mitternacht bewältigt werden. Auch die Post machte den Rückstand wieder wett. Dank Sondertransporten auf der Strasse und Extrazügen könne die Versorgung landesweit gewährleistet werden, sagte Post-Sprecherin Lieselotte Spengler.

Kurzschluss als Ursache

Nach einem rund zweistündigen völligen Zusammenbruch des Schweizer Bahnverkehrs wegen einer Strompanne waren am Mittwochabend um etwa 20.15 Uhr die ersten Züge wieder angefahren. Zuvor waren im Feierabendverkehr über 100'000 Bahnreisende gestrandet.

Es war ein Kurzschluss an einer SBB-Übertragungsleitung von Amsteg nach Rotkreuz, der am Mittwoch um 17.08 Uhr zum Abschalten mehrerer SBB-Kraftwerke und damit zur fatalen Kettenreaktion geführt hat.

An einer Pressekonferenz in Bern gaben die SBB ausserdem bekannt, dass die Stromversorgung des Netzes infolge des Kurzschlusses in zwei Teilnetze getrennt worden sei. Im Süden sei zuviel und im Norden zuwenig Energie zur Verfügung gestanden. Dies habe um 17.47 Uhr zu einem kompletten Zusammenbruch der Stromversorgung geführt.

Der beispiellose Stromausfall bei den SBB beschäftigt auch die Aufsichtsbehörde des Bundes. Das Bundesamt für Verkehr (BAV) werde den SBB sicher gewisse Fragen stellen, sagte BAV-Sprecher Gregor Saladin am Donnerstag. Er erinnerte daran, dass vom Bund jährlich rund 1,5 Mrd. Franken in die Infrastruktur der Bahn fliessen.

Deshalb bestehe natürlich auch ein Interesse an einem guten und zuverlässigen Funktionieren des Bahnverkehrs.

Heikles Wieder-Anfahren

Das Wieder-Anfahren des Bahnverkehrs war laut Christian Kräuchi heikel gewesen. Die SBB versuchte, das Stromnetz von Zürich aus Sektor für Sektor wieder aufzuschalten. Die Züge mussten einzeln losfahren, damit das Netz nicht wieder zusammenbrach.

Die ersten Züge fuhren am Gotthard und im Tessin wieder an, anschliessend in der Innerschweiz, im Raum Zürich und in der Westschweiz. Auch die Züge der Bern-Lötschberg-Simplon-Bahn (BLS) in Richtung Spiez-Lötschberg nahmen wieder Fahrt auf. Die Ostschweiz blieb vorerst ohne Strom.

Vom Blackout betroffen waren auch andere Bahnen. Bei der BLS gab es zeitweise einen Totalausfall. Bei der Matterhorn Gotthard Bahn, der früheren Furka-Oberalp-Bahn, fielen Züge zwischen Zermatt und Andermatt aus.

Sicher nach Hause

Erstes Ziel der SBB war es, alle Reisenden noch am Mittwochabend wieder nach Hause zu bringen. Ein SBB-Sprecher appellierte aber, wer nicht unbedingt den Zug benützen müsse, solle zu Hause bleiben.

Mit gewissen Einschränkungen wird auch am Donnerstag gerechnet. Man sei aber zuversichtlich, dass der Verkehr am Morgen fahrplanmässig anrollen werde. Verzögerungen dürfte es auch beim Lebensmitteltransport und bei der Postzustellung geben.

Evakuierung mit Diesellokomotiven

In den zahlreichen stehengebliebenen Züge fielen die Klimaanlagen aus. Züge, die unterwegs waren, fuhren - sofern es die noch vorhandene Spannung zuliess - in den jeweils nächsten Bahnhof. Die Züge in den Tunnels wurden mit Hilfe von Diesellokomotiven evakuiert.

Für Licht und Türantriebe haben die Personenwagen noch eine eigene Batterie. Schliesslich gibt es Notmechanismen, um Türen ohne Strom zu öffnen.

Bus zum Flughafen

Intensiv suchten die SBB-Verantwortlichen während der Panne nach Ersatzbussen. Damit niemand den Flug verpasste, wurde bereits früh ein Ersatzbus zum Flughafen Zürich eingerichtet. Der Flughafen meldete denn auch nicht mehr Flugverpasser als gewöhnlich.

Beispiel Bahnhof Bern

Im Bahnhof Bern warteten hunderte Menschen vor einer ungültigen Anzeigetafel. Weiter suchten viele nach Mitpassagieren, um ein Taxi zu teilen.

Eine "gestrandete" Frau sagte gegenüber swissinfo, sie sei überrascht, "dass in der Schweiz überhaupt so etwas geschehen konnte".

Ein anderer Pendler gab sich philospohisch: "Solche Sachen geschehen. Glücklicherweise bin ich nicht in Eile, aber ich fühle mit den anderen Pendlern."

swissinfo und Agenturen

Fakten

Die SBB befördern pro Tag im Schnitt mit 9000 Zügen rund 700'000 Personen. Etwa 2200 Güterzüge befördern zudem 160'000 Tonnen Fracht.

Mit über 28'000 Angestellten sind die SBB eine der grössten Arbeitgeberinnen der Schweiz. Das Streckennetz ist rund 3000 Kilometer lang und umfasst gegen 800 Bahnhöfe.

Hinzu kommen Dutzende von Regional- und Privatbahnen. Das Schweizer Schienennetz umfasst gut 5100 Kilometer in Normal- und Schmalspur.

End of insertion

In Kürze

Am Mittwoch ereignete sich mitten im Feierabend-Verkehr kurz vor 18 Uhr ein Stromunterbruch - landesweit. Gut 100'000 Reisende strandeten, viele auf offener Strecke.

Das Bahnnetz war ab 21.30 Uhr wieder in allen Landesteilen im Betrieb, wenn auch mit Verspätungen.

Einen landesweiten Ausfall des SBB-Stromnetzes hat es bislang noch nie gegeben. Zu "Black-Outs" ist es in den letzten Jahren aber in der Westschweiz gekommen.

Die SBB betreiben seit der Elektrifizierung der Strecken ein eigenes Stromnetz. Die Stromfrequenz beträgt 16,7 Hertz. Das ist nur ein Drittel des Wertes im normalen Landesnetz.

Um Strom von anderen Kraftwerken zu beziehen, schalten die SBB deshalb jeweils ein Umformerwerk dazwischen.

Die Signalanlagen werden sowohl vom Landesnetz als auch vom Bahnstromnetz gespiesen. In der Regel können deshalb Dieselloks verkehren.

End of insertion

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

Mehr: JTI-Zertifizierung von SWI swissinfo.ch

Diskutieren Sie mit!

Diesen Artikel teilen

Passwort ändern

Soll das Profil wirklich gelöscht werden?