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Kritik an der Schweizer Botschaft in Abidjan

Tausende von Europäern haben die Elfenbeinküste verlassen. Keystone

Aus Abidjan evakuierte Schweizer kritisieren das Verhalten der Schweizer Botschaft im Zusammenhang mit der Krise in der Elfenbeinküste.

Dieser Inhalt wurde am 16. November 2004 - 09:56 publiziert

Das Aussenministerium gesteht gewisse Probleme ein. Die Schweizer in dem Krisenland seien aber korrekt informiert worden.

"Die Schweizer Botschaft unternahm keine Anstrengungen, um mir zu helfen", sagte Corinne Moix am Samstag in Monthey VS. Die 32-jährige Unterwalliserin hatte die Elfenbeinküste diese Woche nach drei Jahren in Abidjan mit ihrem 17 Monate alten Sohn verlassen.

Sie wirft der Botschaft vor allem vor, sie nicht zu Beginn der Krise am vergangenen Samstag kontaktiert zu haben. Die Schweizer seien ungenügend informiert gewesen, erklärte sie.

Die diplomatische Vertretung hätte sich nach den Bedürfnissen der Schweizer erkundigen und sie beraten können, sagte Moix weiter. Ihr Haus war am Samstag vergangener Woche geplündert worden. Französische Einheiten brachten die Mutter mit ihrem Kleinkind auf einen Stützpunkt in Sicherheit.

Enttäuscht vom Botschafter

Von dort aus kontaktierte sie den Schweizer Botschafter Johannes Kunz und fragte diesen nach den Möglichkeiten für eine Ausreise in die Schweiz. Er habe sie wissen lassen, sie könne sich von den Franzosen ausfliegen lassen, sagte Moix. Er sehe dies aber nicht als notwendig an, habe ihr Kunz gesagt.

Auf die Frage, wie sie von Paris in die Schweiz komme, habe der Botschafter geantwortet, da müsse sie selber schauen. Die Antworten von Kunz hätten sie enttäuscht, erklärte Moix weiter.

Kein Einzelfall

Bei der Walliserin handelt es sich nicht um einen Einzelfall. In der Spätausgabe der Westschweizer Tagesschau kritisierte die französische Ehefrau eines Schweizers in der Elfenbeinküste ebenfalls die Arbeit der Botschaft.

Diese habe mit ihr erst vier Tage nach der Plünderung ihres Hauses Kontakt aufgenommen. Mit ihren zwei Kindern war auch sie von französischen Soldaten gerettet worden.

Sehr schwierig

Die Umstände in der Elfenbeinküste seien aussergewöhnlich und die Arbeitsbedingungen sehr schwierig gewesen, erklärte Ivo Sieber, Informationschef des Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA), am Samstag die Ausgangslage.

In verschiedenen Quartieren Abidjans waren während der Krise neun Personen bestimmt, welche den Kontakt mit den dort lebenden Schweizern aufrecht erhalten sollten. Im Fall der Französin sei die zuständige Kontaktperson selber ein Opfer von Plünderern geworden. Deshalb sei die Kommunikation gestört gewesen, erläuterte Sieber.

Dieses Kommunikationssystem funktioniere aber, "auch wenn es zugegebenermassen am Anfang der Krise Probleme gegeben hat". Die Botschaft informierte laut Sieber alle Schweizerinnen und Schweizer über die Ausreisemöglichkeiten, in Zusammenarbeit mit Frankreich. Der Entscheid sei aber jedem Einzelnen überlassen worden.

Den am Sonntag noch rund 140 in der Elfenbeinküste verbleibenden Schweizern würden die Vertreter der Botschaft zur Seite stehen, sagte EDA-Pressechef Sieber weiter. Das EDA will laut Sieber sobald wie möglich einen eigenen Inspektor nach Abidjan entsenden. Dieser soll die Bemühungen vor Ort verstärken und abklären, was genau vorgefallen ist.

swissinfo und Agenturen

Fakten

Bei Beginn der Gewalt in der Côte d'Ivoire am 4. November waren bei der Schweizer Botschaft 267 Schweizer registriert

Am 8. November schätzte das EDA die Anzahl der Schweizer im Krisenland auf knapp über 200

Seitdem wurden 31 Schweizer aus der Elfenbeinküste evakuiert

17 weitere wollen das Land verlassen

180 verbleiben noch im Land

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In Kürze

Das westafrikanische Land Elfenbeinküste ist seit einem Putschversuch vor zwei Jahren zweigeteilt.

Am vergangenen Wochenende waren in der Elfenbeinküste neun Soldaten der ehemaligen französischen Kolonialmacht bei einem Luftangriff getötet worden. Die Regierung in Paris reagierte mit der Zerstörung der Luftwaffe des westafrikanischen Staates.

In der Wirtschaftsmetropole Abidjan kam es daraufhin zu blutigen, anti-westlichen Unruhen. Die Zusammenstösse forderten bisher Dutzende von Toten und Hunderte von Verletzten.

Am letzten Mittwoch begann die Evakuierung der Ausländerinnen und Ausländer.

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