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Kriminalität im Rotlicht-Milieu nimmt zu

Organisierte Kriminalität nutzt immer öfter Rotlicht-Milieu aus. Keystone

Die illegale Prostitution breitet sich in der Schweiz immer stärker aus. Im Rotlichtmilieu finde ein eigentlicher Verdrängungskampf statt, kommt das Bundesamt für Polizei (BAP) zum Schluss.

Dieser Inhalt wurde am 14. September 2000 - 14:17 publiziert

Das organisierte Verbrechen benütze die weibliche Prostitution, um seine Aktivitäten zu verstärken.

Die Zahl der Prostituierten nehme in der Schweiz nach wie vor zu, schreibt das BAP in seinem am Donnerstag (14.09.) veröffentlichten Lagebericht zur organisierten Kriminalität (OK). Umfragen zeigten, dass allein in den Kantonen Zürich, Bern, Basel, Genf, Luzern und Tessin mehr als 7'000 Prostituierte tätig seien. Die höchste Zahl von Dirnen im Vergleich zur männlichen Bevölkerung habe der Kanton Basel-Stadt.

Der Bericht verweist auf eine Zunahme der illegal arbeitenden Prostituierten. Diese würden vermehrt mit missbräuchlich verwendeten Touristenvisa in die Schweiz gelangen. Der Verdrängungskampf wirke sich vor allem auf die meist legal arbeitenden drogensüchtigen Dirnen aus. Ihnen stünden kaum andere Erwerbsmöglichkeiten offen, weshalb sie ihre Dienste bereits ab 20 Franken anböten.

Fehlende Zeugenschutzprogramme erschweren Aufklärung

Das BAP sieht Anzeichen, dass kriminelle ausländische Organisationen das Umfeld der weiblichen Prostitution benutzen, um ihre Aktivitäten im Drogen-, Waffen- und Menschenhandel auszuweiten. Es seien Fälle von russischen Frauen bekannt, die als Tänzerinnen in Schweizer Cabarets geschickt worden seien, um sich über eine Heirat mit einem Schweizer eine Aufenthaltsbewilligung zu verschaffen. Auf diesem Weg sollten sie Angehörigen russischer Verbrechersyndikate die Einreise in die Schweiz ermöglichen.

Straftaten im Umfeld der Prostitution sind laut BAP nur schwer aufzuklären. Grund seien auch die in der Schweiz fehlenden Zeugenschutzprogramme für die Opfer, damit diese aussagen könnten. Falls die Frauen illegal in der Schweiz seien, würden sie meist umgehend abgeschoben. Andere europäische Länder böten professionellen Schutz und Betreuung an.

Die weiblichen Opfer seien zum Teil massiver Gewalt ausgeliefert. Im Kanton Zürich seien Fälle bekannt, bei denen die Frauen bereits in ihrer Heimat mit einem Schweizer verheiratet, am Flughafen Zürich von Mittelsmännern abgeholt und in Hotels während Tagen durch Vergewaltigungen gefügig gemacht worden seien. Die Schweizer Ehemänner hätten bis zu 2'500 Franken pro Monat erhalten.

Gross-Baustellen ziehen Prostituierte an

Die Situation im Rotlichtmilieu spiegelt laut BAP auch allgemeine gesellschaftliche Entwicklungen. So passten sich die Prostituierten der steigenden Mobilität an. Bordelle seien zunehmend an Hauptverkehrsachsen zu finden, was dem Bedürfnis der Freier nach Anonymität entgegenkomme. Auch die Grossbaustellen der NEAT und der Expo.02 zögen das Rotlichtmilieu an. Bei der Alpentransitbaustelle im Tessiner Gebiet Tre Valli sowie im Berner Seeland werde die Umnutzung von Liegenschaften zu Bordellen beobachtet. Auch der wirtschaftliche Aufschwung finde seinen Niederschlag in der Prostitution. Eine immer breitere Kundschaft nehme Dienstleistungen in einem höheren Preissegment in Anspruch, dazu gehörten Begleitservices und Clubs.

Wie schon im letzten Lagebericht sieht das BAP durch die organisierte Kriminalität aus den Staaten der früheren Sowjetunion eine Gefahr für den Rechtsstaat sowie für den Wirtschafts- und Finanzplatz Schweiz. Zur Bekämpfung der OK setzt die Behörde auf die vom Parlament beschlossene Zentralisierung des OK-Kampfs beim Bund und die Aufstockung der Strafverfolgungsorgane. Dies sei nötig, um die neue Aufgabe bewältigen zu können.

swissinfo und Agenturen

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