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KMU vor grosser Herausforderung

Laut Experten stehen KMU harte Zeiten bevor. Keystone

Der Wirtschaftsminister will Schweizer Klein-Unternehmer von der Bürokratie entlasten, damit sie einem härteren Wettbewerb Stand halten können.

Dieser Inhalt wurde am 28. Oktober 2005 - 20:58 publiziert

In St. Gallen versprach Joseph Deiss Besitzern von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) auf Januar einen Plan, wie der "Paragraphen-Dschungel" ausgelichtet werden könnte.

Der Bericht solle aufzeigen, wo insbesondere im Wirtschaftsrecht noch Bedarf an Deregulierung bestehe, sagte Deiss am Freitag. Verwaltung und Parlament seien gefordert, vom helvetischen Perfektionismus wegzukommen.

Am 3. Schweizer KMU-Tag unter dem Motto "KMU im Wandel" nahm auch der Wirtschaftspublizist Beat Kappeler teil. Im Vorfeld der Tagung in St. Gallen stellte er im Gespräch mit swissinfo fest, dass die KMU in der Schweiz im internationalen Vergleich gut dastünden. Um zu überleben, müssten sie sich jedoch auf einen härteren Konkurrenzkampf einstellen.

Die Öffnung der Grenzen für die neuen EU-Länder wird laut Kappeler insbesondere traditionell kleinen und mittleren Unternehmen im Bau- und Gesundheitsbereich das Leben erschweren.

Er glaube aber, dass strategische Netzwerke von unabhängigen Berufsleuten wie Journalistinnen, Anwälten, Übersetzerinnen und Beratern an Bedeutung gewinnen könnten.

"Ich sage voraus, dass immer mehr kleine Unabhängige sich immer öfter für kurzfristige Projekte zusammenschliessen", sagt Kappeler gegenüber swissinfo. Diese Art von flexibler Netzwerkarbeit werde im Dienstleistungs-Sektor die traditionellen KMU ablösen.

Produktivität

"Die Menschen werden immer noch Sanitärinstallateure und Schreiner brauchen, um Dinge zu bauen und zu unterhalten. Diese aber werden kaum wachsen können, weil die Märkte nicht weiter expandieren, die Produktivität kann daher nicht gesteigert werden, und diese Betriebe werden in Zukunft nicht mehr so viel verdienen."

Unternehmen mit bis zu 250 Angestellten repräsentieren 99,7% der 300'000 Betriebe in der Schweiz. Sie stellen zwei Drittel aller Arbeitsplätze in der Schweiz.

Wie eine Studie aus dem Jahr 2004 gezeigt hatte, werden neun von zehn Schweizer Betrieben von Familien geführt.

"Es gibt in der Schweiz zur Zeit zu viele kleine Unternehmen. Weniger, aber effizientere Betriebe wären besser", sagt Franz Jaeger, Professor für Wirtschaftspolitik an der Universität St. Gallen.

Für eine Unternehmung sei es wichtig, von Beginn an effizient zu sein, so Jaeger gegenüber swissinfo weiter.

Schweizer KMU müssten seiner Meinung nach enger zusammenarbeiten und ihr Erscheinungsbild internationaler gestalten, um im wachsenden Wettbewerb in Europa mithalten zu können.

"Ich bin überzeugt, dass sich KMU stärker im Ausland orientieren sollten", so Jaeger weiter. Konzerne, die auch über den Grenzen aktiv seien, hätten bessere Aussichten in Zukunft.

"Zudem müssen sie einen Weg finden, enger zusammenzuarbeiten und gleichzeitig wettbewerbsfähig zu sein. Teamwork und Wettbewerb sind die zwei wichtigsten Dinge für KMU."

Zu viel Bürokratie

Das grösste Problem für Schweizer KMU sei jedoch die Menge von Rechtsvorschriften, die sie behinderten. Darin sind sich Kappeler und Jaeger einig.

Die Betriebe müssten sich beispielsweise für Steuererklärungen durch unzählige Dokumente durchkämpfen und nicht selten auch Buchhalter für die technischen Details einstellen.

"Die Schweizer wollen immer alles perfekt machen, auch die Steuererklärung. Weil wir so detailbesessen sind, brauchen wir so viel Zeit für die Administration eines Unternehmens", sagte Kappeler.

"Mein Vater hatte eine eigene Schreinerei. Ich erinnere mich, wie er sich bereits vor 45 Jahren mit dem Papierkram herumquälte." Seither sei alles noch viel schlimmer geworden, stellt Kappeler fest.

swissinfo, Matthew Allen
(Übertragung aus dem Englischen: Nicole Aeby)

Fakten

Als kleine und mittlere Unternehmen (KMU) werden Betriebe mit bis zu 250 Angestellten bezeichnet.

Bei 99,7% der 307'000 Schweizer Unternehmen handelt es sich um KMU.


Sie beschäftigen 66,8% der gesamten Arbeitskräfte.


1998 setzte der Wirtschaftsminister eine Task Force ein, um die KMU zu unterstützen.

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