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Klimawarnung findet Nachhall in der Schweiz

In den nächsten 50 Jahren wird ein Anstieg der golbalen Durchschnitts-Temperatur um 3 Grad Celsius erwartet. Keystone

Schweizer Umweltschützer und Klimatologen hoffen, dass ein äusserst kritischer Bericht über die weltweite Bedrohung des Klimawandels zu verstärkten Aktionen gegen die globale Erwärmung führt.

Dieser Inhalt wurde am 01. November 2006 - 11:47 publiziert

Der am Montag veröffentlichte Bericht des ehemaligen Chefökonomen der Weltbank, Nicholas Stern, warnt, dass Untätigkeit die Weltwirtschaft 15 Billionen Franken kosten könnte.

Stern warnt in seinem Bericht, falls bis 2050 nicht ein Prozent der weltweiten Produktion für die Reduktion von Emissionen eingesetzt würde, drohe der internationalen Wirtschaft durch den Klimawandel ein folgenschwerer Rückgang um rund 20%.

Verschiedene Kreise nannten den Bericht einen "Wendepunkt" in der weltweiten Debatte über den Klimawandel.

Martin Beniston, Leiter des Instituts für Klimatologie an der Universität Genf, erklärte gegenüber swissinfo, der Stern-Report sei die erste bedeutende Analyse des Klimawandels.

"Der Bericht geht weiter, als immer wieder zu wiederholen, dass es so nicht weitergehen kann und sonst in verschiedenen Bereichen der globalen Umwelt mit massiven Veränderungen zu rechnen ist", sagte der Forscher. "Die Botschaft geht nun über die wissenschaftliche Gemeinschaft hinaus bis in wirtschaftliche Kreise."

Beniston begrüsste die Tatsache, dass die Rekordpreise für Rohöl in den letzten Monaten bereits bei einigen Unternehmen zu einem Überdenken ihres Energieverbrauchs geführt haben, unabhängig von deren Bewusstsein für den Klimawandel und andere Umweltprobleme.

Dass Industrie und Wirtschaft die Führungsrolle im Klimawandel übernehmen würden, sei extrem wichtig - wie auch die Tatsache, dass der mehrere hundert Seiten starke Bericht von einem früheren Chefökonomen der Weltbank erstellt worden sei.

"Es wird einen positiven Einfluss haben, Unternehmen möglicherweise in die richtige Richtung zu weisen, die sich bis jetzt gefragt haben, ob sie etwas tun sollten oder nicht", betonte Beniston.

Genaue Überprüfung

Markus Nauser, führender Berater der Abteilung Klima im Bundesamt für Umwelt (BAFU), erklärte, der Bericht sei wichtig und würde von der Schweizer Landesregierung (Bundesrat) sehr genau überprüft.

"Ich denke, es ist ein sehr wichtiger Beitrag zur Diskussion. Er wartet mit Zahlen auf, die wir in dieser Form noch nicht hatten und belegt unsere eigene Analyse."

Nauser erwartet einen Einfluss darauf, wie Unternehmen den Klimawandel einschätzen und darauf mit alternativen Technologien und Energiequellen reagieren würden.

"Ein Teil der Firmen ist sich der Risiken des Klimawandels bereits bewusst", sagte er. "So sind die Rückversicherungs-Gesellschaften bereits seit langer Zeit sehr aktiv gewesen. Viele andere, die Verdienstmöglichkeiten in der Entwicklung von neuen Technologien sehen, sind ihnen gefolgt."

Laut Nauser ist das BAFU daran, eine eigene Studie der wirtschaftlichen Auswirkungen des Klimawandels auf die Schweiz zu erstellen. Dies könnte dem Bundesrat eine Idee über die Kosten bei Untätigkeit geben und dabei helfen, "die richtige Ausgewogenheit zwischen Verringerungs- und Anpassungs-Massnahmen" zu entwickeln.

Emissionen reduzieren

Urs Näf, verantwortlich für Energie und Umweltangelegenheiten bei economiesuisse, dem grössten Dachverband der Schweizer Wirtschaft, stimmte der "Diagnose" des Stern-Reports ebenfalls zu.

Die Herausforderung sei es nun, herauszufinden wie weiter vorgegangen werden solle und sicherzustellen, dass alle Länder Emissionen reduzieren würden.

Ein unilaterales Vorgehen gegen den Klimawandel würde bedeuten, dass Unternehmen in einigen Ländern wegen Vorgaben behindert würden, während dies in anderen nicht der Fall wäre. Dies könnte zu einer "Marktverzerrung" führen.

"Niemand will unilaterale Verpflichtungen, die nur das eigene Wachstum und die Wirtschaft erschweren", erklärte er. "Wir brauchen ein weltweites Vorgehen, jedes Land muss unterzeichnen."

Näf erwähnte dabei den Aufbau der Stiftung Klimarappen als Beispiel, wo die Schweizer Wirtschaftsgemeinde bereits freiwillig Massnahmen ergriffen habe.

Die Stiftung, im Oktober letzten Jahres gegründet, investiert die jährlichen Einnahmen von rund 100 Mio. Franken in Projekte, welche die Reduktion von Treibhausgasen in der Schweiz und im Ausland fördern. Das Geld stammt aus einer Preiserhöhung von 1,5 Rappen auf jedem Liter importiertem Benzin und Diesel.

swissinfo, Adam Beaumont
(Übertragung aus dem Englischen: Christian Raaflaub)

Fakten

Die Schweiz hat sich zu einer Reduktion von 10% des CO2-Ausstosses bis 2010 verpflichtet.
Das Schweizer CO2-Gesetz ist seit 2000 in Kraft und sieht zusätzliche Massnahmen vor, falls dieses Ziel nicht mit freiwilligen Bestimmungen erreicht wird.
Letzten Oktober haben die Behörden der versuchsweisen Einführung eines Klimarappens auf Benzin und Diesel zugestimmt, nach Widerstand gegen eine zusätzliche CO2-Abgabe.

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Der Stern-Bericht

Ein Versäumen von Massnahmen gegen den Klimawandel könnte die weltweite Temperatur in den nächsten 100 Jahren um bis zu 5 Grad Celsius erhöhen. Dies könnte zu massiven Überschwemmungen und Trockenperioden führen und würde bis zu 200 Millionen Menschen in die Flucht schlagen.

Der Bericht schätzt, dass eine Stabilisierung des Ausstosses von Treibhausgasen bis 2050 rund 1% der weltweiten Produktion kosten würde. Untätigkeit hingegen könnte den weltweiten Verbrauch pro Person zwischen 5 und 20% senken.

Stern kommt zum Schluss, dass die Welt zu einer kohlenstoffarmen Weltwirtschaft finden muss und die Regierungen den Kohlenstoff-Ausstoss mit Steuern und Regulierungen belegen müssen. Die Entwicklung von CO2-armen und sehr effizienten Technologien sei ebenfalls fundamental.

Zur Bekämpfung des Klimawandels fordert Stern eine koordinierte Anstrengung von armen und reichen Ländern.

Am 6. November beginnen in Nairobi Gespräche der Vereinten Nationen (UNO) über Massnahmen zum Klimaschutz. Dabei soll über Anschlusslösungen für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll gesprochen werden.

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