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Klagenfurt

Fanzone während der Euro: Der Neue Platz in Klagenfurt. Keystone

Alpensüdseite, Seen und Berge: Kärnten setzt seit Jahrzehnten auf den Tourismus. Doch die Branche kriselt. Neue Impulse erhofft man sich von der Euro 08 in Klagenfurt. Eindrücke aus dem Haider-Land.

Dieser Inhalt wurde am 06. März 2008 - 10:26 publiziert

Magdalensberg. Das Panorama ist grandios. In der Ebene liegt Klagenfurt, dahinter glänzt der Wörthersee. Im Süden bilden die Karawanken die Grenze zu Slowenien. Auch Italien ist in Sichtweite.

Hanspeter Brutschy zeigt auf die Bergkette im Westen: "Bad Kleinkirchheim ist der bekannteste Skiort von Kärnten. Dort hat Alberto Tomba 1988 den Weltcup-Slalom gewonnen. Seither haben viele Italiener eine Zweitwohnung am Wörthersee", erzählt der Schweizer, der seit 1972 hier wohnt.

"Die italienische Nationalmannschaft in Klagenfurt, das wäre optimal gewesen. Das hätte am meisten Fans gebracht. Aber auch so freuen wir uns auf die Euro 08."

Tourismus in Kärnten ist hauptsächlich Sommertourismus, fokussiert auf den Wörthersee: Juli und August ist Saison - und flugs kühlen sich die Betten wieder ab. "Die Leute erhoffen sich von der Euro im Juni auch eine Verlängerung der Saison", erklärt Brutschy.

Bescheidene Kaufkraft

Kärnten ist weitgehend ländlich. Der Tourismus ist ein gewichtiger Wirtschaftsfaktor, leidet jedoch unter Infrastruktur-Problemen. Die Landwirtschaft hat noch immer eine grosse Bedeutung. Fast 50% der Betriebe sind Bergbauernhöfe.

Die Wirtschaft (Elektronik- und Autozulieferbetriebe) rekrutiert einen Grossteil der Arbeitskräfte in Slowenien und Kroatien. Dort haben die Bauwirtschaft und die Banken ihrerseits neue Wachstums-Märkte gefunden.

Bei landesweiten Kaufkraftvergleichen landet Kärnten regelmässig am Schluss. Ein Teil der Jungen wandert ab. Die Region droht ein Auffangbecken zu werden für zurückkehrende Rentner und pensionierte Beamte.

Problem Abwanderung

"Dass die Intelligenzia konstant unser Land verlässt, ist mittlerweile zu einem ernsthaften Problem für die Betriebe geworden", stellt der Präsident der Industriellen-Vereinigung Kärnten, Otmar Petschnig fest.

"Kärnten muss sich öffnen, um für Schlüsselkräfte attraktiver zu werden. Das ist der einzige Weg, um die Jungen zurück zu holen."

Landeshauptmann ist der bekannteste Politiker Österreichs, der Rechtspopulist Jörg Haider. "40% haben ihn gewählt, aber wenn man mit den Leuten spricht, stehen nur ganz wenige offen dazu", kritisiert Brutschy.

Klagenfurt: Treffpunkt Einkaufszentrum

Die Innenstadt von Klagenfurt ist im Zweiten Weltkrieg grossteils zerstört worden. Danach wurden die Gebäude im alten Stil wieder aufgebaut. Nun putzt sich die Stadt heraus. Aushängeschild und zentrale Fanzone während der Euro 08 ist der sanierte "Neue Platz" mitten im Zentrum.

Die Leute auf dem Gemüsemarkt grüssen sich, reden zusammen. Man kennt sich. "Auch an offiziellen Anlässen trifft man regelmässig auf die gleichen 300 Eingeladenen." - Brutschy ist im Nebenamt Schweizer Honorarkonsul von Kärnten.

"Neuer Treffpunkt ist das kürzlich eröffnete Einkaufszentrum, das müssen Sie unbedingt sehen." – Die Fassade lässt nicht auf einen Neubau schliessen. Sie fügt sich perfekt in das einheitliche Bild der Altstadthäuser ein.

Drinnen treffen wir zufällig auf Harald Scheucher, den Bürgermeister von Klagenfurt. Er ist in offizieller Mission unterwegs und bejaht die Frage, ob alles nach Plan laufe. Die Ikea an der Autobahnausfahrt Nord sei im Bau. "Das bringt 250 Arbeitsplätze."

Reisefreudige Kroaten

Ebenfalls ausserhalb der Stadt, am Wörthersee, liegt das eigens für die Euro erstellte Stadion. Es fasst 32'000 Besucher. Nach den drei EM-Spielen wird das Stadion auf eine Kapazität von 12'000 Besuchern zurück gebaut.

"Fussball hat hier nicht einen so hohen Stellenwert. An den Spielen des einheimischen SK Kärnten Austria hat es im besten Fall einige Tausend Besucher", so Brutschy.

"Während der Euro werden an jedem Spieltag 120'000 Fans hierher kommen", prognostiziert Jörg Schretter, zuständiger Projektleiter bei der Landeswerbung Kärnten. "Die Polen und Kroaten gelten als reisefreudig. Sie sind in Scharen mit dem Auto nach Portugal an die Euro 2004 gefahren."

Neben dem Stadion werden entsprechend riesige Parkplätze gebaut. "Weniger als 20% der Fans werden mit dem öffentlichen Verkehr anreisen. Für die Mobilität auf dem Stadtgebiet haben wir eine Umweltkarte."

Klagenfurt sei Provinz, "aber hier im Stadion drin, da bin ich in Europa", freut sich Schretter.

swissinfo, Andreas Keiser, Klagenfurt

Wer spielt wann in Österreich

Wien: (Gruppe B)
08.06.: Österreich – Kroatien
12.06.: Österreich – Polen
16.06.: Österreich – Deutschland
20.06: Sieger Gruppe B – Zweiter Gruppe A
22.06.: Sieger Gruppe D – Zweiter Gruppe C
26.06.: Halbfinal
29.06.: Final

Klagenfurt: (Gruppe B)
08.06: Deutschland – Polen
12.06.: Kroatien – Deutschland
16.06.: Polen – Kroatien

Salzburg: (Gruppe D)
10.06.: Griechenland – Schweden
14.06.: Griechenland – Russland
18.06.: Griechenland – Spanien

Innsbruck: (Gruppe D)
10.06.: Spanien – Russland
14.06.: Schweden – Spanien
18.06.: Russland – Schweden

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Hanspeter Brutschy

Wurde 1938 in der Schweiz geboren und ist hier aufgewachsen.

1972 geht er für die Firma Wild Heerbrugg (optische Geräte, Vermessungstechnik) nach Kärnten und baut dort als Direktor den Produktionsstandort Österreich auf.

Brutschy ist Honorarkonsul der Schweiz in Kärnten und Präsident des Schweizer Vereins Kärnten.

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