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Kino: ein teures Vergnügen

Die hohen Eintrittspreise machen Kino nicht für jedermann erschwinglich. Keystone

In der Schweiz sind die Kino-Eintrittspreise in den letzten 10 Jahren um 9,2% gestiegen, zeigt eine Studie des Bundesamtes für Statistik (bfs).

Dieser Inhalt wurde am 27. Juli 2005 - 14:41 publiziert

Die hohen Schweizer Kinopreise sind auch im Visier des Schweizer Preisüberwachers, der kürzlich eine Voruntersuchung eingeleitet hat.

Obwohl die Schweiz, wie letzte Woche auch der Preisüberwacher monierte, punkto Kinobillets ein Hochpreisland ist, machten die Ausgaben für Kinobesuche nur 0,07% des Budgets eines durchschnittlichen Privathaushaltes aus. Die übrigen Freizeit- und Kulturaktivitäten schluckten im Schnitt 6,4% der Ausgaben.

Trotzdem nimmt Preisüberwacher Rudolf Strahm die hohen Schweizer Kinopreise unter die Lupe. Eine Voruntersuchung soll klären, ob die hohen Mieten der Verleiher von ausländischen Filmen die Eintrittspreise in die Höhe treiben.

Entscheid bis im Herbst

Auch gelte es zu untersuchen, ob die Verleiher ausländischer Filme ihre Marktmacht missbrauchten, sagte Strahm. Der Schweizerische Verband für Kino- und Filmverleih (ProCinema) begründet die hohen Eintrittspreise mit den hohen Betriebskosten in der Schweiz.

Bis im Herbst will Strahm entscheiden, ob ein Verfahren eingeleitet wird oder nicht. Er war aufgrund von eingegangenen Klagen aktiv geworden. Westschweizer Konsumenten-Organisationen sowie Gymnasiasten und Studierende aus Basel waren beim Preisüberwacher wegen der hohen Kinopreise vorstellig geworden.

Rund 50% teurer

Strahm hatte sich kürzlich zu ersten Gesprächen mit Kinounternehmern und Filmverleihern getroffen. Dabei habe er festgestellt, dass die Verleiher ausländischer Filme für die Filmmiete bedeutend höhere Kosten in Franken pro Kinobesucher belasteten als in den anderen europäischen Ländern, sagte der Preisüberwacher.

Schweizer zahlen 53% mehr für einen Film als im europäischen Durchschnitt. Während ein Ticket hier zu Lande 14,40 Franken kostet, müssen Kinobesucher im europäischen Ausland im Schnitt bloss 9,40 Franken bezahlen.

Junge und Intellektuelle gehen am häufigsten

Ein Viertel aller Schweizer über 14 Jahre geht "regelmässig" ins Kino, so die Studie "Kinolandschaft Schweiz 2005", knapp 40% "gelegentlich". Erwartungsgemäss sinkt die Frequenz mit dem Alter. Von den bis 24-Jährigen gehen 96,5% mindestens einmal jährlich ins Kino, bei den über 75-Jährigen sind es nur noch 20%.

Punkto Bildungsniveau variiert die Häufigkeit weniger deutlich: Von den Sekundarschul- und Hochschulabsolventen gehen sich um die 80% mindestens ein Mal pro Jahr Filme anschauen, von den Real- und Berufsschulabgängern um die 60%.

Erwartungsgemäss wird das Kino im Winter etwa doppelt so häufig besucht wie im Hochsommer (450'000 im Dezember, 200'000 in Juni/Juli).

Blockbuster sahnen etwas weniger ab

Wider Erwarten zeigt die Statistik hingegen einen gewissen Trend weg vom "Blockbuster": Galten 2003 noch rund 30% aller Kinogänge einem Film aus den "Top Ten", waren es 2004 nur noch 24%. Dennoch verteilten sich die Hälfte der Kinobesuche auf die 30 erfolgreichsten Filme.

Die Eintrittspreise sind wiederum leicht gestiegen, ebenso wie in den fünf Jahren zuvor: von durchschnittlich 14,28 Franken 2004 auf 14,37 Franken. Auf dem Land kostet ein Billet im Schnitt 12,90, in mittelgrossen Städten 13,90 und in grossen 14,60 Franken.

Seit 1995 entspricht die Erhöhung der Eintrittspreise in etwa der Zunahme an Kinobesuchern. In den 25 Jahren davor dagegen sanken die Zuschauerzahlen, während die Preise ebenfalls erhöht wurden. Die Studie erklärt das mit dem Aufkommen von Ersatzangeboten wie Video und zusätzlicher TV-Sender.

swissinfo und Agenturen

Fakten

Der Durchschnittspreis für einen Kino-Eintritt in der Schweiz beträgt 14,37 Franken (Anfang 2005)
10,91 Franken in Grossbritannien (alle Zahlen 2003)
10,22 Franken in Österreich
9,04 Franken in Italien
8,97 Franken in Frankreich
8,91 Franken in Deutschland.
In der "alten" EU der 15 lag der Durchschnittspreis bei 9,18 Franken.

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