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Kein Grund zum Weinen

Der Tessiner Weinbauer Ettore Bernasconi aus Magliaso schneidet seinen "Merlot del Ticino". Keystone

Zwar ist der Weinkonsum in der Schweiz rückläufig. Der einheimische Saft hält sich jedoch erstaunlich gut.

Dieser Inhalt wurde am 31. August 2002 - 12:22 publiziert

Nach der Liberalisierung des Marktes müssen die Schweizer Winzer umdenken. Einige haben es bereits getan.

Im letzten Jahr wurden rund 122 Mio. Liter Schweizer Wein verkauft. Das sind 0,7 Mio. Liter mehr als im Vorjahr.

Insgesamt ist der Weinkonsum in der Schweiz aber zurückgegangen. Das "Weinjahr" dauerte vom Anfang Juli 2001 bis Ende Juni 2002. In dieser Zeitspanne ging der gesamte Weinkonsum in der Schweiz um 5,6 Mio. Liter auf total 289,6 Mio. Liter zurück. Damit trinkt jeder Schweizer, jede Schweizerin, Kinder inklusive, durchschnittlich über 40 Liter Wein pro Jahr.

Plus beim Roten und beim Weissen

Der Verbrauch von Schweizer Rotweinen stieg nach einem leichten Rückgang wieder um 0,5 auf 59,6 Mio. Liter an, jener von Schweizer Weissweinen erhöhte sich um 0,2 auf 62,6 Mio. Liter.

Immer noch sind die Lager voll. Ende Juni dieses Jahres waren in der Schweiz 217,1 Mio. Liter Wein an Lager, das heisst zwei Millionen weniger als ein Jahr zuvor. Die Vorräte an Schweizer Wein nahmen dank "hoher Qualität" und Massnahmen zur Ertrags-Beschränkung auf 122,4 Mio. Liter ab.

Rückgang bei den "Ausländern"

Die Schweizerinnen und Schweizer trinken weniger ausländische Weine. Der Konsum ging um 6,4 auf 167,4 Mio. Liter zurück. Auch beim ausländischen Weisswein ist ein Rückgang zu verzeichnen.

Generell hält der Rückgang des Weinkonsums in der Schweiz seit einigen Jahren an. 1999/2000 waren noch 297 Mio. Liter verkauft worden. Wachsender Beliebtheit erfreuen sich die Schaumweine, von denen jährlich 12,8 Mio. Liter getrunken werden.

Vor 12 Jahren liberalisiert

Dass der Schweizer Wein seine Stellung, trotz rückläufigem Konsum, einigermassen halten konnte, ist nicht selbstverständlich. In einer Abstimmung 1990 hat das Schweizer Volk entschieden, die Einfuhr von ausländischen Weinen zu liberalisieren.

Mehr Markt, mehr Wettbewerb und ein höherer Preisdruck waren die Folgen. Doch der Gesetzgeber liess sich Zeit. Erst am 1. Januar 2001 war es soweit. Die Händler dürfen seither bis zu einer Menge von 170 Mio. Liter importieren was sie wollen.

Was befürchtet wurde, traf ein: Billige, ja billigste Massenweine überschwemmten den Schweizer Markt. Die Importe stiegen zum Beispiel im ersten Halbjahr 2001 um einen Viertel an.

Proteste

Die Schweizer Winzer hatten geschlagene 11 Jahre Zeit, sich an die neue Situation zu gewöhnen. Unternommen haben sie kaum etwas. Ausser einer lautstarken Demo vor dem Regierungsgebäude in Bern, geschah (noch) nicht viel.

Experten fordern, dass Angebot und Nachfrage in Einklang zu bringen seien. Denn, trotz der verhältnismässig guten Zahlen 2001/2002 bestehen immer noch Lager für weit mehr als einen Jahreskonsum.

Weg vom Chasselas

Andere Wege für Produktion und Marketing suchen und die Erträge limitieren, schlagen die Experten vor. Denn tiefere Erträge führen zu einer höheren Qualität der Weine und damit könne ein besserer Preis erreicht werden, sagen die Fachleute.

Der Tessiner Spitzenwinzer Werner Stucky bringt es in einem Artikel im Zürcher Tages Anzeiger auf den Punkt: "Nur Weine mit hoher Wertschöpfung haben eine Marktchance", sagt Stucky und geht mit gutem Beispiel voran. Sein Geschäft läuft dementsprechend gut.

Und im gleichen Artikel wird Coop-Kommunikationschef Felix Wehrle zitiert. Er meint: "Die junge Generation steht nicht auf mittelmässigen Chasselas, der Traubensorte par excellence aus der Romandie, sondern auf Sauvignon blanc oder Chardonnay."

swissinfo und Agenturen

Fakten

Rebbau Schweiz

Anbaufläche: 15'000 ha
Betriebe: 5'800
Rebsorten: über 40
Jahresproduktion: ca 120 Mio. Liter
Umsatz: 1,1 Mrd. Franken
Hauptsorten weiss: Chasselas, Sylvaner, Müller-Thurgau
Hauptsorten rot: Pinot Noir, Gamay, Merlot

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