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Kalte Wärme auf weissem Gold

Silvaplana im Oberengadin: Von Schneemangel kann hier keine Rede sein. Schweiz Tourismus

Neuschnee und freie Hotelzimmer: In den Schweizer Alpen ist alles bereit. Die Feierlichkeiten zum Jahreswechsel könnten ein voller Erfolg werden.

Dieser Inhalt wurde am 22. Dezember 2002 - 09:45 publiziert

Noch ist allerdings kein Ansturm festzustellen. Trotzdem hoffen die Ferienorte auf eine ausgebuchte Saison.

Euphorisch und superaktiv! Mit diesen Worten könnte man den Zustand in den Verkehrsbüros kurz vor den Feiertagen beschreiben. Denn es gibt schon viele Reservationen. Und dies, obwohl der Schnee an einigen Orten noch auf sich warten lässt - wie schon letztes Jahr.

Von einem chronischen Schneemangel wie im letzten Jahres kann jedoch keine Rede sein. "Es ist praktisch im ganzen Kanton Schnee gefallen", erklärt Urs Zenhäusern, Direktor von Wallis Tourismus. Zwar etwas spät, aber über 2200 Metern (m) sind es immerhin rund 60 Zentimeter (cm).

Diese Schneefälle waren äusserst willkommen, legten sie doch eine zusätzliche, relativ dicke Schicht über den Schnee der Beschneiungs-Maschinen. In den letzten Wochen war es kalt genug (zum Beschneien muss es mindestens -4 Grad sein), um die Maschinen in Betrieb zu nehmen.

Ausgezeichnete Grundlage

Die regionalen Unterschiede sind allerdings beträchtlich, herrscht in den Alpen seit über einer Woche doch relativ warmes Wetter.

"In den südlichen Alpen hat es bis auf 1900 m hinauf geregnet", stellt Robert Bolognesi, der Direktor von Meteorisk im Wallis fest. In der Zentralschweiz und im Südosten des Landes dagegen schneite es bis auf 1200 m hinunter.

Allerdings ist das kein Vergleich zu den katastrophalen Schneeverhältnissen im letzten Jahr um dieselbe Zeit. "Genau gesagt ist die Schneedecke ab 2200 m perfekt und von ausgezeichneter Qualität. Denn die Grundlage ist sehr fest, und nun ist noch eine schöne Schicht Neuschnee dazu gekommen", so der Meteorologe weiter.

Zwischen 2000 und 2200 m ist der Schnee im Allgemeinen gut. "Auf einer Höhe von 1800 bis 2000 m jedoch reicht er in den Waadtländer und den Walliser Alpen nicht aus", betont Bolognesi.

Das Berner Oberland und das Graubbünden hingegen haben bis auf 1000 m hinunter Neuschnee erhalten. "Mit Ausnahme der Feiertage 2001 leidet das Wallis selten unter Schneemangel", fügt Zenhäusern bei. "Denn 90% der Pisten liegen über 2200 m."

Trotzdem dürfen wir nicht vergessen, dass ein Wärmeeinbruch für die tiefer gelegenen Ferienorte Probleme bringen könnte. Denn diese müssen sich bei Schneemangel um ihre Gäste bemühen. Das ist im Moment in einer Höhe von 1400 bis 1600 m der Fall.

Langsam aber sicher

Abgesehen von den meteorologischen Überlegungen zeigt sich, dass es im Moment keinen Andrang hin zum weissen Gold gibt. Fällt der Schatten der Krise auch auf die Feiertage?

"Das lässt sich schwer voraussagen, so kurz vor den Festtagen", erklärt Direktor Zenhäusern von Wallis Tourismus. "Die Auslastung dürfte aber um 80% liegen, also etwas tiefer als 2001, und es hat überall noch ein paar freie Zimmer. Das Jahresende 2001 war geprägt von den Anschlägen vom 11. September: Damals blieben viele Leute in Europa."

Das war vermutlich der Grund, weshalb die Reservationsrate vor den Feiertagen 2001 bei 90% lag. Diese Feststellung machte man auch in den Waadtländer Alpen. Xavier Bianco vom Tourismusbüro des Kantons gibt sich optimistisch:

"Die Reservationen in der Para-Hotellerie liegen praktisch bei 100%", erklärt der Medienverantwortliche, "aber in den Hotels sind noch viele Betten frei, sie sind nur zu gut 86% ausgebucht."

Doch wie sein Walliser Amtskollege macht Bianco keinen Hehl aus seiner Unsicherheit bei jenen Orten, die noch schneefrei sind. Er befürchtet "Wärmeeinbrüche, die Ferienorte in mittlerer Höhe immer benachteiligen". Und genau das haben wir zur Zeit.

Berner Alpen: Vom Pessimismus zum Optimismus

In den Berner Alpen tönt es seit einigen Tagen anders: Dort ist der Pessimismus dem Optimismus gewichen, hat es in den letzten Tagen doch geschneit. Die Region Grindelwald meldete, es habe bis auf 1050 m Schnee, und ab 1400 m seien die Bedingungen zum Skifahren sogar sehr gut.

Auch mit den Reservationen läuft es gut: "Die Auslastung liegt bei 85% für die Feiertage, ein Ferienort ist zwischen dem 28. Dezember und dem 2. Januar praktisch ausgebucht", präzisiert Marguerite Brawand von Grindelwald Tourismus.

Ein weiteres gutes Beispiel ist der Ferienort St. Moritz im Kanton Graubünden. Dort ist rechtzeitig auf die Feiertage hin Neuschnee gefallen. "Oberhalb von 1850 Metern liegen über 50 cm Schnee", bestätigt Francesca Muggli vom Kur- und Verkehrsverein St. Moritz. Und oberhalb von 2500 m habe es über 200 cm.

"Die Reservationen liegen bei über 85% für die Feiertage, und die letzten drei Tage des Jahres sind sogar praktisch ausgebucht."

Die Flucht ins Ausland verhindern

Allgemein scheinen die zwei Wochen über Weihnachten und Neujahr also keine besonderen Probleme zu bieten. So jedenfalls wird es laut Schweiz Tourismus in Zürich im ganzen Land empfunden.

"Gesamtschweizerisch scheinen die Reservationen ungefähr auf dem gleichen Niveau wie 2001 zu liegen, also sehr gut. Und zwar fürs ganze Land", so Laurence Gabriel, Medienverantwortliche bei Schweiz Tourismus.

Und: "Bei den guten Schneebedingungen in der Höhe können die Feriengäste sich auch im letzten Moment noch entschliessen, in die Berge zu fahren."

Die Kehrseite der Medaille

Gute Aussichten also. Aber man darf die Kehrseite der Medaille nicht vergessen. Der Schweizer Tourismus leidet nämlich unter einem chronischen Malaise, dem hohen Preisniveau.

Aus diesem Grund fahren viele Schweizerinnen und Schweizer anderswo Ski, besonders in Österreich, das bei vielen einen besseren Ruf hat.

"Schweiz Tourismus bearbeitet gegenwärtig die Ferienorte, damit diese finanziell interessantere Aufenthalte anbieten, besonders für Familien", bestätigt Gabriel.

"Was die Betreuung angeht, so ist das eine langfristige Aufgabe. In vielen Regionen und Ferienorten wurden Initiativen und Ausbildungs-Angebote ausgearbeitet", so Gabriel weiter.

So zum Beispiel die Schaffung von Qualitätslabels. Diese garantieren den Feriengästen eine Betreuungsqualität, die jenen in den Nachbarländern in nichts nachstehen.

swissinfo, Jean-Louis Thomas

Fakten

Tourismus-Einnahmen Schweiz in Mrd. Franken:

1980: 5,6
1990: 10,3
1999: 11,8
2000: 13

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In Kürze

Der Wintertourismus ist eine Schlüsselbranche in vielen Schweizer Regionen.

In den vergangenen Jahren litt der Ski-Tourismus unter Schnee-Mangel und dem starken Schweizer Franken.

Ausländische Gäste blieben aus und die Schweizer gingen vermehrt in die Nachbarländer Ski fahren.

Eine Kampagne von Schweiz Tourismus soll nun die Schweizer Berge wieder interessanter machen.

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