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Ist Fliegen noch sicher?

Ein BAZL-Inspektor bei einem SAFA-Check am Flughafen Zürich Kloten. Keystone

Nach einer Häufung von Flugunfällen wird auch in der Schweiz wieder die Frage diskutiert, wie sicher Fliegen heute ist. Immer sicherer, sagen Experten.

Dieser Inhalt wurde am 26. August 2005 - 09:24 publiziert

In Europa ist eine neue Agentur für die Sicherheit im Fluggeschäft zuständig. Auch die Schweiz macht dabei seit Inkraftsetzung der bilateralen Verträge mit.

Vier grössere Flugzeug-Unglücke haben im August gegen 340 Todesopfer gefordert. Derweil unterbieten sich die Fluggesellschaften mit Billig-Angeboten. Unweigerlich stellt sich dabei die Frage nach der Sicherheit: Sind Flugpassagiere heute in grösserer Gefahr?

Dies ist gerade nicht der Fall: Das Jahr 2005 zählt bisher zu den sichersten in der Geschichte der Luftfahrt. Einzig letztes Jahr waren mit weltweit 450 Toten noch weniger Menschenleben zu beklagen.

Fliegen bleibt sicher

Tatsache ist: Fliegen ist statistisch immer noch die sicherste Art, vorwärts zu kommen. Sowohl im Strassenverkehr oder zu Fuss, wie auch im Zug oder auf dem Schiff ist die Gefahr eines Unfalls höher. So konnte die EU beispielsweise die Anzahl der Toten im Strassenverkehr erst 2004 auf unter 50'000 pro Jahr senken.

"Fliegen ist heute so sicher wie früher, wenn nicht sogar sicherer", bestätigt Anton Kohler, Mediensprecher im Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL), gegenüber swissinfo.

Auch die vielen neuen Billig-Anbieter hätten keinen negativen Einfluss auf die Sicherheit, sagt Kohler. "Billig-Fluggesellschaften in der Schweiz, in Europa und den USA müssen die gleichen Bedingungen erfüllen, wie andere Gesellschaften auch."

Stichprobenweise Kontrollen

Dies treffe auch auf die Airline "Helios" zu, deren Flugzeug am 14. August nach einem Druckabfall an einem Berg bei Athen zerschellt war. "Helios war keine Schrott-Gesellschaft", betont er. "Sie kam bei den SAFA-Checks gut weg."

Kohler spricht dabei die Sicherheits-Kontrollen an, die jedes Land in Europa im Rahmen des SAFA-Programms (Safety Assessment of Foreign Aircraft) stichprobenweise an ausländischen Flugzeugen vornehmen darf, die auf seinem Territorium landen.

"In der Schweiz machen wir pro Jahr rund 200 solcher SAFA-Checks." Helios war eine der getesteten Airlines. Gesamteuropäisch wurden 2004 über 4500 Kontrollen an ausländischen Flugzeugen durchgeführt. Die Kontrollen gehören zu einem Programm der ECAC, der Europäischen Konferenz der Zivilluftfahrts-Behörden.

Jedes Land verantwortlich

Dieses Programm läuft zusätzlich zur national organisierten Sicherheitspolitik der Luftfahrt. "Die Sicherheit in der Luftfahrt besteht vor allem darin, dass die Fluggesellschaften und die Flugzeuge dort kontrolliert werden, wo sie registriert sind", erklärt Kohler.

Neben der Kontrolle der Schweizer Fluggesellschaften wie Swiss, Belair, Edelweiss oder Helvetic prüft das BAZL vorgängig auch die gegen 300 ausländischen Airlines, welche die Schweiz anfliegen wollen.

"Und da überprüfen wir, ob die Fluggesellschaft über die notwendigen Bewilligungen in ihrem Heimatland, über die notwendigen Versicherungen und über ein Sicherheits-Management verfügt."

Gesperrte Airlines

Erst wenn all diese Bedingungen erfüllt sind, erhält eine Airline die Bewilligung für fünf Jahre. Nicht alle schaffen diese Hürden. Derzeit sind 18 Flugzeuge oder Fluggesellschaften mit einem Verbot belegt.

Diese stehen auf einer schwarzen Liste, bei Mängeln nur das kontrollierte Flugzeug, in schweren Fällen kann es aber auch eine gesamte Flotte sein.

Da diese Liste bisher nicht öffentlich zugänglich war, waren immer wieder Kontroversen um diese Daten entbrannt.

Doch am Donnerstag einigten sich Frankreich und die Schweiz nun, solche Listen von Schrott-Airlines ab Ende August im Internet zu veröffentlichen. Bis anhin bestand einzig die Möglichkeit einer schriftlichen Anfrage mit Angabe der gebuchten Fluggesellschaft.

Neue Sicherheits-Behörde der EU

Generell sollen die Sicherheits-Standards innerhalb Europas in der nächsten Zeit harmonisiert werden. Die neue Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) in Köln ist seit 2004 im Aufbau.

Nach und nach wird die EASA Aufgaben der jeweiligen Luftfahrtbehörden der Mitgliedstaaten übernehmen, respektive diese wieder an deren Behörden in Auftrag geben. "Beispielsweise, was Lizenzen und Aufsicht über Herstellerbetriebe von Flugzeugen angeht", wie Kohler ausführt.

Neben der Entwicklung und Festschreibung von Sicherheits-Standards im europäischen Luftverkehr wird die EASA künftig auch über Musterzulassungen grosser Passagiermaschinen entscheiden. Sie soll damit zum europäischen Gegenstück der mächtigen US-Luftfahrtbehörde FAA (Federal Aviation Agency) werden.

"Die Schweiz arbeitet heute schon in der EASA mit und soll auch beteiligt werden in dem Sinne, dass sie die gleichen Mitspracherechte hat", bestätigt Kohler. Die Schweiz sei heute bereits voll integriert.

"De facto sind wir in allen Arbeitsgruppen auch heute schon vertreten, arbeiten aktiv mit." Einziger Wermutstropfen: "Eine Vollmitgliedschaft ist nicht möglich, weil wir nicht in der EU sind."

swissinfo, Christian Raaflaub

In Kürze

Für die Sicherheit in der Luftfahrt sind diverse Behörden zuständig:

In erster Linie ist jedes Land für die Sicherheit seiner Fluggesellschaften verantwortlich. In der Schweiz übernimmt das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) diese Aufgabe.

Kontrollen von ausländischen Flugzeugen (SAFA-Checks) werden ebenfalls vom BAZL ausgeführt, im Auftrag der Europäischen Konferenz der Zivilluftfahrts-Behörden (ECAC) in Paris.

Für die Harmonisierung der Sicherheits-Bestimmungen in Europa ist seit 2004 die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) in Köln zuständig.

Sie entspricht in Europa der Rolle der bisher international massgeblichen US-Behörde FAA (Federal Aviation Agency).

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