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Internet als Spickzettel für Schülerinnen und Schüler

Das Internet wird von den Schülern nicht nur als Arbeitsinstrument sondern auch zum "Spicken" genutzt. Ob Physik, Latein oder ein Deutschaufsatz - im Internet warten fein säuberlich aufbereitet Vorlagen zum Abschreiben.

Dieser Inhalt wurde am 05. Januar 2000 - 09:41 publiziert

Das Internet wird von den Schülern nicht nur als Arbeitsinstrument sondern auch zum "Spicken" genutzt. Ob Physik, Latein oder ein Deutschaufsatz - im Internet warten fein säuberlich aufbereitet Vorlagen zum Abschreiben.

Claudia Schmid hat seit kurzem keine Angst mehr vor Physik- Prüfungen: Sie wählt sich vor der Prüfung ins Internet ein und merkt sich die Antworten auf die Prüfungsfragen ihres Lehrers. Auch Sämi Koller setzt auf das Internet: Statt stundenlang über einem Hausaufsatz zu brüten, schreibt er eine der Vorlagen aus dem Internet ab - und holt sich so regelmässig gute Noten.

Die beiden Schüler müssen nur die richtige Internetadresse kennen: Sie können sich auf die Vorarbeit vieler Schüler verlassen, die ihr Wissen und Tipps ins Netz geladen haben. Sie sind in guter Gesellschaft: In Amerika setzen 12 Prozent aller Studenten bereits auf fremde Arbeit, wie eine Studie der Rutgers University ergab.

Entdeckt werden Schummelfälle meist nur zufällig. So haben im Dezember 1997 zwei Studenten der Religionswissenschaften an der Berkely-University ihrem Professor eine fast identische Arbeit abgegeben - sie hatten beide dieselbe Vorlage im Internet benutzt. Unter dem Motto "informieren, nicht kopieren" bedient die Internetsite "Hausarbeiten.de" die Schülerschaft mit Arbeiten aus allen Bereichen des Alltagwissens und mit Tests. Mehr als 3000 Aufsätze beinhaltet "Hausarbeiten.de" bereits.

Ähnlich umfassend ist das Internet-Angebot einer Gruppe Berner Gymnasiasten. Über ihre Website lassen sich Prüfungsblätter aus allen Fächern samt Antworten und Tipps zu einzelnen Lehrern abrufen.

"Mit dem klassischen Spickzettel hat das nur noch wenig zu tun. Hier geht es immerhin um komplette Referate und Hausarbeiten", meint die Gymnasiastin Janine. Die Chance, erwischt zu werden, gehe gegen Null. "Bis die Lehrer rausgekriegt haben, woher wir die Texte haben, sind wir doch längst an der Uni." "Ich habe keine Angst um die Qualität unserer Lehre," erklärt Jürg Schacher, Physikprofessor an der Universität Bern. Schacher sieht im Internetspicken keine Bedrohung für die Qualität des Studiums oder der wissenschaftlichen Arbeit. Spätestens bei den mündlichen Prüfungen merke man, ob ein Student auswendig gelernt oder sich im schriftlichen Teil mit fremden Federn geschmückt habe.

Ohne Denken geht es doch nicht

Die spickenden Schüler wissen selbst am besten, wie ihre Lehrer ihnen das Spicken im Internet vergällen können. "Wenn die Lehrer uns Denkaufgaben stellen, statt nur Auswendiglernen und Fleissaufgaben, können wir nicht mehr auf das Netz zurückgreifen," meint Claudia Schmid.

Sämi Koller konstatiert: "Fleissarbeiten finden heute in Form von Suchen und Finden der richtigen Internetadressen statt." Er fände es toll, wenn der Lehrer selbst sich im neuen Medium auskennen und den Schülern Aufgaben stellen würde, die sie mit dem Netz lösen könnten. Denn: "Später am Arbeitsplatz müssen wir das auch können."

SRI und Agenturen

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