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Das Leben als Expat in der Schweiz – teilweise "sehr gut"

Velofahren mit Blick auf die Berner Alpen: Expats in der Schweiz schätzen nicht nur die Landschaft, sondern auch den öffentlichen Verkehr. Keystone / Peter Klaunzer

Was haben Mexiko, Indonesien und Taiwan, was die Schweiz nicht hat? Freundlichere Einheimische und eine bessere finanzielle Möglichkeiten. Das sagen fast 12'000 Expats aus der ganzen Welt in einer Umfrage.

Dieser Inhalt wurde am 12. Juli 2022 - 15:00 publiziert

In der neunten Umfrage des "InterNations Expat Insider"Externer Link, die am Dienstag veröffentlicht wurde, liegt die Schweiz auf Platz 19 von 52 Ländern – zwischen Malaysia (18.) und der Tschechischen Republik (20.).

Mexiko, Indonesien und Taiwan waren in diesem Jahr die grossen Gewinner, während Kuwait nicht überzeugen konnte und bei den Expats den letzten Platz belegte.

Immerhin: 76% der befragten Expats sind mit ihrem Leben in der Schweiz insgesamt zufrieden, verglichen mit 71% weltweit in ihren Wohnländern.

Gewinner und Verlierer 2022

Top 5

Mexiko (1.)
Indonesien
Taiwan
Portugal
Spanien

Letzte 5

Luxemburg
Zypern
Hongkong
Neuseeland
Kuwait (52.)

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Durch eine neue Methodik wurde der Index für die Lebenshaltungskosten gestrichen, in dem die hochpreisige Schweiz immer miserabel abschnitt (letztes Jahr belegte sie Platz 58 von 59 Ländern).

Infolgedessen konnte die Schweiz insgesamt von Platz 30 auf Platz 19 aufsteigen. Aber wie "InterNations" betont, ist es nicht durch die neue Methodik nicht mehr möglich, die Ergebnisse von 2022 mit denen der Vorjahre zu vergleichen.

"Sicher und wohlgeordnet"

Wie fällt das Urteil über die Schweiz in diesem Jahr aus? Von den fünf Hauptindizes bewerten die Expats die Schweiz am besten bei der Lebensqualität (Platz 6). In zwei Unterkategorien schneidet sie sogar noch besser ab: Sie belegt den zweiten Platz in den Kategorien Umwelt und Klima sowie bei der Sicherheit.

"Die Schweiz bietet einen hohen Lebensstandard. Sie ist sehr sicher und wohlgeordnet", sagt eine brasilianische Expat.

Die Befragten halten die Schweiz für das politisch stabilste Wohnland der Welt: 93% bewerten diesen Faktor positiv (im Vergleich zu 64% weltweit), und weitere 94% sind mit ihrer persönlichen Sicherheit zufrieden (im Vergleich zu 81% weltweit).

Darüber hinaus sind 98% mit der Naturlandschaft zufrieden (im Vergleich zu 83% weltweit), womit die Schweiz weltweit an erster Stelle steht. Auch bei ähnlichen Faktoren wie der Luftqualität (4.) und der Verfügbarkeit grüner Waren und Dienstleistungen (4.) liegt das Land unter den Top Fünf. 86% bewerten auch die städtische Umwelt positiv (gegenüber 67% weltweit).

Die Schweiz schneidet auch in der Unterkategorie Reisen & Verkehr sehr gut ab (6. Platz). Sie erhält einen weiteren ersten Platz für die Reisemöglichkeiten (95% zufrieden im Vergleich zu 82% weltweit).

Die in der Schweiz lebenden Expats lieben sowohl die Infrastruktur für Autos (93% zufrieden im Vergleich zu 75% weltweit) als auch die Möglichkeit, sich zu Fuss oder mit dem Fahrrad fortzubewegen (94% zufrieden im Vergleich zu 77% weltweit), und finden es einfach und sicher, sich im Land zu bewegen. Den einzigen Nachteil sehen sie in der Erschwinglichkeit der öffentlichen Verkehrsmittel (Platz 38).

Das Preisniveau ist auch ein Thema, wenn es um die Gesundheitsversorgung geht. Expats halten die Qualität für sehr gut (86% zufrieden im Vergleich zu 72% weltweit), aber 41% halten die Gesundheitsversorgung für nicht finanzierbar, verglichen mit 21% weltweit.

Auch in der Unterkategorie "Freizeitmöglichkeiten" schneidet die Schweiz schlecht ab und landet auf Platz 41 von 52. Während 88% der Befragten die Möglichkeiten für Freizeitsport schätzen (im Vergleich zu 75% weltweit), sind 26% unzufrieden mit dem Kulturangebot und dem Nachtleben (im Vergleich zu 16% weltweit). Und 21% vermissen die kulinarische Vielfalt und verschiedene Verpflegungsmöglichkeiten (im Vergleich zu 12% weltweit).

Faire Löhne

Die Schweiz belegt im Working-Abroad-Index den 16. Platz – in der Unterkategorie Löhne & Jobsicherheit sogar den ersten Platz. Dies ist vor allem auf die wirtschaftliche Lage zurückzuführen: 94% sind mit ihr zufrieden (gegenüber 64% weltweit).

Darüber hinaus sind 70% der Meinung, dass sie für ihre Arbeit angemessen bezahlt werden (gegenüber 62% weltweit). 65% sind der Meinung, dass der Umzug in die Schweiz ihre Karriereaussichten verbessert hat (gegenüber 60% weltweit).

In der Unterkategorie Work-Life-Balance schneidet die Schweiz jedoch nicht besonders gut ab (Platz 39). Mehr als jede fünfte befragte Person (21%) ist mit ihren Arbeitszeiten unzufrieden (im Vergleich zu 17% weltweit).

Positiv zu vermerken ist, dass 66% der Expats der Meinung sind, die lokale Unternehmenskultur unterstütze Massnahmen wie Homeoffice und flexible Arbeitszeiten (gegenüber 60% weltweit). Die allgemeine Arbeitszufriedenheit ist recht hoch (71% zufrieden im Vergleich zu 64% weltweit).

Expats haben nicht nur das Gefühl, dass sie fair bezahlt werden, 69% sind auch mit ihrer finanziellen Situation im Allgemeinen zufrieden (gegenüber 60% weltweit). Weitere 80% beschreiben ihr Haushaltseinkommen als ausreichend oder mehr als ausreichend für ein komfortables Leben (gegenüber 72% weltweit).

Tatsächlich verfügen 56% (gegenüber 21% weltweit) über ein jährliches Bruttoeinkommen von mindestens 100'000 US-Dollar (entspricht momentan 97'000 Franken). Trotzdem schneidet die Schweiz im Index der persönlichen Finanzen leicht unterdurchschnittlich ab (Platz 31). Das ist wiederum auf die Lebenshaltungskosten zurückzuführen: 62% bezeichnen diese als zu hoch (gegenüber 35% weltweit).

Schwierig, Freunde zu finden

Im "Expat Essentials Index" (20. Platz) schneidet die Schweiz in den Bereichen Digitales Leben und Verwaltungsthemen sehr gut ab (7. Platz in beiden Bereichen). Expats sind zufrieden mit dem uneingeschränkten Zugang zu Online-Diensten (92% gegenüber 82% weltweit) und dem schnellen Internetzugang zu Hause (89% gegenüber 79% weltweit). Drei von fünf der Befragten (60%) erachten auch den Umgang mit den lokalen Behörden für einfach (im Vergleich zu 40% weltweit).

Die Unterkategorie "Wohnen" (Platz 44) schadet jedoch dem Index-Ranking der Schweiz: 42% geben an, dass es für Expats schwierig sei, eine Wohnung zu finden (gegenüber 27% weltweit).

Weitere 58% halten Immobilien für schwer erschwinglich (im Vergleich zu 43% weltweit). "Es ist fast unmöglich, eine Wohnung zu kaufen, und das Mieten ist sehr teuer", sagt ein französischer Expat.

Im Index "Eingliederung" befindet sich die Schweiz unter den letzten zehn Ländern. Expats bewerten das Land besonders schlecht in den Unterkategorien "Freunde finden" (Platz 43) und "Freundlichkeit der Einheimischen" (Platz 44).

Jede und jeder Vierte (25%) beschreibt die einheimische Bevölkerung als unfreundlich (gegenüber 17% weltweit), und 52% haben Schwierigkeiten, Freunde vor Ort zu finden (gegenüber 37% weltweit).

>> Dieses Video erklärt auf humorvolle Art, wie man sich Schweizerinnen und Schweizer zu Freunden macht (auf Englisch)

Es überrascht deshalb nicht, dass 32% mit ihrem sozialen Leben nicht zufrieden sind (gegenüber 26% weltweit). Und 45% geben an, hauptsächlich mit anderen Expats befreundet zu sein (gegenüber 33% weltweit). Nur 7% haben hauptsächlich einheimische Freundinnen und Freunde (im Vergleich zu 17% weltweit).

"Es kann Jahre dauern, bis man in das Schweizer Sozialleben hineinkommt", sagt eine französische Befragte. "Die meisten meiner Kontakte hatte ich anfangs mit anderen Ausländerinnen und Ausländern."

"InterNations Expat Insider"-Umfrage 2022

Für die jährliche Expat Insider-Umfrage hat "InterNations" 11'970 Expats, die 177 Nationalitäten repräsentieren und in 181 Ländern oder Gebieten leben, gebeten, Angaben zu verschiedenen Aspekten des Expat-Lebens sowie zu Geschlecht, Alter und Nationalität zu machen.

Damit ein Land in die Indizes und damit in die Gesamtwertung aufgenommen werden konnte, war eine Stichprobengrösse von mindestens 50 Umfrageteilnehmenden pro Wohnland erforderlich.

Die Teilnehmenden wurden gebeten, bis zu 56 verschiedene Aspekte des Lebens im Ausland auf einer Skala von eins bis sieben zu bewerten. Bei der Bewertung stand die persönliche Zufriedenheit der Befragten mit diesen Aspekten im Vordergrund, wobei sowohl emotionale Themen als auch eher sachliche Aspekte gleichberechtigt berücksichtigt wurden.

Die Bewertungen der einzelnen Faktoren durch die Befragten wurden dann in verschiedenen Kombinationen zu insgesamt 16 Unterkategorien gebündelt und deren Mittelwerte zur Bildung von fünf thematischen Indizes herangezogen: Lebensqualität, Eingliederung, Arbeiten im Ausland, persönliche Finanzen und Grundlegendes für Expats.

Diese Indizes wurden zusammen mit der allgemeinen Zufriedenheit der Expats mit ihrem Leben im Ausland gemittelt, um eine Rangliste von 52 Expat-Destinationen auf der ganzen Welt zu erstellen.

(Quelle: "InterNations")

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Übertragung aus dem Englischen: Christian Raaflaub

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

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