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In Cancún war auch die Zivilgesellschaft präsent

Sena Alouka, Umweltexperte und Direktor einer afrikanischen NGO, beobachtet die Klimaverhandlungen in Cancún genau. swissinfo.ch

Was immer man vom Resultat der Klimaverhandlungen in Cancún halten mag: In Afrika ist der Klimawandel bereits Realität, und die Zivilgesellschaft hat zu handeln begonnen. So wie die NGO 'Jeunes volontaires pour l'environnement', mit dessen Direktor swissinfo.ch gesprochen hat.

Dieser Inhalt wurde am 12. Dezember 2010 - 16:15 publiziert
Pierre-François Besson, Cancún, swissinfo.ch

Sena Alouka, Experte für nachhaltige Entwicklung, leitet eine der zahlreichen Nichtregierungs-Organisationen (NGO), die an der UNO-Klimakonferenz in  Cancún als Beobachter präsent sind.

swissinfo.ch: Welche Folgen hat der Klimawandel in Afrika?

Sena Alouka: Viele! Ein Sprichwort bei uns sagt, wenn der Rhythmus der Trommel ändert, muss auch der Tanz ändern. Heute kann man sagen, das Tam-Tam hat sich schon lange verändert. Und die Afrikaner haben nicht auf alle diese Konferenzen gewartet – Kopenhagen, Cancún, Potsdam. Die Anpassung läuft in Afrika bereits. Denn für uns ist der Klimawandel nicht eine Frage der Gerechtigkeit, sondern des Überlebens.

In Togo zum Beispiel gibt es das Problem der Abholzung der Wälder nicht deshalb, weil die Menschen dort die Umwelt nicht schützen wollen, sondern weil sie keine andere Wahl haben. Sie brauchen Holzkohle zum Kochen von Manioc und Reis. Es gibt keine andere Option, als den Ast abzusägen, auf dem man sitzt.

Die afrikanischen Bauern sind heute total verloren. Unsere traditionellen Landwirtschafts-Systeme basieren auf dem Regen und den Monaten. März ist der Monat der Aussaat, im Juni findet die Ernte statt, und im November versteckt man sich vor der Kälte im Zimmer. Die Bauern können sich heute nicht mehr auf dieses System stützen, um anzupflanzen und zu ernten. Das ist ein Risiko für die Nahrungssicherheit.

In Afrika ist der Klimawandel also eine Frage des Überlebens. Ein Abkommen bei den Klimaverhandlungen wird nicht schon morgen erfolgen. Und sogar wenn wir ein wunderbares, gesetzlich verbindliches Abkommen erhalten, das die ganze Welt beklatscht, löst das die Probleme der Bauern in meinem Dorf nicht. Noch nicht. Es müssen noch ganz viele Prozesse folgen, welche die Afrikaner selber umsetzen müssen.

swissinfo.ch: Warum soll man dann überhaupt in Cancún dabei sein?

 S.A.: Ein weiteres afrikanische Sprichwort sagt, dass wenn im Dorf der Boden verteilt wird und du nicht da bist, musst du dich später nicht beklagen. Heute sind wir daran zu entscheiden, was sich in den nächsten 10 oder 15 Jahren abspielen wird. Die heutige Situation Afrikas wurde an der Konferenz von Berlin durch Mitterrand, Chirac, Reagan entschieden. Heute muss man entscheiden , wie Afrika in 15 bis 20 Jahren aussieht. Deshalb müssen wir jetzt hier in Cancún präsent sein.

Auch wenn wir kein Mitspracherecht haben (die NGO haben Beobachterstatus, Anm. d. Red.),  sind wir da, hören zu, und man weiss, dass wir da sind. Es ist wichtig, dass wir präsent sind und ab und zu schreien, unsere Stimme erheben. Wir sind die Sprecher der Sprachlosen.

swissinfo.ch: Sie leiten die NGO 'Jeunes volontaires pour l'environnement' ('Junge Freiwillige für die Umwelt'). Was tun sie konkret an Ort?

S.A.: Unsere Organisation möchte eine Art Greenpeace für Afrika werden, ein kleines Oxfam. Man sagt, dass wir in Afrika selber eine Organisation aufbauen könnten, welche grenzüberschreitend wäre und weltweit wirken könnte. Wir wollen die Jungen dazu bringen, dass sie sich an der Debatte über eine nachhaltige Entwicklung beteiligen.

Die Aktivitäten unserer JVE basieren ausschliesslich auf Freiwilligkeit. Wir arbeiten vor allem im Bildungssektor und machen Radio- und Fernsehsendungen. Wir haben ein Programm mit dem Titel "Ökologie und Bewusstsein", mit dem wir an Schulen junge Afrikaner ausbilden, damit sie ökologisch verantwortlich handeln.

Zudem arbeiten wir mit Gemeinschaften, um sicherzustellen, dass wir mit Holzkohle sparsam umgehen, auch wenn Länder wie Togo, Bénin und Burkina Faso nicht wirklich zu den Emissionsländern gehören.

Wir haben auch Projekte zur Wiederaufforstung, zur Unterstützung von Frauen zwecks besserer Haushaltführung, Sonnenenergiekocher, aber auch Projekte zur Unterstützung von Opfern sozialer Ungerechtigkeit.

swissinfo.ch: Auf welche Schwierigkeiten stossen Sie bei Ihrer Arbeit?

S.A.: Heute glauben viele Leute in Afrika, Ökologie werde den Ländern im Süden aufgedrängt, um ihr Wachstum zu verlangsamen. Wegen der Geschichte des Kolonialismus, des Neo-Kolonialismus ist es verständlich, dass die Leute dieses Gefühl haben. Wir wissen aber, dass dies nicht der Fall ist

Weiter ist es schwierig, Partner zur Finanzierung der Umweltprojekte zu finden, denn es ist nicht einfach, Umwelt und Entwicklung auseinander zu halten. Wir wissen, dass die Umwelt auf allen Gebieten zu finden ist.

Auf der Management-Ebene mangelt es den NGO in Afrika an menschlichen Ressourcen, an Zugang zu Informationen und finanziellen Quellen, die wir weder genügend mobilisieren noch langfristig verwenden können. 

swissinfo.ch: Neben der Freiwilligenarbeit, der Suche nach Finanzquellen in Afrika, der Unterstützung durch die togolesischen Banken erhalten Sie Hilfe aus Norwegen und Deutschland. Gibt es auch finanzielle Unterstützung aus der Schweiz?

S.A.: Von der Schweizer Regierung nicht. Aber unsere JVE hat zwei Sektionen im Ausland, darunter eine in der Schweiz. Wir arbeiten mit einer Studenten-Organisation, um vor Ort die SODIS-Methode zur Pasteurisierung von Wasser zu fördern.

Man füllt Wasser in eine Plastikflache (PET), stellt sie sechs Stunden an die Sonne und das Wasser wird trinkbar, sofern nicht chemische Rückstände darin sind.

Es ist gut, daran zu erinnern, dass diese SODIS-Methode in der Schweiz entwickelt wurde, von Forschern des Eawag (Wasserforschungs-Institut der Eidgenössischen Technischen Hochschule ETH). Wenn uns die Schweiz direkt also keine Gelder zur Verfügung stellt, so profitieren wir doch enorm von der Schweizer Technologie und Expertise.

SODIS zur Desinfektion

Die ab den 1990er-Jahren von der Eawag entwickelte SODIS-Methode (Solar Water Desinfection) wird von 4,3 Millionen Menschen in rund 30 Ländern angewandt.

900'000 Menschen weltweit haben keinen Zugang zu Trinkwasser. Jeden Tag sterben über 4000 Kinder an Durchfallerkrankungen.

Die in Dübendorf ZH entwickelte SODIS-Methode ist ein einfaches Solar-Mittel zur Desinfektion von Trinkwasser. Das Wasser wird in eine farbneutrale PET-Flasche oder in ein Glas gefüllt, das kontaminierte Wasser wird darin sechs Stunden lang an die Sonne gestellt.

Die UV-Strahlen zerstören die Infektionskeime (Viren, Bakterien, Parasiten), die Erreger von Durchfallkrankheiten sind.

Mehrere wissenschaftliche Studien haben die Wirkung der SODIS-Methode bestätigt, die namentlich von der Weltgesundheits-Organisation (WHO) und dem UNO-Kinderhilfswerk Unicef empfohlen wird.

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Eine afrikanische Vereinigung

Die im Jahr 2000 in einem kleinen Dorf in Togo gegründete Organisation 'Jeunes volontaires pour l'environnement (JVE) hat ihren Hauptsitz in Lomé.

JVE ist in 17 afrikanischen Ländern aktiv und zählt zwischen 4000 und 5000 junge afrikanische Frewillige.

JVE ist die grösste Umweltschutzbewegung von Jugendlichen in Afrika.

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