Navigation

Immer mehr Wirtschafts-Kriminalität

Bilanzfälschung ist ein häufiges Delikt in Unternehmen. imagepoint

Delikte im Wirtschafts-Bereich nehmen zu. Laut einer Umfrage sind 37% aller Firmen in der Schweiz davon betroffen, gegenüber 24% während 2001 bis 2002.

Dieser Inhalt wurde am 29. November 2005 - 15:38 publiziert

Gemäss Pricewaterhouse Coopers sind in der Schweiz doppelt so viel Top-Kader in die Missbräuche verwickelt als im Ausland.

Wirtschaftskriminalität verursacht in der Schweiz Millionenschäden. Gut ein Drittel der Unternehmen ist davon betroffen. Pikant: Hierzulande bedienen sich zumeist die Chefs aus der Firmenkasse - und das häufig ohne Konsequenzen.

Gestiegener Anteil seit 2002

Gemäss der Studie sind 37% der Firmen in der Schweiz Opfer von Wirtschaftskriminalität. Dieser Wert liegt deutlich höher als bei der letzten Erhebung aus dem Jahr 2003. Damals hatten noch 24% der Unternehmen angegeben, von Wirtschaftskriminalität betroffen zu sein. Befragt wurden 125 der 1000 grössten Unternehmen in der Schweiz.

Im Vergleich mit anderen Ländern steht die Schweiz mit einem Anteil von rund einem Drittel gut da. Veruntreuungen, Bilanzfälschungen, Korruption und Bestechung, Insiderhandel, Fälschungen, Vorspielung falscher Tatsachen oder Geldwäscherei finden weltweit in 45% der Firmen statt.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

"Generall haben gehen wir in der Schweiz von einer Vertrauenskultur aus", sagt Rolf Schatzmann, PwC-Partner, gegenüber swissinfo. "Diese besagt, dass ein Schweizer keine Verfehlungen begeht. Doch die Wirklichkeit zeichnet ein anderes Bild – so dass diese Vertrauenskultur einer falschen Einstellung gleichkommen könnte."

Nun aber zu einer allgemeinen Unternehmens-Kultur des Argwohns überzugehen könnte falsch sein, sagt Schatzmann im weiteren. "Doch die Schweizer Unternehmen sollten Massnahmen ergreifen, um die richtige Gewichtung zwischen Vertrauen und Geschäfts-Interessen zu finden."

Mehr Top-Kader verwickelt

In der Hälfte aller Fälle sind Mitarbeiter die Täter. Als alarmierend bezeichneten die Verfasser der Studie, dass in der Schweiz vorab das Top-Kader in kriminelle Machenschaften verwickelt ist. In 53% der Fälle kommt der Täter aus dem oberen Kader, doppelt so häufig als in anderen westeuropäischen Staaten.

Für die Topmanager hat der Griff in die Firmenkasse vielfach kaum Konsequenzen. In 40% der Fälle wird gar nichts unternommen. In weniger als der Hälfte der Delikte kommt es zu einer Kündigung oder zu einer Strafanzeige.

Im Gegensatz dazu werden Verfehlungen des mittleren Kaders ohne Ausnahme mit Kündigung bestraft, in 58% der Fälle kommt es zur Strafverfolgung. Die übrigen Angestellten erhalten in 83% der Fälle den blauen Brief, mit einer Strafverfolgung müssen 50% der Täter rechnen.

Schäden in Millionenhöhe

Die Wirtschaftskriminalität verursacht in den Unternehmen Schäden in Millionenhöhe. Im Durchschnitt wurden pro Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren 2,7 Mio. Franken wegen krimineller Taten in den Sand gesetzt. Das liegt über dem weltweiten Durchschnitt von 2,3 Mio. Franken.

Gemäss der Umfrage machen den Firmen aber auch die Schädigung von Kundenbeziehungen, Motivationsverlust der Mitarbeiter und Reputationsverlust zu schaffen.

In der Schweiz werden vor allem Delikte wie Veruntreuung (54%) und Vorspiegelung falscher Tatsachen (43%) verübt. Aber auch Geldwäscherei (11%) oder Korruption und Bestechung (9%) kommen zur Anwendung.

Kommissar Zufall

Entdeckt werden die kriminellen Machenschaften zumeist nur per Zufall. In 36% sind es Hinweise von Mitarbeiterinnen oder Mitarbeitern. Nur gerade in 16% der Fälle werden kriminelle Handlungen durch interne Revision aufgedeckt.

Kein Wirtschaftszweig ist vor Wirtschaftskriminalität gefeit. Besonders anfällig ist aber mit einem Anteil von 59% der Handel. Der Grund: Diese Branche ist wenig reguliert und es gibt viel an Geld oder Waren zu holen.

Der Finanzsektor scheint mit einem Anteil von 48% an zweiter Stelle auf, weil Wirtschaftskriminalität aufgrund der starken Regulierung eher zutage tritt.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Pricewaterhouse Coopers (PwC) ist als Unternehmens-Berater und Treuhänder in 150 Ländern repräsentiert.

PwC hat die Delikt-Studie zum dritten Mal durchgeführt.

Weltweit wurden 3634 Unternehmen befragt, in der Schweiz 125.

Durchschnittlich wurde ein betroffenes Unternehmen um 2,6 Mio. Franken geschädigt.

End of insertion

Fakten

37% aller befragten inländischen Unternehmen verzeichneten in den vergangenen zwei Jahren Wirtschafts-Delikte – 2002 waren es noch 24%.
Dieser Anteil liegt unter dem westeuropäischen (42%) und dem weltweiten Wert (45%).
66% der Schweizer Unternehmen glauben, in den nächsten 5 Jahren keinem kriminellen Zugriff ausgesetzt zu sein – gegenüber nur 21% weltweit.
53% der Betrugsfälle in der Schweiz sind vom Top-Kader begangen worden.

End of insertion

Artikel in dieser Story

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

Mehr: JTI-Zertifizierung von SWI swissinfo.ch

Diskutieren Sie mit!

Diesen Artikel teilen

Passwort ändern

Soll das Profil wirklich gelöscht werden?