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Iberien-Schweizer treffen sich in Barcelona

Die Präsidenten der Schweizerklubs von Spanien und Portugal mit Vertretern aus Bern in Barcelona.

Die helvetische Diaspora in Spanien und Portugal ist heterogen: Da sind die Rentner, die ihren Lebensabend am Meer verbringen, und Jungen, die im Zeitalter der Globalisierung eine neue Herausforderung suchen.

Dieser Inhalt wurde am 31. Januar 2008 - 16:21 publiziert

Um ihren Einfluss in Bern als Teil der Fünften Schweiz zu verstärken, schlagen die Präsidenten der Schweizerklubs ein effizienteres Kommunikationsnetz vor.

Pius Bucher, Generalkonsul in Barcelona, forderte die Anwesenden am letzten Wochenende auf, sich zum Geschehen in der Schweiz auch kritisch zu äussern.

Georg Stucky, Präsident der Auslandschweizer-Organisation (ASO), wies auf die wachsende Anzahl der Auslandschweizer hin, die sich ins Stimmregister eingeschrieben haben: seit Inkrafttreten des Gesetzes im Juli 1992 sind es rund 111´000.

Er rief sie im Hinblick auf die Parlamentswahlen vom 21. Oktober auf, sich aktiv am Forum der Organisation und von swissinfo zu beteiligen.

ASO-Direktor Rudolf Wyder betonte die Wichtigkeit der persönlichen Beteiligung, um mehr Einfluss auf die Politik in der Heimat zu haben.

Auch sei es wichtig, die beratende Funktion des Rats der Auslandschweizer, des Parlaments der Fünften Schweiz, zu verstärken.

Trotz des scheinbar mangelnden Interesses verfolgten sie Abstimmungen in der Schweiz. Viele erwägen auch die Möglichkeit, von ihrem Stimmrecht Gebrauch zu machen.

Deshalb wollen die Klubs nicht nur sportliche, kulturelle und soziale Anlässe organisieren, sondern auch einen guten Kontakt zwischen den Mitgliedern und den Vereinen herstellen, wozu auch das Internet von Nutzen ist.

Wirklichkeit mit Nuancen

Die Schweizerklubs in Spanien und Portugal widerspiegeln die heterogone Zusammensetzung der dortigen helvetischen Kolonien.

"Die Jungen benötigen die Kontakte zur Heimat nicht mehr, weil sie sich in ihren Gastländern voll integriert haben", erklärt Markus Börlin, Chef der Politischen Abteilung VI des EDA, und fügt hinzu, dass die Herausforderung der Vereine gerade darin bestehe, deren Interesse zu wecken.

"Heute hat niemand Zeit. Barcelona ist eine Stadt mit sehr hoher Lebensqualität, wo mehr und mehr Junge mit Zukunftsplänen hinziehen", meint Regula Teichmann, Präsidentin des Schweizerklubs in Barcelona. Ähnliches berichtet Gregor Zemp aus Lissabon.

Im Gegensatz dazu sind 95% der Schweizerinnen und Schweizer, die an der Costa Blanca oder in der Algarve leben, Rentner. Ihre Vereine gleichten eher einem Freizeitklub, wo sie sich ohne Sprachprobleme zum Kegeln und Jassen treffen könnten, als einer politischen Tribüne, fügt Philipp Novak aus Alicante hinzu.

Unterschiedliche Interessen

"Für die Älteren ist soziale Sicherheit wichtiger als für die Jungen, die sich eher für Wirtschaft und Schweizer Schulen im Ausland interessieren", erklärt Botschafter Börlin im Zusammenhang mit den Sorgen der Rückkehrer.

So erstaunt es nicht, dass Barcelona und Madrid darauf pochten, dass Bund und Kantone die Unterstützung der Schweizer Schulen aufrecht erhalten und erhöhen sollten.

Weil die Rolle der Schweizer Schulen im Ausland als kulturelle und pädagogische Vermittler für wichtig erachtet wird, fiel das Treffen mit der Einweihung eines neuen Gebäudes für die Schweizer Schule in Barcelona zusammen.

Das politische Potential der Auslandschweizer

"Die politischen Parteien der Schweiz sind sich des Potentials der Auslandschweizer bewusst und es wäre wünschenswert, wenn auch Schweizer im Ausland für den Nationalrat kandidieren würden", betonte Georg Stucky und wies auf die baldige Möglichkeit des E-Votings hin.

"Wir hoffen", so Markus Börlin vom EDA, "dass die Beteiligung der Auslandschweizer am politischen Prozess in nicht allzu ferner Zukunft vereinfacht werden kann." Angesichts der schweizerischen Traditionen, des föderalistischen Systems und der Autonomie der Kantone und Gemeinden sei dies allerdings nicht leicht.

Am Treffen wurde auch der Ausschluss der in Europa niedergelassenen Schweizer von der AHV diskutiert. Es solle abgeklärt werden, ob das Gastland oder die Schweiz für Ergänzungsleistungen an Schweizer unter dem Existenzminimum aufzukommen habe. Rückkehrer mit Finanzproblemen sollten unterstützt werden.

Schliesslich wurde auch über eine mögliche Teilnahme der Ibero-Schweizer an der Weltausstellung in Zaragoza im Jahre 2008 diskutiert.

swissinfo, Juan Espinoza, Barcelona
(Übertragung aus dem Spanischen: Regula Ochsenbein)

In Kürze

Artikel 45 der Bundesverfassung vom Oktober 1966 garantiert die Rechte der Auslandschweizer.

Im Juli l992 wurde ihnen das briefliche Stimmrecht gewährt.

Mehr als 750 Vereine auf der ganzen Welt sind der Treffpunkt der Auswanderer. Neustens öffnen sie die Türen auch für Mitglieder anderer Länder.

Die Schweizerklubs in Spanien und Portugal treffen sich alle zwei Jahre, um Informationen auszutauschen und ihre Beschlüsse an den Rat der Auslandschweizer und die Auslandschweizer-Organisation, ihren direkten Vertretern bei den Berner Behörden, weiterzuleiten.

Der Rat der Auslandschweizer tagt zweimal jährlich.

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Fakten

Letztes Jahr waren 645'010 Schweizer im Ausland registriert (11,1% mehr als im Jahre 2000).
Die 5. Schweiz entspricht 10% der Schweizer Bevölkerung.
In Spanien sind 22'680 Auslandschweizer eingeschrieben und somit die fünftgrösste Kolonie in der EU.
Allein 14´587 sind beim Generalkonsulat in Barcelona eingeschrieben.
In Portugal leben 2782 Schweizer.
Alle bei einer Auslandvertretung eingeschriebenen Schweizer erhalten die Zeitschrift "Schweizer Revue". Mit einer Auflage von 390'000 in 5 verschiedenen Sprachen und 21 Regionalausgaben enthält sie u.a. aktuelle Informationen über die Schweiz, die für Auslandschweizer von besonderem Interesse sind, sowie Artikel von Auslandschweizern.

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