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Hoffen auf Aids-Impfstoff

Aids hat in gewissen Regionen bedrohliche Ausmasse angenommen. Keystone

Seit Jahren arbeiten Forscher an einem Impfstoff gegen Aids. Im Juni starten zeitgleich in Lausanne und London die ersten Impftests des Projekts "EuroVacc".

Dieser Inhalt wurde am 21. April 2003 - 14:00 publiziert

An "EuroVacc" beteiligen sich rund dreissig Forscherteams aus acht europäischen Ländern.

Bei den Tests geht es um zwei prophylaktische, also vorbeugende Impfstoffe.

Der erste ist vom Typus ADN. Dabei handelt es sich um eine Codierung von Virusproteinen.

Er soll den menschlichen Organismus dazu bringen, Lymphozyten (Blutkörperchen), welche die infizierten Zellen töten, zu produzieren sowie Antikörper, welche die Infektion neutralisieren.

Der zweite Impfstoff ist ein Virusträger. Er funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie der erste. Statt Proteinen wird ein rekombinantes (synthetisches) Virus namens NYVAC eingesetzt.

Die Tests laufen in vier Phasen ab. Wenn alles gut geht, könnten sie zur Vermarktung eines oder mehrerer Impfstoffe führen. Allerdings erst in etwa acht Jahren.

Die beiden ersten Testphasen

"Im Juni rekrutieren wir 80 Freiwillige", erklärt Jean-Pierre Kraehenbuhl, Vizepräsident des Projekts "EuroVacc", Forscher am ISREC und Professor am biochemischen Institut der Universität Lausanne.

In der ersten Phase arbeiten die Forscher mit gesunden Personen, die keiner der so genannten Risikogruppen angehören.

An diesen Freiwilligen wird die Toleranz gegenüber jedem Impfstoff gemessen. Geachtet wird zudem auf eine positive Reaktion ihres Organismus.

In der zweiten Phase wird die Immun-Reaktion der Impfstoffe analysiert, diesmal an Personen aus Risikogruppen (Homosexuelle, Drogensüchtige, Prostituierte, Sextouristen).

Damit kann das Spektrum der Impfstoffe ausgewertet und eruiert werden, wie viele Viruselemente ihr Immunsystem erkennen kann.

Kein Risiko für die Testpersonen

Laut Kraehenbuhl sind die beiden Phasen für die Personen, die sich an den Tests beteiligen, völlig ungefährlich.

"Wir spritzen weder das Aids-Virus noch ein abgeschwächtes HI-Virus, es geht also anders als zum Beispiel bei der Pockenimpfung."

Auch die Präsenz eines synthetischen Virus im zweiten Impfstoff berge nicht die Gefahr in sich, dass man daran erkranken könnte.

"Im besten Fall sind die geimpften Testpersonen danach definitiv immun gegen das HI-Virus, was wir sehr hoffen", so Kraehenbuhl.

Die beiden anderen Testphasen

Die Vermarktung eines Impfstoffes liegt in diesem Stadium allerdings noch in weiter Ferne.

Mit den beiden ersten Phasen soll nur die Toleranz gegenüber den Impfstoffen gemessen werden. Zudem hoffen die Forscher, beweisen zu können, dass die Impfstoffe eine Immunreaktion auslösen können. Danach muss noch die Wirksamkeit der Impfstoffe getestet werden.

Diese dritte Phase wird zu Beginn in Europa realisiert, und zwar an so genannten Randständigen.

Diese Etappe dürfte sich schwierig gestalten, erfordert sie doch die zusätzliche Zusammenarbeit mit Sozialarbeiterinnen und Psychologen.

Und schliesslich werden die Impfstoffe an weiteren Bevölkerungsgruppen getestet. Diesmal in Regionen, in denen eine grosse Zahl Aids-Infizierter leben, wie in Asien, Afrika und Osteuropa.

"Für diese vierte Phase haben wir bereits Kontakt aufgenommen und mit Ländern wie Tansania, Ruanda, Südafrika, China und Russland Abkommen geschlossen", erklärt Kraehenbuhl.

Diese Phase ist von grosser Wichtigkeit: Denn damit die Wirksamkeit des Impfstoffs klar erwiesen werden kann, braucht es eine grosse Zahl von Testpersonen.

Die Resultate und Analysen der Tests werden in der Immunologie- und Allergieabteilung von Professor Giuseppe Pantaleo im Waadtländer Universitätsspital (CHUV) zentral erfasst.

Amerikanisch-europäische Zusammenarbeit

Die Europäer sind aber nicht die einzigen, die Impfstoffe testen. Auch in den USA gibt es ein ähnliches Programm wie "EuroVacc", es heisst HVTN (HIV vaccine trial network).

Laut Professor Kraehenbuhl dürften Europäer und Amerikaner im Mai einen Zusammenarbeits-Vertrag unterzeichnen. Die in Europa entwickelten Impfstoffe könnten dann in den USA anerkannt werden und umgekehrt, was einer Weltpremiere gleichkäme.

Der Wettlauf um einen Impfstoff wird voraussichtlich nochmals etwa sieben Jahre dauern (zwei davon für die Produktions- und Vermarktungsphase).

Die Kosten dürften sich auf mindestens 20 bis 30 Millionen Euro belaufen (20'000 Euro pro Testperson).

Die Finanzierung sollen laut Kraehenbuhl die Europäische Union, die USA und die Stiftung "EuroVacc" zusammen mit zahlreichen Unternehmen übernehmen.

Und schliesslich ist festzuhalten, dass diese enge europäisch-amerikanische Zusammenarbeit einen Impfstoff auf den Markt bringen soll, der allen zugänglich ist.

swissinfo, Jean-Louis Thomas
(Übertragung aus dem Französischen: Charlotte Egger)

In Kürze

Beginn der Tests in der Schweiz: Juni 2003

80 Freiwillige

Dauer der Toleranztests: zwei Jahre

Dauer der Wirksamkeitstests in der Schweiz und weltweit: rund vier Jahre

Vermarktung: frühestens 2010

Nach der Schweiz und Grossbritannien sind ähnliche Tests auch in den Niederlanden, Spanien, Italien und Deutschland geplant.

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