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Höhenflug im Börsenjahr 2005

Der Swiss Performance Index (SPI) indiziert innert eines Jahres einen Wertzuwachs von satten 33%. swissinfo.ch

Ein sattes Drittel Wachstum während eines Jahres – eine derart rasante Performance hat die Schweizer Börse schon lange nicht mehr gesehen.

Dieser Inhalt wurde am 23. Dezember 2005 publiziert Minuten

2005 gilt als spezielles Aufholjahr gegenüber der US-Börse. Für 2006 sind die Ansprüche der Aktionäre viel bescheidener.

Seit Winter 2003 befinden sich die Börsen in der Schweiz, Europa, Japan und den USA mehr oder weniger im Aufwärtstrend. Nachdem sie 2004 zu Beginn etwas seitwärts tendiert hatten, setzten sie 2005 das Wachstum ausser beim Dow Jones auch bis in den Dezember fort.

Innerhalb Europas lag 2005 die Schweizer Börse von Jahresbeginn bis im Herbst wachstumsmässig an vorderster Stelle: "In der Folge des US-Börsenverlaufs im Vorjahr hat der SMI 2005 eine Aufholjagd gestartet", sagt Janwillem Acket von Julius Bär im Gespräch mit swissinfo.

Ein sattes Drittel mehr

Der SMI, der als Index die 26 Schweizer "Blue Chips" umfasst, hat seit Januar 2005 bis in den Dezember um ein kräftiges Drittel an Wert zugelegt.

Im Dezember 2005 verlief die Börsenbewegung in der Schweiz dann "etwas seitwärts", wie Acket sagt. "Denn gegen Jahresende begann man, Gewinne mitzunehmen."

Dafür sind in den USA die Kurse wieder etwas in Bewegung geraten. Doch insgesamt "wurde Wall Street 2005 ihrer Rolle als Leitbörse nicht gerecht", sagt Lorenz Burkhalter von Burkhalter Asset Management AG, Bern, gegenüber swissinfo.

Hoch die Börse, hoch das Petrol

Diese ausserordentliche Performance 2005 erstaunt insofern, als auch die Energiepreise in dieser Zeit massiv zugelegt haben. Das Barrel Rohöl, das Anfang 2002 noch 20 Dollar gekostet hatte, stieg kontinuierlich bis im Herbst 2005 auf 70 Dollar.

Acket erklärt sich diese Entwicklung mit dem Umstand, dass der jüngste Energiepreis-Schock im Gegensatz zu früher die Unternehmen gar nicht mehr so stark bei den Margen treffe – zumindest nicht in den Industrieländern. "Wenn es jemand spürt, ist es der Konsument."

Denjenigen, die sich wundern, weshalb 2005 die Schweizer Börse boomte, die Schweizer Konjunktur sich jedoch nur zögerlich bewegte, ruft der Makro-Spezialist von Julius Bär in Erinnerung, dass der SMI-Aktienindex von seiner Titel-Zusammensetzung her in keiner Weise die inländischen Verhältnisse spiegelt.

Der SMI spiegle vielmehr den globalen Wirtschaftsverlauf: Pharmawerte, UBS, Nestlé oder ABB seien derart global ausgerichtet, dass sie nur wenig auf inländische Entwicklungen reagierten.

Und hier kommt die Währungs-Situation 2005 respektive der Dollar ins Spiel.

Glück hatte, wer in Dollar bezahlt wird

Gerhard Biasco, Branchen-Analyst bei Julius Bär, unterscheidet auch im Superjahr 2005 zwischen Gewinnern und Enttäuschern.

Die Telekom-Branche habe eher enttäuscht, da sich die Anleger fürchten, die Gratis-Telefonie übers Internet könnte dieser Industrie einen Streich spielen. Mit den jüngsten politisch bedingten Swisscom-Entscheiden habe dies aber nichts zu tun.

Auch die Versicherungen hätten nicht brilliert, weil sich diese Aktien ähnlich verhalten wie der Verlauf der langfristigen Zinsen (Obligationen-Renditen). Und dieser zeigte im Jahresverlauf nach unten.

Besser schnitten die Energie- und Rohstoff-Unternehmen ab, weil die Rohwaren und das Öl teurer wurden. "Überhaupt konnten alle Unternehmen, schweizerische, europäische und japanische, die sich in Dollar bezahlen lassen, 2005 ausgezeichnet abschliessen", sagt Biasco gegenüber swissinfo.

Denn der Dollar erstarkte seit Januar 2005 gegenüber dem Franken - davon profitierten in erster Linie die Pharmatitel und Nestlé. Noch 2002 war der Dollar zu 1,70 Fr. gehandelt worden. Bis Ende 2004 fiel er dann auf 1,15 Franken. Seither ist er wieder erstarkt, um 15%.

"Die Schweizer Börse ist innerhalb Europas der dollarsensitivste Markt", sagt auch Burkhalter. Gegenüber dem Euro setzte sich im Berichtsjahr die seit längerem etablierte Stabilität im Bereich von 1.50 Fr. fort.

Wenig Teuerung, etwas mehr Zins

Während die Teuerung in der Schweiz sich seit 2002 in einem Band zwischen 0 und 2% bewegt, gaben die Zinsen seit 2002 und auch 2005 noch nach.

Erst ab Herbst des laufenden Jahres zeigte sich der lange erwartete Richtungswechsel bei den Kapitalmarkt-Zinsen. Ab Anfang Dezember kam es zu einer Reihe von Zinsentscheiden der Zentralbanken, auch der Schweizerischen Nationalbank (SNB), die auf eine mögliche Trendwende deuten. Diese geldpolitische Straffung dürfte sich auch 2006 fortsetzen.

"Bescheidenere Ansprüche an 2006"

Laut Acket dürfte die Dezember-Beruhigung beim SMI darauf hin deuten, dass "ein hohes Niveau erreicht und eventuell eine Konsolidierung angesagt ist". Julius Bär hegt jedenfalls für 2006 "bescheidenere Ansprüche".

Die Bank hat deshalb die Schweizer wie auch die europäischen Werte auf "neutral" gesetzt, da mit der Konsolidierung gerechnet wird: "Gehen wir von einem SMI-Stand für Ende 2005 von 7500 aus, so erwarten wir für Ende 2006 heute einen Stand von 7750. Das ist bescheiden."

Für die US-Börse, bei der Acket sich auf den S&P-500-Index stützt, sähen die Wachstums-Erwartungen für 2006 hingegen besser aus. Nicht ganz derselben Ansicht ist Burkhalter, zumindest von der Franken-Warte aus: "2005 durften die US-Grossunternehmen steuerbegünstigt Kapital aus dem Ausland nach Amerika repatriieren, was den Dollarkurs begünstigte. Dieser Effekt dürfte 2006 wegfallen."

Und volkswirtschaftlich, also von der Kaufkraft-Parität her gesehen, sei der Dollar bereits heute sehr teuer. Burkhalter sieht also skeptisch auf den Dollar-Verlauf, teilt aber die Meinung einer positiven US-Börsenentwicklung 2006.

swissinfo, Alexander Künzle

In Kürze

Gegen Ende 2005 hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) die Leitzinsen leicht erhöht (3-Monats-Libor).

Dies gilt als Anzeichen für eine mögliche Zins-Verhärtung 2006.

Zinspapiere, das heisst Obligationen, würden dann wieder attraktiver.

Auf mittlere Frist wäre dies auch ein schlechtes Zeichen für den Kursverlauf bei den Aktien.

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Fakten

Der SPI-Index ist der breit gefasste Index der Schweizer Börse und umfasst alle Schweizer Aktien, nach 13 Branchen geordnet. Dieser liegt im Dezember über 33% des Vorjahreswerts (von 4200 auf rund 5700).
Der SMI-Index umfasst maximal 30 Aktien, die als Schweizer Blue Chips gelten (Standardwerte von ABB bis Zurich Financial Services). Er nahm ebenfalls um rund einen Drittel seines Werts zu (von rund 5630 auf über 7500).

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