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Hartes Brot für Käser

Immer weniger Milch wird zu Käse verarbeitet. Keystone Archive

Eine Studie im Auftrag der Käseindustrie sagt den traditionellen Dorfkäsereien in der Schweiz eine düstere Zukunft voraus. Neun von zehn Käsereien haben ausgekäst, behauptet die Studie.

Dieser Inhalt wurde am 22. November 2002 - 18:57 publiziert

Die Branche selbst relativiert diese Zahl und setzt auf qualitativ hochstehende Nischenprodukte.

Rund 1000 Käsereien in der Schweiz sind überflüssig. Laut dem Boulevard-Blatt BLICK ist dies in einer Strategieentwicklungs-Studie zu lesen, die der Freiburger Milchkonzern Cremo bei der Wirtschaftsprüfungsfirma Visura in Auftrag gegeben hatte.

Konsolidierungswelle



In den letzten 10 Jahren hat die Zahl der Käsereien in der Schweiz um ein Drittel auf 940 Betriebe (November 2001) abgenommen. Allein in den Jahren 2000 und 2001 verschwanden je 100 Betriebe.

Auch für dieses Jahr prognostizieren Fachleute einen weiteren Rückgang.

In der Studie soll von drastischen Kostensenkungs-Massnahmen die Rede sein. Konkret müssten knapp 1000 Käsereien, beziehungsweise 9 von 10 Betrieben schliessen.

Dies sei eine notwendige Massnahme, um die Milchwirtschaft profitabler zu machen. Ernest Schlaefli, Verwaltungsrat bei Cremo, dazu: "Das muss in zwei oder drei Jahren passieren."

Laut Schlaefli gibt es zu viele Käsereien. Neben den industriellen Grosskäsereien brauche es nur noch rund 100 gewerbliche Spezialitäten-Käsereien.

Käseproduzent Emmi sieht die Sache etwas weniger drastisch. Das Unternehmen mit einem Marktanteil von 50% hält die Schliessung von rund 30% der Käsereien für realistisch.

Emmentaler: Der wichtigste Schweizer Käse

Rund 50% der Schweizer Käsereien stellen Emmentaler her. 22% produzieren Gruyère, die übrigen Sbrinz, Tilsiter, Appenzeller etc.

Optimismus bei Fromarte

Beim Interessenverband der milchverarbeitenden Unternehmen, Fromarte, ist man anderer Meinung. Dazu der Direktor Anton Schmutz:

"Natürlich müssen wir unsere Produktion den Konsumenten anpassen. Aber wir haben solch exzellenten Käse in der Schweiz, dass es in Zukunft mehr als 500 Käsereien braucht."

Laut Schmutz bevorzugen zwar gewisse Kunden billigen Käse. Aber es gebe auch viele andere, welche höhere Preise für entsprechende Qualität bezahlen würden.

Heute stammt 70% der gesamten Käseproduktion aus kleinen Käsereien. Laut Anton Schmutz werden sich in Zukunft jeweils zwei bis drei Betriebe zu einer grösseren Einheit zusammenschliessen. Damit könne die Branche auch weiterhin erfolgreich sein.

Käse-Olympiade

Trotz der bestehenden Strukturkrise in der Milchwirtschaft sind auch "Good News" zu vermelden: Der Käse erfreut sich international nach wie vor grosser Beliebtheit. Auch ist die Branche allen Unkenrufen zum Trotz durchaus innovativ, wie nachfolgendes Beispiel zeigt.

Zum ersten Mal finden dieser Tage die Olympischen Spiele der Bergkäsesorten im ialienischen Aosta statt. Die Schweiz ist auch mit von der Partie, und zwar an vorderster Front. Noch vor offiziellen Beendung der "Spiele" hat sie bereits 15 Medaillen gewonnen!

Vergleich mit Europa

Weil zwar in den letzten 10 Jahren die Zahl der Betriebe, nicht aber die Käseproduktion abgenommen hat, stieg die verarbeitete Milchmenge pro Betrieb. 2001 wurden durchschnittlich 1,3 Tonnen Milch pro Käserei verarbeitet.

Im europäischen Vergleich ist dies wenig. So sind beispielsweise die niederländischen Käsereien 400 Mal grösser. Auch in anderen EU-Ländern sind die Betriebe um einiges grösser.

swissinfo, Elvira Wiegers

Fakten

Milchverarbeitung:
Umsatz: Über 1 Mrd. Fr. pro Jahr
Produktion: 100'000 Tonnen, 40'000 t für EU-Markt, 10'000 t für übrige Welt
Direkte Arbeitsplätze: 3'500 Personen
Sichert Milchverarbeitung von 17'000 Produzenten

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