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Harte Drogen im Vormarsch

Auf dem Schweizer Drogenmarkt werden jährlich 3 Mrd. Franken umgesetzt. swissinfo.ch

Der Drogenhandel floriert mit neuen Produkten über neue Vertriebs-Kanäle. Synthetische Drogen ersetzen Heroin und Kokain und sind bei Jugendlichen beliebt.

Dieser Inhalt wurde am 24. Juli 2002 - 18:20 publiziert

Die Ermittlungen der Stadtpolizei Bern erstreckten sich über die halbe Schweiz und umfassten die Zusammenarbeit mit 12 Ländern. Am Ende stand die Zerschlagung eines internationalen Drogenhändlerrings: 28 Personen wurden verhaftet, 22 Kilogramm Heroin beschlagnahmt. Der Fall, der am Mittwoch den Medien präsentiert wurde, ist der bisher grösste Drogen-Erfolg der Berner Stadtpolizei.

Tropfen auf den heissen Stein

Die 22 Kilogramm sichergestellten Drogen sind wenig im Vergleich zu den 11 Tonnen, die jährlich in der Schweiz konsumiert werden. So hoch schätzt das Bundesamt für Polizei (BAP) im neuesten Bericht zur Inneren Sicherheit den jährlichen Konsum. Hinzu kommen nochmals 11 Tonnen Kokain, die jedes Jahr in der Schweiz verkauft werden.

Den Gesamt-Markt von harten Drogen - Heroin, Kokain und synthetische Substanzen - veranschlagt das BAP auf 2 Mrd. Franken. Dazu kommt eine weitere Milliarde, die in der Schweiz für weiche Drogen ausgegeben wird.

"Der Heroin-Markt ist rückläufig, aber der Kokainkonsum nimmt deutlich zu", sagt Christian Buschan vom BAP gegenüber swissinfo. "Unsere grösste Herausforderung ist aber der Konsum synthetischer Drogen von jungen Leuten."

Amphetamine als neue Gefahr

Auch für die Schweizerische Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme (SFA) sind synthetische Drogen - Ecstasy und Thai-Pillen - ein Thema. "Wir müssen unterscheiden zwischen den rund 30'000 Heroin-Abhängigen und der neuen Szene der synthetischen Drogen", betont SFA-Direktor Richard Müller gegenüber swissinfo.

Besondere Sorgen bereitet dem SFA-Direktor der Trend Jugendlicher, mehr und mehr synthetische Drogen zu konsumieren, vor allem an Partys. "Synthetische Drogen müssen als harte, süchtigmachende Drogen betrachtet werden", erklärt Müller.

Gesicherten Zahlen hat er keine, muss aber aus den Anfragen an die Beratungsstelle schliessen, dass Amphetamine sich immer weiter verbreiten. Es sei keineswegs selten, so Müller, dass Jugendliche synthetische Drogen zusammen mit Heroin und Alkohol konsumieren - eine gefährliche Mischung.

"Die Prävention wird immer schwieriger, wir können nicht mehr einfach sagen, dass Drogen gefährlich sind. Diese Botschaft kommt nicht an", bedauert Müller.

Verschlungene Dealer-Routen

Laut BAP werden Thai-Pillen besonders im Rotlichtmilieu von asiatischen Gruppen verkauft. Über den Ecstasy-Deal weiss die Polizei fast nichts: Die Pillen stammen vor allem aus den Niederlanden und werden "ohne erkennbare Strukturen über Jugendliche" vertrieben, schreibt das BAP.

Genauere Angaben liefert der Bericht über die Dealer, die Heroin und Kokain auf der Strasse verkaufen. Der Heroinhandel wird von Gruppen aus dem Kosovo, Albanien und Mazedonien kontrolliert. "Das Heroin kommt meist in Autos oder Bussen in die Schweiz. Vier Fünftel des Heroins stammt ursprünglich aus Afghanistan", weiss Buschan vom BAP.

Laut Sicherheits-Bericht gewinnen die Gruppen aus dem Balkan auch Marktanteile im Kokainmarkt, der bisher vor allem durch afrikanische, dominikanische oder südamerikanische Dealer dominiert wurde. Buschan weiter: "Jeder 6. Asylbewerber in der Schweiz versucht einmal in seinem Leben, Drogen zu verkaufen."

Resistent gegen Repression

Die Marktanteile unter den Drogenhändlern mögen sich verschieben, etwas bleibt gleich: Auch bei verstärkter Dealer-Repression sind harte Drogen in ausreichender Menge und in gleichbleibender Qualität erhältlich.

Das zeigte eine Studie des Schweizerischen Nationalfonds (SNF), deren Schlussbericht im letzten Jahr unter dem Titel "Illegale Märkte für Heroin und Kokain" veröffentlicht wurde. Die Autorinnen kommen zum Schluss, dass die kostenintensive Verschärfung der Repression gegen Zwischen- und Grosshändler von Drogen keineswegs die beabsichtigten Konsequenzen haben muss, den Drogenmarkt unter Kontrolle zu bringen.

Damit dürften auch die 22 Kilogramm Heroin, welche die Berner Stadtpolizei sicherstellte, keinen Engpass auf dem Drogenmarkt herbeiführen.

swissinfo

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