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Gletscher in der Defensive

Die Schweizer Gletscher haben sich auch im 2001 weiter zurückgezogen. 62 von 73 Gletschern gingen zurück. Fünf stiessen weiter vor; sechs blieben unverändert.

Dieser Inhalt wurde am 30. Dezember 2001 - 11:37 publiziert

Wie Andreas Bauder, Glaziologe an der ETH Zürich und verantwortlich für das Gletschermessnetz, in der Samstagausgabe der "Neuen Zürcher Zeitung" schreibt, haben die Schweizer Gletscher in der Mehrzahl auch in der Messperiode 2000/2001 an Länge eingebüsst.

Die Maximalwerte zeigen einen Vorstoss von 103 Metern am Surettagletscher im Bündnerland sowie einen Rückzug von rund 250 Metern am Triftgletscher im Berner Oberland.

Alle fünf Gletscher mit weiter vorgerückten Zungen befinden sich im Kanton Graubünden. Der spektakuläre Zuwachs von über hundert Metern am Suretta-Gletscher ist gemäss Bauder allerdings kein eigentliches Vorrücken der Zunge. Vielmehr sei seit mehreren Jahren Altschnee an der Zunge liegen geblieben und inzwischen verfirnt.

Der Triftgletscher und seine Zunge

Beim Gletscher oberhalb des Gadmertals im Gebiet der Pässe Susten und Grimsel stellten die Glaziologen eine kritische Situation fest. Hier bestätigten sich langsam die Befürchtungen eines kollapsartigen Schwunds, schreibt Bauder.

Die Zunge, die über eine Steilstufe auf rund 1600 Meter über Meer vergleichsweise tief hinunterreicht, liegt seit zwei Jahren in einem See, der das Zurückschmelzen zusätzlich beschleunigt. Die Zunge habe dabei auch sehr viel an Masse verloren, und der Kontakt zum Felsriegel sei abgerissen. In der Mitte habe sich zudem ein grosser Einsturztrichter gebildet.

Diese Situation könnte nach Darstellung des Experten ein Aufschwimmen und Auseinanderbrechen weiter Teile der Zunge bereits im kommenden Sommer zur Folge haben. Bauder verwies auf ein beträchtliches Gefahrenpotenzial für Hochwasser und Murgänge.

Beim Triftgletscher bestehe vor allem die Gefahr, dass losgebrochene, grössere Eisberge den Ausfluss des Sees durch die enge Schlucht versperrten. Breche der Eisdamm, könne es zu einer gefährlichen Flutwelle kommen.

Viel Schnee - die Gletscher wachsen

Bei den jährlich jeweils im Herbst von der Glaziologischen Kommission der Schweizerischen Akademie für Naturwissenschaften erhobenen Daten wird neben der Gletscherlänge auch der so genannte Massenhaushalt an drei Gletschern untersucht, das heisst die Bilanz zwischen Schneezuwachs und Eisabtrag.

Hier zeigen die jüngsten Messungen laut Bauder, dass der Gletscher Basodino im Tessin deutlich an Masse zulegte und der Griesgletscher im Nufenengebiet eine ausgeglichene Bilanz aufwies. Dies sei auf die grossen Schneemengen des vergangenen Winters am Alpensüdhang zurückzuführen. In den vergangenen Jahren hatten beide Gletscher jeweils deutlich an Masse eingebüsst.

Auch beim Silvrettagletscher auf der Alpennordseite im hinteren Prättigau ergab sich aber wie schon in den letzten Jahren eine positive Bilanz. Der Glaziologe führt den Massenzuwachs dieses Gletschers auf die längeren Schlechtwetterphasen im Sommer und den relativ frühen Wintereinbruch in diesem Herbst zurück.

swissinfo und Agenturen

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