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G-8-Demos: Weniger Krawalle als befürchtet

Der G-8 friedlich den Marsch blasen, lautete seine Devise. Keystone

Die Grossdemonstration in Genf zum Auftakt des G-8-Gipfels in Evian ist weitgehend friedlich verlaufen. Die Teilnehmerzahl blieb deutlich unter den Erwartungen.

Dieser Inhalt wurde am 01. Juni 2003 - 17:26 publiziert

Einzelne Auseinandersetzungen zwischen Polizei und radikalen Demonstranten zogen sich über den ganzen Tag hin.

Auf den Transparenten der Demonstrierenden heisst es unter anderem "Krieg gegen den G 8", "Widerstand gegen den Kapitalismus", "Ende der Besatzung des Iraks" oder "G8: Unsere Welt ist nicht zu verkaufen".

30 Amnesty-Mitglieder aus Frankreich beobachteten den Demonstrationszug in der Schweiz, während 30 Schweizer Amnesty-Vertreter den Zug in Frankreich beobachten. Amnesty gibt zurzeit keine Auskunft. Die Organisation sammelt ihre Beobachtungen und wird darüber an einer Pressekonferenz am Montag informieren.

In Genf wurde am Nachmittag die Polizeipräsenz verstärkt. Alle verfügbaren Polizeikräfte wurden aufgeboten, wie die Genfer Polizeidirektorin Micheline Spoerri im Westschweizer Radio bekannt gab.

Auch ein Teil der zum Schutzes des Flughafens in Genf-Cointrin stationierten deutschen Polizeibeamten werde abgezogen, um im Stadtzentrum von Genf die Kollegen aus der Schweiz zu unterstützen.

Sturz von Autobahnbrücke

Bei einem Zwischenfall auf der Autobahn zwischen Lausanne und Genf wurde ein Demonstrant verletzt. Der Verletzte wurde mit dem Helikopter ins Spital gebracht.

Zwei Personen hatten sich von der Autobahnbrücke abgeseilt. Die Polizei intervenierte. Einer der beiden Globalisierungskritiker stürzte dabei in die Tiefe. Der genaue Unfallhergang ist Gegenstand einer Untersuchung.

Wie die Sicherheitskräfte weiter sagten, wurden in Lausanne acht bis zwölf Demonstranten sowie ein Berner Polizist verletzt. Keine dieser Verletzungen sei lebensgefährlich.

Räumung des Lausanner Camps

Im Camp der Globalisierungsgegner in Lausanne begann die Polizei unter den Augen von neutralen Beobachtern damit, sämtliche Campbewohnerinnen und -bewohner zur Aufnahme der Personalien abzutransportieren. Die Polizei vermutet, dass sich unter den 300 bis 400 Bewohnern die Urheber der gewalttätigen Ausschreibungen vom Sonntagmorgen befinden.

Die Camp-Bewohnerinnen und -Bewohner skandieren dazu lautstark Widerstands-Parolen.

Das Waadtländer Anti-G8 Komitee will das Verbot der ursprünglich für 16 Uhr geplanten Demo in Lausanne nicht akzeptieren. Um 16 Uhr wollen die Organisatoren auf der Place de Milan eine Vollversammlung abhalten.

Breit abgestützte Organisation

Organisatorin des Gross-Anlasses in Genf war das "Forum Social Lémanique (FSL)". Das Forum besteht aus verschiedenen Nichtregierungs-Organisationen und soziale Bewegungen aus der Westschweizer Genfersee-Region.

So gehören etwa die Westschweizer Attac-Sektionen oder die Gewerkschaft comedia zur Gruppierung. Das FSL kämpft für soziale Alternativen zum vorherrschenden neo-liberalen Wirtschaftssystem.

Das Motto des FSL lautet: "Eine andere Welt ist möglich". Daraus abgeleitet nennen sich die Anhänger des FSL auch "alter-mondialistes" und nicht (mehr) "anti-mondialistes".

Doppel-Demo

Dass Genf der Standort für die Gross-Demonstration werden würde, lag auf der Hand: Einerseits liegt hier der Hauptsitz einer der von den Globalisierungs-Gegnern am meisten kritisierten Institutionen: Die Welthandels-Organisation (WTO).

Und andererseits ermöglichte die Stadt durch die Nähe zu Frankreich die Durchführung einer Doppel-Demo: Von zwei Seiten bewegten sich die Demonstranten so auf einander zu, aus dem französischen Annemasse und aus Genf. Treffpunkt und Schmelzpunkt ist die Grenze.

In Annemasse findet parallel zum offiziellen Weltwirtschafts-Gipfel in Evian der "Gipfel für eine andere Welt statt". Zahlreiche kritische Diskussionsforen stehen auf dem Programm.

Zahlreiche Protestaktionen am Genfersee

Bereits in den vergangenen drei Tagen hatten vorwiegend junge Personen in den Städten Lausanne und Genf gegen den G-8-Gipfel protestiert.

Am Freitag war es dabei in Genf zu einzelnen Scharmützeln mit der Polizei gekommen, bei dem auch Tränengas zum Einsatz kam.

Eine Demonstration der etwas anderen Art fand am Samstagabend in Lausanne statt: Dort demonstrierten rund 20 Personen splitternackt und bemalt mit Anti-G-8-Parolen.

swissinfo, Elvira Wiegers und Agenturen

Fakten

Zwischen 20'000 und 100'000 Menschen nahmen beidseits der französisch-schweizerischen Grenze an der Anti-G-8-Demonstration in Genf teil.
Wenige hundert, offenbar gewaltbereite Demonstranten des schwarzes Blockes befanden sich am Ende des Zuges und lieferten sich Scharmützel mit der Polizei.
Nach den Krawallen in der Nacht auf Sonntag hat Lausanne die Demonstration am Nachmittag verboten.

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