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Fussball soll wieder Fussball sein

Kann irgend jemand die Oberherrschaft des FC Basel über die Super League brechen? Keystone

Nach einer von Finanzskandalen und Fan-Gewalt geprägten Schweizer Fussball-Saison soll es jetzt zu einer rein sportlichen neuen Meisterschaft kommen.

Dieser Inhalt wurde am 12. Juli 2005 - 23:01 publiziert

Vor dem Saison-Eröffnungsspiel am Mittwoch zwischen Neuchâtel Xamax und Young Boys hat sich swissinfo mit Liga-Direktor Edmond Isoz unterhalten.

Der Direktor der Swiss Football League (SFL) glaubt, dass die im Juni von 28 Club-Präsidenten gutgeheissenen neuen Massnahmen helfen, die finanzielle Gesundheit des Schweizer Spitzenfussballs besser zu überwachen.

Edmond Isoz hofft auch, dass das 32'000-plätzige Stade de Suisse, das neue Nationalstadion in Bern, den Schweizer Fussball zu neuen Höhenflügen antreiben wird.

swissinfo: Herr Isoz, die SFL hat letztes Jahr neue Sicherheitsmassnahmen eingeführt, um den Hooliganismus zu bekämpfen und die Sicherheit in den Stadien zu erhöhen. Dennoch ist es bei einigen Spielen zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Fans gekommen. Wieso ist die Lage nicht unter Kontrolle?

Edmond Isoz: Wenn Sie etwas Neues unternehmen, braucht es normalerweise etwas Zeit, bis die Massnahmen greifen; wir müssen uns ein bisschen gedulden bis wir sehen können, ob sie funktionieren oder nicht. Wenn wir andere Länder wie zum Beispiel England anschauen, dann hat es dort mehrere Jahre gebraucht bis, bis die Fan-Gewalt unter Kontrolle war.

Wir hoffen, dass es in der Schweiz schneller geht. In anderthalb Jahren sollten wir eine neue Gesetzgebung haben, die uns – zusammen mit den SFL-Massnahmen – erlauben wird, das Hooligan-Problem in den Griff zu kriegen.

swissinfo: Der Genfer Club Servette ging letzte Saison Bankrott, Neuchâtel Xamax geriet in finanzielle Schwierigkeiten und Grasshoppers Zürich musste Budgetkürzungen vornehmen. Wie sehr beunruhigt Sie die finanzielle Gesundheit des Schweizer Fussballs?

E.I.: Wir sind wirklich beunruhigt, das ist klar. Wir haben letzte Saison Servette verloren, vor zwei Jahren Lugano und Lausanne. Aber wir sind nicht allein: Viele kleine Länder in Europa sitzen im gleichen Boot wie wir. Wir brauchen alle mehr Geld, um gute Spieler zu holen für die Fans, das Fernsehen, die Sponsoren. Aber das ist ein sehr schwieriges Unterfangen.

Wir haben drei grosse Clubs verloren. Jetzt sehen die Leute ein, dass die Clubs vorsichtiger gemanagt werden müssen. Wir hoffen, dass wir in den nächsten Monaten keine Bankrotte mehr erleben, aber da kann man sich nie sicher sein.

swissinfo: Kann die SFL irgend etwas unternehmen, um die finanzielle Lage der Clubs zu verbessern?

E.I.: Wenn ein Club wie Servette Bankrott geht, dann müssen wir uns selber fragen, ob wir wirklich alles getan haben, um die richtigen Regeln zu erstellen.

In dieser Saison führen wir neue Massnahmen zur Überwachung der Club-Finanzen ein, wir wollen sicher gehen, dass die Clubs Löhne, Beiträge für Sozialversicherungen und Pensionskassen bezahlen. Wir werden jeden Monat kontrollieren, ob das getan wird.

Das Image des Fussballs hat gelitten, und wir sind wahrscheinlich teilweise auch dafür verantwortlich. Aber wir vom der SFL können die Verantwortlichen nicht bestimmen, die einen Fussball-Club führen.

swissinfo: Die durchschnittlichen Zuschauerzahlen in der Super League gehen zurück. Wie kann diese Entwicklung umgekehrt werden?

E.I.: Am Anfang der Super League hatten wir pro Spiel durchschnittlich zwischen 7000 und 9000 Zuschauer. Mit dem Bankrott von Servette haben wir dann einen grossen Club mit einem grossen Zuschauer-Anhang – sowohl in Heim- wie in Auswärtsspielen – verloren.

Das Problem ist, dass wir Clubs wie Servette und Lausanne verlieren, die durch Clubs wie Yverdon und Schaffhausen ersetzt werden, die eine viel kleinere Fan-Basis haben.

Es besteht das Risiko, dass wir in der neuen Saison einen weiteren Zuschauer-Rückgang erleben, den wir vielleicht mit dem neuen Stadion in Bern etwas überdecken können.

swissinfo: Vor fünf Jahren kam fast die Hälfte in der obersten Liga aus dem französischsprachigen Landesteil; heute sind es nur noch zwei. Bedeutet dies ein Mangel an Fussball-Interesse in der Westschweiz?

E.I.: Ich glaube, das kann man nicht sagen. Der französischsprachige Anteil der Schweiz macht 20 Prozent aus, und zwei von insgesamt zehn Clubs der Super League kommen aus der Westschweiz. Natürlich muss man ganz ehrlich sagen, dass Neuchâtel Xamax und Yverdon nicht die gleiche Aura haben wie Servette, Lausanne und Sion.

Wenn wir aber die wirtschaftliche Situation und die Grösse der Bevölkerung in der Westschweiz in Betracht ziehen, so glaube ich nicht, dass jemals mehr als zwei oder drei Teams aus der Westschweiz in der aus zehn Clubs bestehenden Super League mitmachen.

swissinfo: Schweizer Clubs hatten in Europa kaum etwas zu sagen, mit Ausnahme des imposanten Auftritts des FC Basel in der Champions League 2002/2003. Warum gibt es auf europäischer Ebene keine Fortschritte? Wird das weiterhin so bleiben?

E.I.: In der Schweiz haben wir das Problem – und dies gilt für fast alle kleinen Länder - , dass ein Weiterkommen in der Champions League schwierig ist für Clubs, die nicht gesetzt sind. Schauen Sie den FC Thun: Er muss in der Qualifikationsrunde gegen Dynamo Kiev spielen – eine extrem schwierige Aufgabe.

Die Leute vergessen, dass Basel in der Champions League vor zwei Jahren Liverpool eliminiert hat, ein Team, in dem damals mehrere Spieler vertreten waren, welche am 25. Mai den letzten Champions League-Final gegen AC Milan gewonnen haben. Wir konnten sehen, wie sich diese Spieler in den letzten zwei Jahren verbesserten, dank den Spielen in der englischen Premier League.

Für Basel sieht es aber anders aus: In der Schweizer Super League gibt es zu viele leichte Gegner, zu viele leichte Spiele. Basel ist es sich nicht gewohnt, regelmässig auf höchstem Niveau zu spielen, wo man jeden kleinsten Fehler postwendend bezahlen muss.

swissinfo-Interview: Adam Beaumont
(Übertragung aus dem Englischen: Jean-Michel Berthoud)

Fakten

Schweizer Meister FC Basel ist auch in der Saison 05/06 der meistgenannte Favorit.

Der FCB wurde letzte Saison Meister mit 10 Punkten Vorsprung auf Thun und 20 Punkten vor den drittplatzierten Grasshoppers Zürich.

Yverdon ist Super League-Neuling. Der Club ist aus der Challenge League aufgestiegen.

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In Kürze

Die letzte Schweizer Fussball-Saison war dominiert von Finanzskandalen und gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Hooligans.

Die Swiss Football League (SFL) erhofft sich dank eines Massnahmenpakets zur Überwachung der Finanzlage der Clubs sowie zur Bekämpfung des Fan-Gewalt eine neue, rein sportlich geprägte Miesterschaft.

Vor dem Saison-Eröffnungsspiel am Mittwoch zwischen Neuchâtel Xamax und Young Boys hat sich swissinfo mit SFL-Leiter Edmond Isoz unterhalten.

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