Navigation

Fussball-EM sucht den Mister Euro 2008

Unter Druck: SFV-Präsident Ralph Zloczower. 2008 bid website

Die Schweiz macht zur Zeit nicht nur auf der politischen Bühne einen zerstritten Eindruck. Auch punkto Fussball-EM sieht es nicht besser aus.

Dieser Inhalt wurde am 11. Oktober 2004 - 08:44 publiziert

Die UEFA schreibt SFV-Präsident Ralph Zloczower einen geharnischten Brief und laut Sonntagspresse soll Alt-Bundesrat Adolf Ogi Mister Euro 2008 werden.

"In Kleinstaaten wie der Schweiz, die einen zweitklassigen Fussball spielen, sollten keine Europa- oder Weltmeisterschaften zugelassen sein. Die automatische Teilnahme solcher Nationen langweilt nur die Zuschauer", findet Leserbriefschreiber H.F. aus Fisibach im Kanton Aargau in der "SonntagsZeitung".

Spontane Diskussion

Es sei eine spontane Diskussion entstanden, schreibt die Zeitung. In Bern habe sich die Parlamentsgruppe Sport während der Herbstsession mit dem Thema befasst.

Der FDP-Nationalrat und Präsident des Schweizer Skiverbandes Swiss-Ski, Duri Bezzola, habe im Beisein leitender Funktionäre von Swiss Olympics, der Swiss Football League und dem Bundesamt des Sportes gefragt: "Wie steht es um die Vorbereitungen der Fussball-Europameisterschaft?"

Gemäss Recherchen der "SonntagsZeitung" sei harte Kritik am Verhalten des Schweizerischen Fussballverbandes (SFV) laut geworden. Die Lage sei als "desolat" bezeichnet worden.

Reizthema Sicherheit

Die Politiker haben laut Zeitung gefordert, dass sie im Hinblick auf die EM 2008 in der Schweiz und Österreich mitreden können. Nicht zuletzt brennt den Parlamentarierinnen und Parlamentarier die Sicherheitsfrage unter den Nägeln. Die Kosten dafür müssen nämlich die Steuerzahler berappen.

Die Sicherheitskosten bei der Fussball-EM 2008 werden zum Reizthema: Der Schweizerische Fussball Verband und die Behörden sind sich nicht darüber einig, wer die nötigen Kosten in Millionenhöhe bezahlen soll.

Der Direktor des Bundesamts für Sport, Heinz Keller, will mit dem SFV und auch der UEFA verhandeln. Diese wird zusammen mit dem SFV und dem Österreichischen Fussballverband eine AG zur Durchführung der EM-Spiele gründen.

Keller geht davon aus, dass die bisher bewilligten 10,5 Mio. Franken (3,5 Millionen vom Bund und 7 Mio. Franken von den Kantonen) nicht ausreichen werden. Die EM-Sicherheit kostet laut Experten mit Sicherheit rund 20 Mio. Franken oder mehr.

Die Veranstalter der vorletzten Euro 2000 in Holland und Belgien gehen gar von bis zu 60 Mio. Franken aus.

SFV-Präsident unter Druck

Für den Walliser CVP-Nationalrat und -Fraktionschef Jean-Michel Cina ist die EM "mehr als ein Fussballturnier", wie er der "SonntagsZeitung" gegenüber sagte.

Für ihn sei die Führung der EM "nicht wahrnehmbar". Einmal mehr wird hier die Verbandsspitze rund um den angeschlagenen SFV-Präsidenten Ralph Zloczower angegriffen.

Die SP-Politikerin Pascale Bruderer fordert vom SFV "schnelle Reformen". Andernfalls könne sie das alles als Sportpolitikerin nicht mehr verantworten.

In der Politik geniesst der seit der "Spuck-Affäre" rund um den Schweizer Stürmer Alex Frei - während der EM in Portugal - schwer angeschlagene SFV-Präsident Ralph Zloczower sehr wenig Kredit.

SVP-Chef Ueli Maurer sagt, was viele nur flüstern: "Mit Zloczower geht es nicht."

Eine Integrationsfigur

Man werde nun die Aussprache mit dem SFV suchen und hoffe, das sich der Verband für kritische Leute öffne, sagen alle unisono. Man veranstalte 2008 doch kein "Grümpelturnier".

Deshalb fordern etliche Politiker ein echtes Führungsgremium mit einer glaubwürdigen Person an der Spitze. "Eine Integrationsfigur wäre gut für die Euro", sagt auch SP-Nationalrätin Hildegard Fässler.

Diese Figur gibt es in der Schweiz. Alle denken an Alt-Bundesrat und UNO-Botschafter des Sportes, Adolf Ogi. "Der könnte das", so der Tenor.

Ogi selber äusserte sich noch nicht, denn noch heisst der Präsident des Schweizerischen Fussballverbandes Ralph Zloczower.

Der meldete sich in einem Interview in der "SonntagsZeitung" zu Wort und fand: "Ich bin voller Optimismus, nein, ich bin voller Elan."

Der "private" UEFA-Brief

Nicht der Fussballverband habe die Sicherheitskosten ermittelt, sagt Zloczower, sondern die Behörden hätte dies getan.

Dass in Zürich, entgegen der Versprechungen, vermutlich nicht gespielt werden kann, da ein Stadionneubau wegen Einsprachen nicht mehr rechtzeitig fertig gestellt werden kann, kontert der SVF-Präsident mit dem Hinweis, UEFA-Präsident Lennart Johansson habe nur sieben statt acht Stadien in Aussicht gestellt.

Doch genau dieser Lennart Johansson hat dem SFV kürzlich einen Brief zukommen lassen. Darin stellte die UEFA der Schweiz ein Ultimatum und drohte gar, der Schweiz das EM-Turnier wegzunehmen.

In diesem "privaten" Brief, der durch eine Indiskretion an die Öffentlichkeit gelangt ist, äussern sich UEFA-Präsident Lennart Johansson und UEFA-Generalsekretär Lars-Christer Olsson "sehr enttäuscht" darüber, dass das neue Hardturm-Stadion in Zürich für die Euro 2008 nicht zur Verfügung steht und bis heute keine andere Lösung präsentiert worden sei.

SFV-Präsident Zloczower zu diesem Schreiben: "Ich rege mich nicht auf, aber wir müssen dieses Schreiben ernst nehmen." Aussergewöhnlich sei der Ton des Briefes gewesen, "doch war er ja auch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt."

Druck der Sponsoren

Der Druck auf den SFV wird in den kommenden Wochen weiter ansteigen. Da ist die Diskussion um die Sicherheitsfrage. Da ist der Spielort Zürich, immerhin die Finanz- und Wirtschaftsmetropole der Schweiz, welcher der UEFA nicht zur Verfügung stehen wird.

Der Druck wächst aber auch von Seiten der Sponsoren, schreibt die "SonntagsZeitung".

Laut Insidern läuft in knapp zwei Wochen die Frist ab, welche die Grossbank Credit Suisse und andere dem SFV gegeben haben, um sein Glaubwürdigkeits-Problem zu lösen.

swissinfo, Urs Maurer

In Kürze

Die Schweiz wird 2008 zusammen mit Österreich die Fussball-EM ausrichten.
In der Schweiz sollte in Bern, Basel, Genf und Zürich gespielt werden.
In Genf und Basel sind neue Stadien bereits gebaut.
In Bern steht das neue Fussball-Stadion vor der Vollendung.
In Zürich kann das Hardturm-Stadion – wegen Einsprachen – nicht rechtzeitig fertiggestellt werden.

End of insertion

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

Mehr: JTI-Zertifizierung von SWI swissinfo.ch

Diskutieren Sie mit!

Diesen Artikel teilen

Passwort ändern

Soll das Profil wirklich gelöscht werden?