Navigation

Für ein Jahr die Schweiz beschnuppern

Austauscherin Gabriela Bustos aus Bolivien (links) mit Cécile Druey vom ICYE. swissinfo.ch

Jugendliche aus aller Welt kommen jedes Jahr in die Schweiz und arbeiten hier 6 - 12 Monate. Dies dank dem "Internationalen Jugend- und Kulturaustausch".

Dieser Inhalt wurde am 05. September 2002 - 16:51 publiziert

Das jeweilige Heimatland nimmt für dieselbe Zeitperiode einen Jugendlichen aus der Schweiz auf.

Dieses Jahr hat das Schweizer Komitee vom "Internationalen Jugend- und Kulturaustausch" (ICYE) für 31 Jugendliche aus der ganzen Welt - unter anderem aus Costa Rica, Kenya, Ghana, Moçambique, Marokko, Japan, Taiwan und Nepal - ein Austauschjahr in der Schweiz organisiert.

Für die Austauscher gibt es Arbeitsplätze in verschiedenen, hauptsächlich aber in sozialen oder kulturellen Bereichen und auch in der Landwirtschaft. Sie arbeiten nicht als Vollangestellte, sondern als Volontäre, wie Cécile Druey von der Geschäfts- und Sekretariatsleitung ICYE Schweiz gegenüber swissinfo sagt.

Aber auch in Büros gibt es Arbeitsmöglichkeiten. Das ICYE-Sekretariat in Bern beschäftigt selber eine Austauscherin. Zudem beschäftigen auch Lokalradios Leute, wie Radio Lora in Zürich oder Radio Tropic.

Als Beispiel eines Arbeitsplatzes in der Landwirtschaft nennt Druey einen Bio-Bauernhof in Lanzenhäusern, im Sozialbereich das Familienzentrum Gundeli in Basel oder auch Kinderhorte, Kinder- und Behindertenheime, im Kulturbereich das Theater Tuchlaube in Aarau oder das Schlachthaus Theater in Bern.

Voller Erwartungen

Im Berner Schlachthaus Theater arbeitet zurzeit die 20-jährige Musiklehrerin Gabriela Bustos aus Bolivien. Wohnen tut Gabriela Bustos bei einer Gastfamilie in Ittigen bei Bern.

Vor dem Antritt ihres Volontariates lernte Gabriela Bustos in einem Einführungs-Lager die deutsche Sprache und die Schweiz langsam kennen. Ihre bisherigen Eindrücke fasst Gabriela Bustos gegenüber swissinfo so zusammen: "Die Leute sind schön", lacht sie, "die Leute sind sehr herzlich".

Die junge Bolivianerin möchte hier in der Schweiz unsere Kultur kennen lernen und vor allem schnell Deutsch lernen. Ihre Tätigkeit im Schlachthaus Theater umfasst vor allem technische Arbeiten. Gabriela Bustos freut sich vor allem auf ihre Arbeit an der Theater-Bar, denn dort trifft sie viele Leute aus der Kulturszene.

Gabriela möchte auch Schweizer Dialekt lernen. Der Grund: Sie liebt den Umgang mit Kindern, "aber diese sprechen Schweizerdeutsch, und ich verstehe nicht, was sie sagen".

Die Musiklehrerin aus Bolivien möchte in ein paar Jahren wieder mal die Schweiz besuchen, um zu sehen, wie sich Theater und Kultur in der Schweiz entwickelt haben.

Alle können kommen

Das Austauschjahr beginnt jeweils Ende Juli, in der Regel mit einem Sprachkurs. Der anschliessende Arbeitseinsatz verlange keine speziellen beruflichen Voraussetzungen, sagt Cécile Druey vom ICYE.

"Die Idee ist eben, dass eigentlich alle kommen können und dürfen. Wir wollen offen sein für alle sozialen Schichten und alle verschiedenen Kulturen." Den Leuten soll die Möglichkeit gegeben werden, eine andere Kultur kennenzulernen, unabhängig von ihrem Hintergrund.

Natürlich würden gewisse soziale Kompetenzen erwartet. "Das heisst, die Austauscher müssen bereit sein, sich auf Neues einzulassen, sie müssen lernfähig sein, die Sprache lernen wollen." Aber das sei eher eine Frage des Willens und der persönlichen Kompetenzen als eine der schulischen Ausbildung, sagt Druey.

Auch Betreuung ehrenamtlich

Nicht nur die Austauscher arbeiten ehrenamtlich, also ohne Lohn, sondern auch ihre Betreuerinnen. "Die freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter suchen und finden auch etwas, das man halt nicht unbedingt mit Geld kaufen kann", sagt Cécile Druey. Fast alle sind ehemalige Schweizer Austauscherinnen, die ihre kulturellen und sozialen Erfahrungen im Ausland nun auf diese Weise hier gewissermassen "umsetzen".

Je nach Alter und Programm wohnt man während des Austauschjahres in einer Gastfamilie oder am Arbeitsplatz. Aber auch der Kontakt zu den anderen Austauschern bilde einen wichtigen Teil des Programms. Deshalb werden - vom ICYE-Komitee und/oder von den Austauschern selbst - Lager und Treffen organisiert.

Im letzten Monat des Aufenthaltes besteht sogar die Möglichkeit, auf eigene Faust in der Schweiz herumzureisen.

Zufriedener Arbeitgeber

Urs Rietmann von der künstlerisch-administrativen Leitung des Berner Schlachthaus-Theaters macht schon seit vier Jahren als Arbeitgeber bei den ICYE-Programmen mit. Anlass dafür sei eine Anfrage eines Theaters in Aarau gewesen, das eine geplante Stelle nicht mehr anbieten konnte. Die Kollegen in Aarau hätten ICYE das Schlachthaus Theater als "Ersatz" empfohlen.

"Seither ist jedes Jahr ein neuer Mensch aus der neuen, aus der alten, welcher Welt auch immer bei uns zu Gast", sagt Rietmann gegenüber swissinfo.

Die Erfahrungen mit den jungen Leuten seien sehr unterschiedlich, aber in erster Linie ausgesprochen gut. "Es kommen sehr interessierte Menschen aus anderen Kulturen, was sich mit unseren Vorstellungen und Ideen reibt." Das sei befruchtend und erfreulich, "weil Fragen auftauchen, Meinungen geäussert werden, Haltungen, die uns im Alltag ein bisschen stören. Das tut einem Kulturbetrieb sehr gut", so Rietmann.

Die Betreuung der ICYE-Jugendlichen sei zwar zeitaufwändig, dafür aber "menschlich spannend", sagt Urs Rietmann und fügt bei: "Auch kulinarisch ist es spannend: Im letzten Jahr hatten wir ein Mädchen aus Taiwan da, und die hat hervorragend Sushi gekocht."

Jean-Michel Berthoud

Fakten

ICYE 1949 gegründet
ICYE Schweiz 1967 gegründet
ICYE-Komitees in 35 Ländern
Mehr als 25'000 Jugendliche haben bis heute ein ICYE-Auslandjahr verbracht
ICYE Schweiz sendet jährlich ca. 30 bis 40 junge Schweizerinnen und Schweizer im Alter von 18 bis 30 Jahren in einen Ausland-Einsatz; ebenso viele Ausländer reisen Ende Juli in die Schweiz

End of insertion

In Kürze

31 Jugendliche aus Afrika, Asien und Lateinamerika haben eine einjährige, ehrenamtliche Arbeitsstelle in der Schweiz angetreten. Dies im Rahmen eines Austausch-Programms, das jedes Jahr vom "Internationalen Jugend- und Kulturaustausch" (ICYE) organisiert wird.

Im Gegenzug nimmt das jeweilige Heimatland der ausländischen Austauscher für dieselbe Zeitperiode einen Jugendlichen aus der Schweiz auf. Die jungen Menschen wohnen sowohl hier wie im Ausland bei Gastfamilien oder am Arbeitsplatz.

Der Arbeitseinsatz liegt meist im sozialen und kulturellen Bereich. Ziel des ICYE-Programms ist es, den interkulturellen Lernprozess zwischen Jugendlichen, Gastfamilie, Arbeitsplatz, ICYE-Mitarbeitern und weiteren Beteiligten zu fördern.

End of insertion

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

Mehr: JTI-Zertifizierung von SWI swissinfo.ch

Diskutieren Sie mit!

Diesen Artikel teilen

Passwort ändern

Soll das Profil wirklich gelöscht werden?