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Fünfte Schweiz: Konkrete Sorgen statt Heimweh

Landsleute im Ausland leiden unter dem Klischee des Finanzplatzes. (ASO) swissinfo.ch

Am Auslandschweizer-Kongress in Crans Montana machte man sich Sorgen um die Vertretung der Fünften Schweiz im Parlament, um die Krise der öffentlichen Hand und um die Argentinien-Schweizer.

Dieser Inhalt wurde am 31. August 2003 - 10:17 publiziert

Sorgen machte sich auch Ehrengast Pascal Couchepin: Das Image der Schweiz verschlechtere sich vor allem bei den Jungen.

"Der jährliche Kongress der Auslandschweizer-Organisation (ASO) gibt die Möglichkeit, auf konkrete Sorgen einzugehen, aber auch Themen offen und kritisch zu debattieren", sagte Bundespräsident Pascal Couchepin vor den zahlreichen Delegierten des Auslandschweizer-Rats (ASR) und Gästen.

Der viel reisende Bundespräsident hatte selber feststellen müssen, wie sich das Bild der Schweiz im Ausland ins Negative verändert: "Besonders bei den unter 50-Jährigen und in Europa wird es verschwommen und unklar." Couchepin wies vor den Auslandschweizerinnen und Auslandschweizern auch auf die schwierigen Entwicklungen im schweizerischen Sozialsystem und in der Vorsorge hin.

Andere Optik beim Finanzplatz

Das Kongressthema drehte sich mit Vorträgen und Podiumsgesprächen um den Finanzplatz Schweiz. Auslandschweizer haben eine andere Optik als in der Schweiz Lebende, wenn es um den Finanzplatz Schweiz geht. ASR-Vizepräsident Jacques-Simon Eggly fasste die Aussensicht zusammen.

"In der öffentlichen Meinung der Schweiz wird das Thema Finanzplatz meist automatisch kritisch hinterfragt", so der liberale Genfer Nationalrat. "In anderen Ländern hingegen, die auch Finanzplätze haben, die mit dem in der Schweiz in Konkurrenz stehen, hat die öffentliche Meinung damit kaum Probleme."

Effektive Vertretung von 600'000 Schweizern

Am ASO-Kongress treffen sich die Repräsentanten der Auslandschweiz mit jenen Landsleuten im Inland, die sich "zuhause" für sie einsetzen. Die zur Sprache kommenden Themen spiegeln die Anliegen der über 600'000 Auslandschweizer, von denen sich über 80'000 auch als Stimmberechtigte eingetragen haben.

Während in guten Zeiten ein diffuses Heimweh aus der Ferne zu reden gab, sind es nun die konkreten Auswirkungen der laufenden Krise: die Krise der öffentlichen Haushalte in der Schweiz, die Existenzkrise vieler der 15'000 Argentinien-Schweizer, das Reizthema (Doppel-)Bürgerschaft, Personenfreizügigkeit, die EU und die Bilateralen Verträge und Verhandlungen, die Parlamentswahlen im Oktober sowie schliesslich das sich verschlechternde Image der Schweiz als isolationistischer Kleinstaat.

Die Delegierten der Schweizer Vereine versuchen dabei, zusammen mit dem Auslandschweizer-Rat (ASR), als ein "Parlament der Auslandschweizerinnen und -schweizer" zu wirken, und die Anliegen ihrer Landsleute, die im Ausland leben, im Inland möglichst effektiv zu vertreten.

Sensibel auf Landessprachen

Der ASR hat deshalb auf die Sparvorschläge des Bundesrates zur Entlastung des Bundeshaushalts ab 2004 schriftlich reagiert und dreierlei verlangt: Nachhaltende Unterstützung von "Präsenz Schweiz", Fortführen des finanziellen Engagements des Bundes zugunsten der Auslandpräsenz der SRG SSR idée suisse in Form der Angebote von swissinfo/SRI und existenzsichernde Unterstützung der Schweizerschulen im Ausland.

Rudolf Wyder, Direktor der Auslandschweizer-Organisation (ASO), wies beim Punkt swissinfo/SRI auf das Anliegen der ASO hin, besonders in den Landessprachen ein ausreichendes Informationsangebot zu erhalten. Die Auslandschweizer seien darauf angewiesen, da sie sonst aus Spargründen ihre endlich zugestandenen politischen Rechte nicht mehr optimal ausüben könnten.

Lieber Hacken statt Schnitzeln

ASO-Präsident Georg Stucky beklagte, dass den Auslandschweizern die "Begrenztheit der Ressourcen in der Schweiz, respektive die Krise der öffentlichen Haushalte" zu schaffen mache. Er sagte, man könne in dieser neuen Situation nicht wie bisher in allen Bereichen einfach einige Ausgabenprozente abzwacken: "Die Staatsaufgaben sind unter diesen Umständen grundsätzlich zu überdenken."

Mit Erleichterung teilte Stucky weiter mit, dass Aussenministerin Micheline Calmy-Rey, deren Departement die Auslandschweizer zugeordnet sind, sehr offen sei für die Anliegen der Fünften Schweiz: Sie unterstütze den Wunsch nach e-Voting der Auslandschweizer, die Publikation "Schweizer Revue" und den Erhalt des konsularischen Dienstes wie bisher. Auch teile sie die Sorgen um die Argentinien-Schweizer.

Wahlen, Wahlen, Wahlen

Wenige Wochen vor den Parlamentswahlen in der Schweiz findet der Wahlkampf auch in der Fünften Schweiz statt. Die politischen Parteien haben alle erkannt, dass es das Potenzial der über 80'000 Stimmberechtigen auszunutzen gilt.

In Crans stellten sich an einem Panel fünf Exponenten vor, die spezielle Verbindungen zur Auslandschweiz aufweisen: Der Freisinnige Sylvain Astier (Grossrat, Moutier, während 20 Jahren Auslandschweizer), der Gewerkschafter und Nationalrat Remo Gysin (Basel-Stadt), der in Südafrika lebende Geschäftsmann Rolf Schudel (SVP International, gebürtiger Baselbieter), die Nationalräte Jaques-Simon Eggly (Liberale Partei, Genf) und Remo Galli (CVP, Bern).

Alle fünf legten die Standpunkte ihrer Parteien dar. Sie beleuchteten die strittigen Fragen EU-Beitritt, Bilaterale, Asylpolitik und Sicherheit oder Einbürgerung jedoch auch aus der Sicht der Fünften Schweiz.

Politikerinnen und Politiker auch im Ausland

Dass Schweizer und Schweizerinnen nicht nur im eigenen Land Politik machen können, zeigen Beispiele aus Südamerika: Nicht nur Argentiniens gegenwärtiger Präsident Nestor Kirchner hat Schweizer Vorfahren, die in Crans anwesende Maria Eugenia Brizuela de Avila ist gar Doppelbürgerin - und Aussenministerin von El Salvador.

Sie besuchte den Auslandschweizer-Kongress im Anschluss an einen Besuch bei der Amtskollegin Micheline Calmy-Rey.

swissinfo, Alexander Künzle, Crans Montana

Fakten

Fünfte Schweiz:

2001 zählte man insgesamt 591'660 im Ausland niedergelassene Schweizerinnen und Schweizer.

Davon lebten 366'780 in Europa, 157'077 in Amerika (Nord und Süd) und 17'495 in Afrika.

Von den Schweizern im Ausland waren 177'006 Schweizer Bürger ohne weitere Nationalität, der Rest Doppelbürger.

Gut 80'000 Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer stimmen ab und wählen in der Schweiz.

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In Kürze

Die Auslandschweizer-Organisation (ASO) vertritt die Interessen der Auslandschweizer in der Schweiz. Sie informiert sie über das Geschehen in der Schweiz.

Die ASO wird von rund 750 Schweizer-Vereinen in aller Welt getragen.

Sie besteht seit 1916 und wird von den Behörden als Sprachrohr der Fünften Schweiz anerkannt.

Der Auslandschweizer-Rat (ASR) berät zweimal jährlich über wichtige Fragen der Auslandschweizer-Politik und nimmt zu aktuellen Themen Stellung.

Der Auslandschweizer-Dienst (ASD) ist Teil der Politischen Abteilung VI im Eidgenössischen Departement des Äusseren und berät den Bundesrat.

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