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Fairplay zwischen Mann und Frau im Erwerbsleben

Bundespräsident Pascal Couchepin flankiert von EBG-Direktorin Patricia Schulz (Mitte) und Studien-Verfasserin Silvia Strub (rechts). Keystone

Beruf und Familie lassen sich durchaus unter einen Hut bringen, wenn Mann und Frau im Unternehmen gleich gestellt sind und die Firmen ihre soziale Verantwortung wahrnehmen.

Dieser Inhalt wurde am 24. März 2003 - 18:17 publiziert

Eine wichtige Rolle spielt die Möglichkeit der Teilzeitarbeit - auch für Männer.

In der Schweiz sind vier von fünf Teilzeit erwerbstätigen Personen Frauen. Männer sind in der Regel nach wie vor voll erwerbstätig. Sechs von zehn erwerbstätigen Frauen haben eine Teilzeitstelle, bei den Männern nur jeder Achte.

Dies ist eines der Resultate der Studie "Teilzeitarbeit in der Schweiz", die das Büro für arbeits- und sozialpolitische Studien (BASS) im Auftrag des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Mann und Frau (EBG) durchgeführt hat. Die Studie stützt sich primär auf die Arbeitskräfte-Erhebung von 2001.

1,25 Millionen Teilzeitarbeitende

Das Ergebnis der Studie wurde am Montag in Bern den Medien vorgestellt. In der Schweiz waren im Jahr 2001 total 1,25 Mio. von 3,7 Mio. Erwerbstätigen teilzeitlich beschäftigt.

Gemäss der Studie finden nicht nur Frauen, sondern auch immer mehr Männer Teilzeitarbeit attraktiv. Jede dritte Vollzeit erwerbstätige Frau und jeder sechste Vollzeit erwerbstätige Mann würde lieber Teilzeit arbeiten. Konkret sind dies 290'000 Männer, darunter 120'000 Väter mit Kindern im Schulalter, und 190'000 Frauen.

Für viele Mütter sei es beinahe eine Selbstverständlichkeit, zu Gunsten von Familienpflichten die Erwerbsarbeit zu reduzieren, erklärt Marianne Geisser, stellvertretende EBG-Direktorin. Für Väter brauche es oft noch Überwindung und Mut, Teilzeit zu arbeiten. Der EBG-Leitfaden "Fairplay-at-work für Väter" soll sie hierbei unterstützen.

Auch für Unternehmen lohnend

Besonders gefordert sind dabei die Unternehmen. Sie könnten ihre soziale Verantwortung wahrnehmen, indem sie Arbeitsbedingungen schaffen, die es Vätern und Müttern erlauben würden, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen.

Die Männer und Frauen hätten auch ein privates Leben, sagte Bundespräsident Pascal Couchepin an der Medienkonferenz in Bern. "Sie haben eine Familie und Kinder, die Präsenz und Aufmerksamkeit verlangen", erklärte der Innenminister. Mit der Kampagne fordere der Bund die Unternehmen auf, Lösungen zu finden.

Einige Unternehmen haben nach Festellungen des EBG bereits familienfreundliche Massnahmen realisiert. Sie hätten dabei die Erfahrung gemacht, dass sich dieses Engagement lohne.

"Die Unternehmen erhalten motivierte, aber auch flexible Mitarbeitende. Zudem verzeichnen sie weniger familienbedingten Weggang von Frauen, beugen der einseitigen Kompetenz-Entwicklung von Männern vor und steigern die Innovationsfähigkeit des Unternehmens", so Marianne Geisser.

Unterschiede immer noch gross

Der grosse Unterschied zwischen Männern und Frauen in der Teilzeitarbeit lasse aber immer noch aufhorchen, sagt die stellvertretende EGB-Direktorin gegenüber swissinfo. "Bis heute ist Teilzeitarbeit immer noch vorwiegend Frauensache. Es ist dadurch auch sehr oft eine Sackgasse im Beruf."

Die Frauen arbeiteten Teilzeit, damit sie Beruf und Familie vereinbaren könnten. "Das ist eigentlich die Schlüsselposition, die wir knacken müssen, damit auch Männer Familienpflichten übernehmen", so Geisser.

Die Frauen seien heute bei Berufseintritt den Männern ausbildungsmässig ebenbürtig. "Aber wenn sie eine Familie planen, fallen sie langsam aber sicher aus dem Arbeitsmarkt."

Andere Strukturen

Es gehe darum, flexible Arbeitsstrukturen einzuführen, die auf die Bedürfnisse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingehen sollten. "Für die Schweiz heisst das sicher Reduktion der Arbeitszeit", sagt Geisser.

Es brauche auch vermehrt Krippenplätze, eine gezielte Weiterbildung für Personen, die Teilzeit arbeiten, damit sie nicht langsam aus den Betrieben "rauswachsen" würden. Zudem müsse auch auf Kaderebene die Teilzeitarbeit gefördert werden.

Die derzeitige missliche Wirtschaftslage begünstige solche Massnahmen, die alle Geld kosten, natürlich nicht unbedingt, sagt Marianne Geisser "Aber es ist nie der richtige Zeitpunkt." Sie glaubt indessen, dass gerade auch Krisenzeiten Flexibilität verlangen.

Und um heute im Wettbewerb bestehen zu können, brauchten die Unternehmen engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. "Es hilft keinem Betrieb weiter, wenn er Leute hat, welche die Leistung nicht mehr erbringen können, weil sie über viele Jahre 50 oder 60 Stunden in der Woche arbeiten", so Geisser zu swissinfo.

Die verschiedenen Handlungsfelder für Unternehmen hat das EBG in der Broschüre "Fairplay-at-work in Unternehmen" zusammengefasst.

Trend zu Teilzeitarbeit ungebrochen

Die Auswertungen des Bundesamtes für Statistik (BFS) für das vergangene Jahr hätten insgesamt eine weitere Zunahme der Teilzeit-Beschäftigungen bei den Frauen gezeigt, sagt Silvia Strub, Verfasserin der Studie "Teilzeitarbeit in der Schweiz". Bei den Männern sei hingegen eine leichte Abnahme registriert worden. Dies insbesondere bei den Erwerbstätigen im Alter von bis zu 24 Jahren und bei den über 55-Jährigen.

"Das sind wahrscheinlich viele Jobs, die je nach konjunktureller Lage gestrichen werden, zum Beispiel Aushilfsstellen für Studierende und Schüler oder Teilzeitstellen für Pensionierte", so Strub zu swissinfo.

Andererseits habe der Teilzeiterwerb bei den übrigen Männern zwischen 25 und 55 weiter zugenommen, trotz der schlechteren Wirtschaftslage. "Es gibt durchaus eine Chance, dass in dieser Situation vier Leute 300 Stellenprozente teilen", sagt Strub.

Allerdings müsse dazu das Bewusstsein vorhanden sein, dass Männer auch gute Arbeit leisteten, wenn sie nicht Vollzeit im Betrieb tätig sind. Die Führungskräfte müssten lernen, dass sie ihre Leute nicht immer 100 Prozent um sich haben. "Man kann die Arbeit auch aufteilen, organisieren, delegieren", so Strub.

swissinfo, Jean-Michel Berthoud

Fakten

2001: 1,25 Mio. von 3,7 Mio. Erwerbstätigen Teilzeit beschäftigt. Teilzeitquote: 33%

4 von 5 Teilzeit-Beschäftigten sind Frauen. Das entspricht rund 1 Mio. Teilzeit erwerbstätiger Frauen im Vergleich zu 250'000 Männern

Teilzeitquote Frauen: 60%; Teilzeitquote Männer: 12%

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In Kürze

"Teilzeitarbeit in der Schweiz": Eine Untersuchung mit Fokus auf der Geschlechter-Verteilung und der familiären Situation der Erwerbstätigen. Verfasserin: Silvia Strub (Büro BASS), herausgegeben vom Eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann (EBG). Die Studie erscheint auf deutsch, französisch und italienisch. Sie ist gratis erhältlich beim EBG.

Die Untersuchung stützt sich primär auf die Schweizerische Arbeitskräfte-Erhebung (SAKE) des Jahres 2001. Die SAKE ist eine seit 1991 jährlich im Auftrag des Bundesamtes für Statistik durchgeführte Befragung zur Erwerbsstruktur und über das Erwerbsverhalten der Schweizer Wohnbevölkerung. Im Jahr 2001 wurden dazu fast 19'000 Personen aus zufällig ausgewählten Haushalten per Telefon befragt.

Unter "Teilzeitarbeit" wird ein Erwerbspensum beziehungsweise ein Beschäftigungsgrad von weniger als 100 Prozent verstanden.

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