Navigation

Fair Play

Der Kampf gegen die Geldwäscherei geht auch über Spieltische. Keystone

Die neuen Schweizer Spielbanken sind nach Ansicht der Casino-Betreiber und der zuständigen Behörden sicher vor Geldwäscherei und anderen illegalen Aktivitäten.

Dieser Inhalt wurde am 10. Juli 2002 - 09:55 publiziert

Mit der Lizenz-Vergabe für sieben so genannte Grand Casinos waren Befürchtungen laut geworden, dass die Spielbanken für Geldwäscherei missbraucht werden könnten. Mit umfassenden Kontroll-Mechanismen hofft die Regierung aber sicher gestellt zu haben, dass die neuen Casinos legal und sauber operieren.

Das Casino Bern ist nach Luzern und Baden das dritte Grand Casino, das dieser Tage seine Tore öffnen konnte. Es erfüllt die strikten Richtlinien und sollte somit gewappnet sein gegen Vorwürfe der Geldwäscherei oder der Verbindungen mit dem organisierten Verbrechen.

Die genauen Bedingungen, denen die Grand Casinos genügen müssen, haben jahrelang zu reden gegeben. 1993 hatte das Stimmvolk der Einrichtung von Grand Casinos zugestimmt, die bis anhin in der Schweiz nicht operieren durften.

Saubere Investoren

Geld kann auf verschiedenen Ebenen gewaschen werden. Der potenziell wohl gefährlichste Ausgangspunkt ist, wenn eine Spielbank selber von kriminellen Interessen kontrolliert wird.

"Wenn man weiss, wer hinter einem Casino steht und woher das investierte Geld ursprünglich kam, kann man - so weit überhaupt möglich - sicherstellen, dass keine kriminellen Interessen die Spielbank direkt kontrollieren", sagt Yves Rossier von der Eidgenössischen Spielbanken-Kommission gegenüber swissinfo.

Die Regierung übertrug der Kommission die Verantwortung, alle Lizenz-Bewerber unter die Lupe zu nehmen. Dazu wurden die Aktionäre überprüft und eine Dokumentation erstellt mit allen Details zu Management-Teams, Verträgen und Zulieferern.

"Ein langer und langwieriger Prozess", umreisst Paul Herzfeld von Casinos Austria International im Gespräch mit swissinfo den Prozess. "Doch wir mussten die Vorgaben einhalten, wenn wir mit unseren Casinos erfolgreich sein wollten."

In der Schweiz hat Casinos Austria International 45 Mio. Franken in drei der neuen Grand Casinos investiert. In Bern hält das Unternehmen 15%, in Luzern sind es 45% und im Casino in St.Gallen, das Ende nächsten Jahres aufgeht, sind es 30%.

Wachsam bleiben

Doch mit der strikten Kontrolle vor der Lizenz-Vergabe ist es nicht getan. Die Behörden werden während der Laufzeit der Lizenz - 20 Jahre - wachsam bleiben, wie Rossier von der Spielbanken-Kommission unterstreicht.

Bei jedem Wechsel im Aktionariat werde es eine ähnliche Überprüfung geben wie bei der ursprünglichen Vergabe. "Wichtig ist nicht, wer der formelle Aktionär ist, sondern wer hinter ihm steht", sagt Rossier.

Und wenn die Antworten auf die Behördenfragen nicht klar genug ausfallen, könnte die Lizenz suspendiert oder gar entzogen werden.

Eine zusätzliche Sicherung wurde mit einer monatlichen Überprüfung der Casino-Einnahmen eingebaut. Damit werde es für die Casinos sehr schwierig, dreckiges Geld an den Kontrollen vorbei zu schleusen, gibt sich Rossier überzeugt.

Kunden-Kontrollen

Neben den Betreibern werden auch die Glücksspieler selber unter die Lupe genommen. Auch hier ist das Casino gefordert und muss eine Reihe Richtlinien einhalten, um sicherzustellen, dass die Gäste das Glücksspiel nicht zur Geldwäscherei missbrauchen.

Die Richtlinien zum Dokumentieren des Geldflusses seien sehr klar, erklärt Stefan Harra, Direktor des Casino Bern. "Man kann eigentlich soviel ausgeben, wie man will. Wer aber einen Betrag von mehr als 15'000 Franken Chips in Bargeld wechseln will, muss mit seiner Unterschrift bezeugen, dass das Geld ihm gehört."

Das Casino muss eine Kopie des Passes und der Transaktion aufbewahren. Wer sich weigert, die Unterschrift unter das Dokument zu setzen, kommt auf eine Liste und kann die Spielbank nicht mehr besuchen.

Man könne also im Casino keine Geldwäscherei betreiben, sagt Harra. "Denn wir werden keinen Schein ausstellen, der erklärt, jemand habe das Geld beim Spiel gewonnen."

Auch Yves Rossier von der Spielbanken-Kommission verweist darauf, dass die Kontrollen innerhalb der Casinos sicherstellten, dass ein Spieler kein "schmutziges Geld" in den Kreislauf bringe.

Die Spielbanken müssten nach dem Prinzip "Kenne Deinen Kunden" operieren. Dazu komme die Schwelle von 15'000 Franken; damit hinterlasse das Geld Spuren.

Ein Gesetz - mehrere Amtsstellen

Die Spielbanken-Kommission wacht darüber, dass die Casinos die Richtlinien einhalten. Wenn aber ein Casino einen Spieler illegaler Aktivitäten verdächtigt, muss die Meldestelle für Geldwäscherei avisiert werden.

Das Geld wird für fünf Tage gesperrt. In dieser Zeit muss die Geldwäscherei-Meldestelle, die zum Justiz- und Polizei-Departement gehört, Abklärungen durchführen und entscheiden, ob der Fall zu den Akten gelegt oder an die zuständige Strafverfolgungsbehörde überwiesen wird.

Ein ähnliches Muster kommt in der Schweiz auch in den andern Finanzsektoren zur Anwendung. Die Banken-Kommission, die Privatversicherungs-Kommission und die Geldwäscherei-Kontrollstelle haben alle Überwachungs-Aufgaben. Sie müssen sicherstellen, dass die ihnen zugeordneten Institutionen die Richtlinien einhalten.

Für Dina Balleyguier, die Chefin der Geldwäscherei-Kontrollstelle (zuständig für Vermögensverwalter, Wechselstuben und Trust Funds), ist die Aufteilung zwischen Aufsicht und Untersuchung wichtig. Sie sieht aber, dass die Aufteilung auf verschiedene Sektoren des Finanzmarktes von aussen her betrachtet verwirrend sein kann.

"Der Unterschied zwischen der MROS (Meldestelle für Geldwäscherei) und den andern Büros ist wichtig. Die MROS ist zuständig für effektive Untersuchungen, eine Arbeit, für die uns das Know-how fehlt."

Jonathan Summerton and Fabio Mariani
(Übertragung aus dem Englischen: Rita Emch)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

Mehr: JTI-Zertifizierung von SWI swissinfo.ch

Diskutieren Sie mit!

Diesen Artikel teilen

Passwort ändern

Soll das Profil wirklich gelöscht werden?