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EZB beginnt mit Ausstieg aus expansiver Geldpolitik (2. AF)

Dieser Inhalt wurde am 03. Dezember 2009 - 17:10 publiziert

FRANKFURT (awp international) - Die Europäische Zentralbank (EZB) beginnt mit dem Ausstieg aus ihrer krisenbedingt expansiven Geldpolitik. Speziell im mittel- und langfristigen Refinanzierungsgeschäft (Refi) mit den Kreditinstituten ergeben sich wichtige Änderungen, wie EZB-Chef Jean-Claude Trichet am Donnerstag in Frankfurt mitteilte. So wird der nächste Ein-Jahres-Tender Mitte Dezember nicht nur der letzte seiner Art sein, sondern zudem nicht mehr zum Leitzins durchgeführt werden. Darüber hinaus wird Ende März letztmalig ein Refi mit sechsmonatiger Laufzeit stattfinden.
Laut EZB wird der Zuteilungszins des letzten Ein-Jahres-Refi anhand eines Indexierunsgverfahrens ermittelt. Demnach berechnet sich der zu zahlende Zins nach einem Durchschnitt, der sich an den Sätzen der wöchentlichen Hauptrefis während der einjährigen Laufzeit errechnet. Die regulären, wöchentlich stattfindenden Hauptrefis sollen jedoch so lange wie nötig mit fixem Zins und unter Vollzuteilung durchgeführt werden.
Experten werteten die Beschlüsse des EZB-Rats als "Einstieg in den Ausstieg" aus der hohen Liquiditätsversorgung der Geschäftsbanken: "Das ist ganz klar der Ausstieg aus den aussergewöhnlichen Liquiditätsmassnahmen", sagte DekaBank-Experte Karsten Junius. Signale für den Leitzins sahen Experten indes keine. "Die EZB hält sich hier alle Optionen offen", sagte Commerzbank-Experte Michael Schubert. Im Allgemeinen rechnen Analysten mit ersten Zinserhöhungen im Euroraum frühestens ab Mitte 2010.
Auch EZB-Chef Trichet betonte mehrfach, mit den Entscheidungen zur Refinanzierung sei kein Signal für den Leitzins verbunden. Das Zinsniveau sei nach wie vor angemessen. Während die Entscheidung zum Leitzins, den die EZB abermals unverändert belassen hat, im EZB-Rat einstimmig getroffen worden sei, seien die Liquiditätsmassnahmen "im Konsens" nach eingehender Diskussion beschlossen worden.
Mit Blick auf die Konjunktur- und Preisentwicklung traf Trichet kaum neue Aussagen. Sowohl die Wachstums- als auch die Inflationsrisiken seien grösstenteils ausgeglichen, bekräftigte der EZB-Präsident. Allerdings erhöhte die Notenbank ihre Wachstumsprojektion für dieses und das kommende Jahr. Die Inflationsprognosen wurden nur leicht verändert.
An den Finanzmärkten zeigte vor allem der Euro deutliche Reaktionen auf die EZB-Beschlüsse. Nachdem er vor den Aussagen Trichets noch deutlich über 1,51 US-Dollar notiert hatte, sank er im Verlauf deutlich unter diese Marke. Auch die Aktien- und Rentenmärkte reagierten mit Kursabschlägen, die allerdings wesentlich moderater ausfielen./bf/jha/

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