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EURO-KRISE/EZB-Stark warnt erneut vor Kreditausfall Griechenlands

Dieser Inhalt wurde am 20. Juli 2011 - 15:33 publiziert

FRANKFURT (awp international) - EZB-Direktoriumsmitglied Jürgen Stark hat von der Politik erneut die Vermeidung eines teilweisen Kreditausfalls (Selective Default) im Fall Griechenland verlangt. "Unser Plan ist, dass die Regierungen sich an das halten, was sie beschlossen haben. Am 23./24. Juni - das ist noch nicht lange her - haben sie beschlossen, einen Selective Default zu vermeiden", sagte Stark in einem Gespräch mit der "Börsen-Zeitung" (Donnerstagsausgabe). "Wenn nun debattiert wird, diesen Beschluss zurückzunehmen, dann zeigt das die Halbwertszeit politischer Aussagen. Das ist politisches Jo-Jo." Die Regierungschefs werden an diesem Donnerstag über das zweite Hilfspaket für Griechenland beraten.
Die unklare Haltung der Politik sei auch verantwortlich für die Unsicherheiten an den Märkten. "Ich erwarte, dass die Staats- und Regierungschefs sich an das halten, was sie vor noch nicht einmal vier Wochen beschlossen haben. Stark erneuerte die Zweifel der EZB an der Sinnhaftigkeit einer Beteiligung privater Gläubiger an einem neuen Hilfspaket für Griechenland.
EFSF KÖNNTE ANLEIHEN KAUFEN
Rein technisch ist aber laut Stark eine Beteiligung des privaten Sektors möglich, ohne ein Kreditereignis zu verursachen. "Wenn zum Beispiel der Euro-Rettungsschirm EFSF am Sekundärmarkt griechische Staatsanleihen zum jetzigen niedrigen Marktpreis aufkauft, dann wird der Privatsektor implizit in die Lasten eingebunden, weil er nicht mehr den Nominalwert seiner Papiere zurückerhält."
"Solange die Investoren die Anleihen freiwillig verkaufen, die EFSF diese gegen Barmittel erwirbt und bis zur Endfälligkeit hält, sehe ich persönlich kein Risiko eines Kreditereignisses oder einer Bonitätszurückstufung auf 'Selective Default'", sagte Stark. Die EZB habe immer wieder gefordert, dass das Mandat des Rettungsmechanismuss EFSF ausgeweitet wird, so dass sie Staatsanleihen am Sekundärmarkt kaufen könne. Aber selbst bei diesem Vorgehen sieht Stark Gefahren: "Es ist nicht auszuschliessen, dass selbst ein solcher Weg von den Marktakteuren als Kreditereignis eingestuft wird."
Stark fordert in dem Interview zudem eine stärkere politische Integration in Europa. Er spricht sich für einen Stufenplan aus, an dessen Ende eine europäische Verfassung stehen könne./jsl/jkr

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