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Euro 08: Spiel der letzten Chance für die Schweiz

Links Eren Derdiyok. Rechts Hakan Yakin und Gökhan Inler. Keystone/EQ Images

Bereits in ihrem zweiten Match am Mittwoch in Basel gegen die Türkei geht es für die Schweizer Nationalmannschaft um alles oder nichts. Für drei Spieler mit türkischen Wurzeln wird es ein besonderes Spiel.

Dieser Inhalt wurde am 11. Juni 2008 - 08:05 publiziert

Die Schweiz braucht einen Sieg gegen die Türkei, um noch eine Chance auf die Qualifikation für die Viertelfinals der Euro 2008 zu haben. Doch auch die Türken sind nach dem 0:2 gegen Portugal in der gleichen Lage und werden vor ihrem Match gegen Tschechien voll auf Sieg spielen.

Der Match vom Mittwoch wird darum für beide Mannschaften bereits zum Spiel um alles oder nichts. Und es könnte heiss zu und her gehen: Wer erinnert sich nicht an die wüsten Szenen in Istanbul nach dem Barrage-Spiel für die Weltmeisterschaft 2006.

Die Bilder des türkischen Trainers Fatih Terim, der nach dem Spiel mit verrutschter Krawatte und schweissgebadet seine Spieler anfeuerte, die Schweizer Spieler handgreiflich anzupacken, gingen um die Welt. In der Zwischenzeit haben die beiden Länder wieder Frieden geschlossen.

Südländischer Fussball

Das Risiko ist angesichts der grossen Mediatisierung der Euro und dem entsprechenden Sicherheitsaufgebot der Organisatoren allerdings minim. "Ich hoffe, man wird sich einzig auf den Fussball konzentrieren", sagt der Schweizer Mittelfeldspieler Gelson Fernandes.

"Nach den eher taktischen und kühlen Tschechen kommen mit den Türken jetzt die Südländer", sagt der frühere Nationalspieler Umberto Barberis. "Die Türken stehen unter einem grossen Druck, denn in ihrem Land wird die Schweiz als kleines Fussball-Land angesehen, ein Gegner zum Wegfegen."

Der für swissinfo während der Euro 08 tätige Experte sieht die Türkei als "solide und offensiv. Doch ihre Resultate hängen stark vom Umfeld ab, vom Schiedsrichter über die Temperatur bis zur Atmosphäre im Stadion", so Barberis.

"Die Türken ziehen die Technik vor und lassen den Ball mit einer unglaublichen Geschwindigkeit zirkulieren."

Yves Débonnaire, "Spion" des Schweizerischen Fussballverbandes und Trainer der Nationalmannschaft unter 17 (U17) hat die Türken in ihren Qualifikationsspielen beobachtet. Er will sich nicht ins Notizheft blicken lassen.

Doch er gibt zu bedenken: "Der Trainer Fatih Terim ist dermassen unberechenbar, dass alles möglich ist. Klar ist, dass die Schweiz alles geben muss gegen diesen Gegner, um den Match gewinnen zu können."

Hakan, Gökhan, Eren

Für drei der Schweizer Spieler ist der Match gegen die Türkei speziell, weil sie türkische Wurzeln haben: Hakan Yakin, Gökhan Inler und Eren Derdiyok.

"Klar ist das für mich ein spezielles Spiel", sagt Derdiyok gegenüber swissinfo. "Die Türkei ist das Land meiner Eltern und ich spreche Türkisch." Der jüngste Spieler der Nati ist vorgesehen, an der Schweizer Sturmspitze den ausgefallenen Captain Alex Frei zu ersetzen.

"Auch wenn wir gegen die Türkei spielen, ist das ein Match wie alle anderen, welche die Schweiz gewinnen muss. Mit Hakan und Gökhan spreche ich oft darüber. Sie sind in der genau gleichen Situation wie ich", so Derdiyok.

"Mit meinen türkischen Wurzeln ist der Match natürlich schon eine spezielle Herausforderung für mich", sagte Gökhan Inler kürzlich bei einem Besuch von swissinfo bei seinem italienischen Klub Udinese.

"Ich kenne einige Spieler persönlich und ich brenne darauf, mich mit ihnen zu messen. Das wird ein bewegendes Abenteuer, doch ich werde diese Begegnung wie alle anderen auch angehen."

Hakan Yakin besucht jedes Jahr einmal seine früheren Kollegen vom Klub Galatasaray Istanbul, wie er kürzlich einem türkischen Fussballblatt anvertraute. Vor einigen Jahren spielte er dort für ein halbes Jahr - zwar ein kurzes Engagement, doch ein wichtiges in seiner Karriere.

"Sicher ist dies für Hakan, Eren und Gökhan ein spezielles Spiel", sagt der Schweizer Spielmacher Tranquillo Barnetta. "Doch das ist es für alle Spieler der Nationalmannschaft. Es scheint, dass bei jedem Match gegen die Türkei immer viel auf dem Spiel steht."

swissinfo, Mathias Froidevaux, Feusisberg
(Übertragen aus dem Französischen: Christian Raaflaub)

Was 2005 geschah

Die Schweiz und die Türkei mussten für die WM 2006 in Deutschland in Bern und Istanbul zwei Barrage-Spiele gegeneinander austragen. Beide Spiele im November 2005 waren von Problemen begleitet.

In Bern wurde die türkische Nationalhymne ausgepfiffen, in Istanbul waren die Schweizer nach ihrem Einzug in die WM-Endrunde von einigen Spielern und Funktionären angegriffen und bis in die Garderoben verfolgt worden.

Diverse Spieler beider Mannschaften sowie einige Offizielle wurden von der FIFA bestraft.

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Türkei: Euro und WM

Die Türkei war in der Qualifikation für die Euro 2008 hinter EM-Titelverteidiger Griechenland Gruppenzweite.

Wie die Schweiz bestritt die Türkei ihre erste Europameisterschaft 1996 in England. Nach vier Spielen war für beide Schluss. Die Türken allerdings waren bereits vier Jahre später in Belgien und Holland wieder dabei.

Sie schafften in der Gruppe mit Italien, Schweden und Belgien den Einzug in die Viertelfinals, wo sie gegen Portugal mit 0:2 ausschieden.

Die Türkei war an zwei WM-Endrunden dabei: 1954 in der Schweiz und 2002 in Japan und Südkorea, wo sie Dritte wurde.

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