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Euro 08: Die Henne soll noch mehr goldene Eier legen

An der Euro 08 werden bis zu 5,4 Mio. Zuschauer erwartet, darunter 14, Mio aus dem Ausland. Keystone

Die Fussball-EM könnte der Schweiz zwischen 640 und 860 Mio. Franken wirtschaftlichen Nutzen einbringen. Doppelt so viel wie bisher angenommen.

Dieser Inhalt wurde am 11. Mai 2007 - 11:55 publiziert

Gemäss einer Studie der Veranstalter und des Bundesamtes für Sport (BASPO) wird auch mit mehr Besuchern als vorgesehen gerechnet.

Der Fussball-Grossanlass im kommenden Jahr dürfte einen Nettoumsatz von bis zu 1,5 Milliarden Franken generieren, wie es in den Unterlagen des BASPO zu einer Medienkonferenz vom Freitag heisst.

Erwartet werden bis zu 5,4 Millionen Besucher, darunter bis zu 1,4 Millionen ausländische Gäste.

Die Studie beziffert die volkswirtschaftlich relevante Wertschöpfung auf 640 bis 860 Millionen Franken. Diese entspreche, bezogen auf ein Jahr, einem Beitrag an das Bruttoinlandprodukt von 0,14 bis 0,18 Prozent.

Wichtiges Public Viewing

Grund für die revidierten Erwartungen ist hauptsächlich das Public Viewing: Seit der Weltmeisterschaft in Deutschland von 2006 habe sich diese Form der öffentlichen TV-Übertragung etabliert, sie locke auch ausländische Gäste ohne Ticket an.

Laut der Studie wird vor allem die Tourismusbranche profitieren, primär Hotels und Restaurants. Mit mehr Einnahmen rechnen könnten aber auch das Baugewerbe, die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie sowie die Werbe- und Medienbranche.

Langfristig könne die Schweiz von dem Grossanlass unter anderem eine beachtliche internationale Image- und Werbewirkung erwarten. Die langfristigen volkswirtschaftlichen Auswirkungen seien jedoch schwierig nachzuweisen.

Vorsichtige und transparente Schweizer Studie

Gemäss einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung hat die Fussball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland der Wirtschaft des Landes keine spürbaren Impulse gegeben. Die Besucher liessen weniger Geld liegen als erwartet.

Aymo Brunetti, Chefökonom des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO), sieht keinen Widerspruch zwischen den eher optimistischen Zahlen für die Euro 08 und der negativen Bilanz der WM 06.

"Es ist ausserordentlich schwierig, die wirtschaftlichen Effekte vor einer derartigen Veranstaltung abzuschätzen", sagt Brunetti gegenüber swissinfo. Die BASPO-Studie sei sehr transparent und vorsichtig, und sie komme auch nicht zu einem gewaltigen wirtschaftlichen Effekt.

"In Prozenten des Bruttoinlandproduktes ausgedrückt sind das ein bisschen mehr als 0,1%. Das ist eine kaum spürbare makro-ökonomische Wirkung." Von da her gesehen seien die erwarteten Zahlen für die Euro 08 nicht übertrieben.

Laut Brunetti dürfte die Wirkung eher in gewissen Sektoren wie dem Tourismus spürbar sein. "Die wirklich weitgehenden Effekte erhofft man sich eigentlich mehr von Dingen, die man kaum messen kann, wie eben dem Image-Gewinn, den ein Land mit einem solchen Grossereignis haben kann. Dort, wo man Dinge messen kann, sind die Effekte in der Tat klein."

Kampagne gegen Frauenhandel und Zwangsprostitution

Die Projektorganisation Öffentliche Hand UEFA EURO 2008 (POÖH) hat entschieden, eine Kampagne gegen Frauenhandel und Zwangsprostitution im Rahmen der EURO 2008 finanziell zu unterstützen. Der Entscheid basiert auf einer eingehenden Analyse des Geschehens an der Fussball-WM 2006.

Die Anschubfinanzierung von 100'000 Franken für eine öffentliche Präventionskampagne in der Schweiz geht nach Prüfung der eingereichten Konzepte an den Verein "Kampagne Euro 08 gegen Frauenhandel und Zwangsprostitution".

Ziel der Kampagne ist es, im Rahmen der EURO 2008 eine breite Öffentlichkeit über die Thematik Frauenhandel und Zwangsprostitution zu informieren. Insbesondere sollen Männer für die Missstände sensibilisiert und gegen Frauenhandel und Zwangsprostitution gewonnen werden.

swissinfo und Agenturen

Fakten

Die Fussball-Europameisterschaft 2008 findet vom 7. bis 29. Juni in der Schweiz und in Österreich statt.
Von den 31 Spielen werden 15 in der Schweiz und 16 in Österreich durchgeführt (mit Final in Wien).
Insgesamt werden 1'050'000 Tickets ausgestellt. In der Schweiz werden bis zu 5,4 Mio. Zuschauer erwartet, darunter bis 1,4 Mio aus dem Ausland.
2500 Journalisten werden die Spiele kommentieren, die für einige Milliarden TV-Zuschauer in 170 Ländern übertragen werden.
Die Gesamtkosten werden auf 182,1 Mio. Franken geschätzt. Der Beitrag des Bundes beläuft sich auf 82,8 Mio.

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Dämpfer aus Deutschland

Die Fussball-Weltmeisterschaft 2006 hat der deutschen Wirtschaft wider Erwarten keine spürbaren Impulse gegeben. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung.

Gemäss der Studie lockte das Fussball-Fest zwar zahlreiche Besucher ins Land, doch diese hätten insgesamt allenfalls 500 Millionen Euro ausgegeben. Konjunkturell sei dies aber nicht spürbar gewesen.

Die Fussball-WM in Deutschland hat laut Studie weder den Privatkonsum noch die Umsätze des Einzelhandels angekurbelt. Das Ereignis habe aber viel gebracht für Image und Bekanntheit des Landes.

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