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Euro: Die Schweiz ist bereit

Die Schweiz als Insel im Euro-Meer. swissinfo.ch

Konsumenten, Touristen, Hoteliers, kleine und grosse Unternehmer, Exporteure: Der Euro geht alle etwas an, auch in der Schweiz. Und (fast) alle sind bereit.

Dieser Inhalt wurde am 23. Dezember 2001 - 19:32 publiziert

Wirtschaftsminister Pascal Couchepin nannte den Euro "eine Chance für die Schweiz". Tatsächlich scheint der Übergang zum europäischen Einheitsgeld für diverse Branchen eine Vereinfachung und Standardisierung in den Beziehungen zu den 12 Ländern der Wirtschafts- und Währungsunion (EWU) darzustellen.

Dieser Wirtschaftsraum ist für die Schweiz von grundlegender Bedeutung. Im ersten Halbjahr 2001 gingen 53,7 Prozent der Exporte in die EWU-Länder, umgekehrt betrugen die Importe aus diesen Ländern sogar 73 Prozent.

Dazu kommt das dichte soziale und ökonomische Netz, das vor allem in den Grenzregionen der Schweiz die Bürger mit ihren Nachbarstaaten verbindet. Die Einführung des Euro wird deshalb auch in der Schweiz spürbar sein. Und allenthalben laufen die Vorbereitungen.

Kein Interesse bei Konsumenten

Allerdings ist das Interesse für den Euro nicht überall gross. "Wir erhalten kaum Anrufe in dieser Angelegenheit. Ganz generell löst dieses Thema offenbar keine Begeisterungsstürme in der Öffentlichkeit aus", sagt die Direktorin des Büros für Konsumentenfragen im Volkswirtschaftsdepartement, Monique Pichonnaz-Oggier, gegenüber swissinfo.

Durch den Euro wird ihrer Ansicht nach die Konkurrenz steigen - dank einer klaren Preistransparenz und geringeren Verlusten in Folge von Währungstausch. Dies sollte sich in Preisabschlägen niederschlagen, ganz zum Vorteil der Endverbraucher.

Andererseits herrscht laut Monique Pichonnaz unter den Verbrauchern eine gewisse Angst, dass die Umstellung auf den Euro zu Preisaufschlägen genutzt wird. Dies gilt insbesondere für die "Schwellenpreise" wie DM 9.99, die absichtlich unter der psychologischen Barriere von 10 DM liegen. Mit der Umstellung auf den Euro ändern sich diese Schwellen. "Es wird Versuche geben, von der Umstellung zu profitieren, aber man sollte nicht verallgemeinern", meint Pichonnaz.

Alles klar in der Tourismusbranche

"Für uns stellt die Umstellung eine Vereinfachung dar: Statt der vielen europäischen Währungen haben wir nur noch den Euro", betont Dick Marty, Präsident von Schweiz Tourismus. "Unsere Branche hat sich seit geraumer Zeit auf die Umstellung vorbereitet. Die meisten Hotels stellen ihre Rechnungen in Franken und Euro aus. Die Touristiker, die regelmässig mit ausländischen Kunden zu tun haben, nehmen Euro problemlos an."

Dick Marty unterstreicht auch den wichtigen Aspekt der Preistransparenz. "Die Tarife in Euro sind leichter vergleichbar. So wird man merken, dass die Schweiz gar nicht so teuer ist wie im Ausland immer behauptet wird."

Unternehmen: No problem

"Die grossen Unternehmen haben sich bereits daran gewöhnt, mit Euro zu arbeiten", meint Germain Hennet, Vorstandsmitglied der Schweizerischen Bankiervereinigung. "Für die Banken und die multinationalen Unternehmen ändert sicht nichts."

Trotzdem haben die grossen Kreditinstitute, genauso wie die Eidgenossenschaft, intensiv und gezielt über den Euro informiert. Für die Schweizer Banken, die am Wechselgeschäft verdienen, war dies eine Pflicht. "Unsere Vereinigung hat schon im Juni eine erste Euro-Informationskampagne lanciert", betont Germain Hennet.

Doch wie steht es um die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU)? Für Marco Taddei, den Präsidenten des Schweizerischen Gewerbeverbandes "hängt der Einfluss des Euro sehr von der Branche und der geografischen Lage ab". Grenzregionen werden seiner Meinung nach die Umstellung auf den Euro stärker zu spüren bekommen als die Innerschweiz.

"Um die Firmen vorzubereiten, haben wir in Zusammenarbeit mit dem Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) eine Informationsbroschüre für KMU erarbeitet", sagt Taddei. "Die Umstellung wird gleichwohl nicht enorm sein. Denken wir an eine Verkäuferin oder einen Verkäufer in Chiasso: Statt Lire gibts künftig eben Euro."

Ruhige Exporteure

Thomas Daum, Direktor des Arbeitgeberverbandes der Schweizerischen Maschinenindustrie (ASM), die 43 Prozent der Schweizerischen Exporte ausmacht, sieht auch für die Exportbranche keine Probleme. "Die wirklich grosse Umstellung war die Einführung des Euro als Rechnungseinheit zu Beginn des Jahres 1999. Auch wenn die jetzige Etappe einen historischen Stellenwert hat, ist sie für unsere Branche relativ bedeutungslos."

Wahrscheinlich hat aus diesem Grund der ASM keinerlei spezielle Info-Kampagne für seine Mitglieder gemacht. "Von einigen Umfragen vor einigen Jahren mal abgesehen hielten wir es nicht für nötig, irgendwelche Kampagnen zu lancieren. Im Jahr 1999 haben wir unsere Mitglieder hingegen sehr detailliert informiert", erinnert sich Daum.

Saläre in Euro?

Die anstehende Umstellung auf den Euro erlaubt, im Gegensatz zur Umstellung von 1999, auch die Auszahlung der Saläre in Euro. Diese Möglichkeit könnte für Schweizer Firmen interessant sein, die ausschliesslich mit Euro-Ländern zusammenarbeiten. Laut Germain Hennet ist diese Option durchaus realistisch. "Doch ich möchte betonen, dass dies nur mit dem Einverständnis der Angestellten möglich sein wird."

ASM-Direktor Daum ist in Hinblick auf dieses Szenario ziemlich skeptisch. "Wir können es nicht ganz ausschliessen, aber gemäss unseren Informationen gibt es bei den Unternehmungen eine extreme Zurückhaltung. Unsere Branche wird die Löhne weiterhin in Franken ausbezahlen."

Marzio Pescia (aus dem Italienischen: Gerhard Lob)

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