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Es gibt kein Zurück mehr

Lisa Christen: Endlich im Land ihrer Träume. swissinfo.ch

Wer zurückkommen will, muss zuerst weggehen. Lisa Christen (17) steht am Flughafen in Zürich. Tränen des Abschieds.

Dieser Inhalt wurde am 03. August 2003 - 08:56 publiziert

Die Austauschschülerin aus Hergiswil fliegt für ein Jahr nach Portland, Australien. (Teil 2)

Wir sind zu früh am Flughafen Zürich. Von den Mitreisenden, die ich kenne, ist noch niemand da. Auch die Betreuerin der Austauschorganisation Aspect sehen wir nicht. Als eine Stunde später immer noch niemand da ist, kommen wir langsam ins Schwitzen. Ich rufe einen Mitschüler an und erfahre, dass wir im falschen Terminal stehen. Wir laufen los: meine Mutter Elsbeth meine Freundin Daniela, die auch nach Australien fliegt, sowie deren Schwester.

Hektik pur: Der Koffer ist zu schwer!

Endlich im richtigen Terminal stelle ich mein Gepäck auf die Waage und bin schockiert: Koffer 29 Kilo, Handgepäck 16 Kilo. Die Frau am Schalter sagt, ich solle so viel von meiner Reisetasche in den Koffer umpacken, bis das Handgepäck nur noch 6 Kilo wiege. Hektik pur! Als wir den Koffer auf die Waage stellen, zeigt dieser lediglich 30 Kilo an – komisch! Die Frau lächelt und zwinkert mir zu.

Weiter gehts zur Passkontrolle. Der Abschied naht mit jedem Schritt. Ich will ein Abschiedsfoto machen, suche meine Kamera und kann sie nicht finden. Reissverschluss auf, Reissverschluss zu. Nervös durchsuchen wir meine Taschen. Meine Mutter will schon zum Check-In Schalter laufen, da entdeckt sie die Kamera in ihrer Handtasche. Kein Foto mehr. Es bleibt kaum Zeit, uns zu verabschieden. Die anderen Austauschschüler sind schon durch die Passkontrolle. Die Hektik ist gross. Tränen fliessen.

Die Türen schliessen sich

Als sich die Türen des British Airways-Flugzeugs schliessen, weiss ich, dass es kein Zurück mehr gibt. Eine Flut von Gedanken geht mir durch den Kopf. Ich bin einerseits traurig, meine Heimat für einige Zeit zu verlassen. Anderseits freue ich mich, endlich das Land meiner Träume zu sehen.

Ich überlegte, wie es wohl sein wird ohne meine Familie, meine Freunde, in einer ganz neuen Umgebung, in einer neuen Familie zu leben, kleine Brüder und eine Schwester zu haben, was übrigens früher immer mein Wunsch gewesen ist. Natürlich denke ich auch schon wieder an die Rückkehr, und dass ich sicher gut Englisch sprechen werde. Aber eigentlich will ich mir im Flugzeug gar nicht so viele Gedanken über mein Austauschjahr machen.

Zürich, London, Hongkong

Wir Austauschschüler sitzen alle nebeneinander. Wir verstehen uns gut und geben beim mehrstündigen Aufenthalt im Flughafen London Heathrow aufeinander acht.

Die Maschine der Cathay Pacific Airways nach Hongkong ist komfortabler als jene der British Airways. Jeder Sitz hat einen Bordcomputer. Wir können damit Filme und Fernsehen schauen, spielen oder Musik hören. Ich bin jedoch müde und versuche zu schlafen, doch die Lüftung hindert mich daran. Die Luft ist kalt und trocken. Ich friere trotz Snowboardjacke und Decke. Meine Nase läuft. Ich huste und bekomme Halsweh.

Oh Schreck, mein Gepäck wird durchsucht

Als wir im warmen Hongkong ankommen, ist es Nachmittag. Bei der Passkontrolle halten uns die Kontrolleure ein Gerät an den Kopf. Erst später fällt mir ein, dass dies wahrscheinlich ein Fiebermessgerät zur SARS-Kontrolle gewesen ist. In Hongkong wird mein gesamtes Gepäck auseinander genommen. Ich kann mir nicht vorstellen, wonach die suchen. "Gefunden" wird die Metallspitze meines Zirkels. Sie wird mir weggenommen und ich kann weitergehen.

Ab Hongkong fliegen nicht mehr alle Austauschschüler mit derselben Fluggesellschaft weiter. Das neue Flugzeug der Cathay Pacific nach Sydney ist noch eine Spur besser als das vorhergehende. Wir haben schönere und grössere Bordcomputer, mehr Filme zur Auswahl und können sehen, wie es ausserhalb des Flugzeugs aussieht. Schlafen kann ich allerdings auch in diesem Flugzeug nicht, da die Toilettenspülung direkt hinter meinem Sitz ist. Es wird wieder kalt und ich fühle mich ein wenig krank. Die Luft ist trocken, mein Hals brennt.

Welch ein Anblick: Sydney von oben

Das Ziel meiner Träume rückt immer näher. Ganz aufgeregt sehe ich auf meinem Bordcomputer australischen Boden. Welch schöner Anblick, Australien von oben zu sehen! Es kommt mir vor wie in einem Film. Ratternd landet das Flugzeug in Sydney.

Alle Austauschschüler werden ein letztes Mal kontrolliert. Die Leute hier sind uns gegenüber auffallend nett. Wir umarmen uns zum Abschied. Dann schweift mein Blick in die Umgebung. Ich habe meine Brille nicht auf, sehe aber jemanden winken. Doch ich kann die Leute nicht erkennen. Je näher sie kommen, umso schärfer sehe ich die Menschen, die ich bisher nur auf Fotos gesehen habe…

swissinfo, Lisa Christen
(bearbeitet von Thomas Vaszary)

Fakten

Lisa-Deborah Christen (17) lebt zusammen mit ihrer Mutter Elsbeth (53) und den Brüdern Albrecht (23) und Basil (20) in Hergiswil im Kanton Nidwalden. Vater Hans starb im Jahr 2000.
Lisa geht am Kollegium St. Fidelis in Stans NW zur Schule.
Während ihres Austauschjahres besucht sie zusammen mit ihrer Gastschwester Jessica die High School in Lithgow.
Anthony und Suzanne Coleman sind Lisas Gasteltern in Portland. Grant (19), Jessica (17), Mathew (6) und Daniel (4) sind ihre Gastgeschwister.

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In Kürze

Die 17-jährige Lisa Christen aus Hergiswil NW geht für ein Jahr lang als Austausch-Schülerin nach Australien.

In Portland, New South Wales, 250 Kilometer von Sidney entfernt, lebt sie bei der Gastfamilie Coleman und besucht zusammen mit ihrer Gastschwester Jessica die Schule in Lithgow.

In ihrem Online-Tagebuch erzählt Lisa von ihren Erwartungen, Erfahrungen und Begegnungen mit den Menschen im Land ihrer Träume – jeweils samstags und sonntags auf swissinfo.ch.

Wer mit Lisa Kontakt aufnehmen möchte, erreicht sie unter lisachristen86@gmx.ch.

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