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Eröffnung des WEF unter weltweiter Besorgnis

Massives Sicherheitsdispositiv am diesjährigen WEF in Davos. Keystone

Am Donnerstag-Abend wird das jährliche World Economic Forum in Davos eröffnet -wie üblich begleitet von Protesten, Besorgnis wegen der Sicherheit und einem Medienspektakel, welche die 33 Jahre alte Institution berühmt gemacht haben.

Dieser Inhalt wurde am 23. Januar 2003 - 08:58 publiziert

Ob etwas erreicht werden kann, wird vielerorts bezweifelt.

"Man könnte sagen, dass es zwei Gruppen gibt, die sich Illusionen machen über den Gipfel von Davos ", erklärt Beat Kappeler, bekannter Schweizer Wirtschaftsexperte.

"Die einen sind die CEOs, die glauben, sie könnten weltweit Veränderungen herbeiführen. Und die anderen sind die Gegner, die ihnen das glauben", meinte er gegenüber swissinfo.

Diese Skepsis ist verständlich in einer Zeit, da die Welt mit einem möglichen Krieg in Irak, einer schwachen Weltwirtschaft und der nuklearen Bedrohung durch Nordkorea konfrontiert ist.

Laut Paola Ghillani, Leiterin von Max Havelaar, der Organisation für fairen Handel, ist Davos für viele wichtige Leute aus der ganzen Welt eine ausgezeichnete Bühne, um sich miteinander bekannt zu machen.

Sie hat aber keine Illusionen, dass das WEF ein todsicheres Forum für echte Veränderungen sei. "Es ist sehr schwierig, konkrete Beschlüsse zu fassen", erklärte sie gegenüber swissinfo.

"Vielleicht beschliessen wir theoretisch konkrete Aktivitäten, aber in der Praxis gehen die Leute nach Abschluss des Forums heim und vergessen all die guten Vorsätze, die gefasst wurden."

Klaus Schwab, der Gründer des WEF, räumte ein, dass der diesjährige Anlass von Unsicherheit geprägt ist.

Pessimismus



Vor kurzem schrieb er in einer Schweizer Zeitung, dass es noch nie vorgekommen sei, dass Firmenchefs der Zukunft so pessimistisch entgegen sahen.

Diese Sorgen haben das WEF veranlasst, die traditionelle Gala vom Samstag Abend abzusagen, vor allem, weil man befürchtet, dass eine grosse Party ein falsches Signal wäre für eine Welt, die sich für einen Krieg gegen den Irak rüstet.

Einige schreiben die Schuld für die düstere Stimmung vor allem der Tatsache zu, dass viele Firmenführer mit Fragen konfrontiert sind, über die sie kaum eine Kontrolle haben.

Dazu gehören der so genannte "Krieg gegen den Terrorismus", der viel besprochene Krieg zwischen der Islamischen Welt und dem Westen und die Antiglobalisierungsbewegung. All dies bringt nicht nur bisher Gültiges durcheinander, es verlangsamt auch das Wirtschaftswachstum.

Keine dieser wichtigen Fragen würde die Delegierten beschäftigen, wenn das WEF nicht von jeher seine Ziele hoch gesteckt hätte.

Verlagerung hin zur Politik

Seit das Forum 1971 in Davos erstmals stattfand, wendete es sich mehr und mehr von der Wirtschaft ab und der Politik zu - meist in grossem, weltweitem Rahmen.

Das WEF war stolz darauf, dass immer wieder gelang, verschworene Feinde zusammenzubringen, zum Teil dank der informellen, freundschaftlichen Atmosphäre.

Eine der grösste geopolitischen Triumphe des WEF war das historische Treffen zwischen Yassir Arafat und Shimon Peres 1994, das den Weg für die Friedensabkommen von Oslo geebnet haben soll.

Ungefähr zur gleichen Zeit nutzte Nelson Mandela - soeben nach zwei Jahrzehnten aus dem Gefängnis befreit - Davos, um südafrikanische Industrielle mit Erfolg davon zu überzeugen, dass eine schwarze Regierung nicht sogleich alle Firmen verstaatlichen werde.

Und dann war da 1987 die Rede des damaligen deutschen Aussenministers Hans-Dietrich Genscher, der den Westen aufforderte, dem sowjetischen Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow eine Chance zu geben - ein Signal, in dem einige Historiker den Anfang vom Ende des Kalten Kriegs sehen.

Gut gefüllte Tagesordnung



In jüngster Zeit versuchte das Forum, sein Image zu verbessern, indem es auch wichtige Umwelt-, Sozial- und Kulturfragen in die Tagesordnung aufnahm.

Dieses Jahr hoffen die Organisatoren, in Fragen wie dem Graben zwischen der Islamischen Welt und dem Westen und der Atomkrise auf der koreanischen Halbinsel etwas bewirken zu können.

Dazu kommt das Hauptthema dieses Jahres, die Idee, dass das Vertrauen, insbesondere das Vertrauen der Öffentlichkeit, in die Institutionen auf einem historischen Tiefpunkt ist.

Paola Ghillani von Max Havelaar glaubt, dass die Schwäche des Forums zum Teil daher kommt, dass viele Teilnehmende sich zu wichtig nehmen. "Sie sind keine Götter. Wenn sie Götter wären, hätten sie all diese Probleme nicht."

Sie glaubt, dass das Forum am erfolgreichsten ist, wenn die Leute sich ganz ungezwungen unterhalten. "Dann besteht grössere Offenheit in der Diskussion wichtiger Themen, und sie finden Lösungen für die Probleme, die negativen Folgen der Globalisierung."

Zu viele Politiker



Einige Beobachter wie Beat Kappeler fragen sich, ob man sich nicht zu sehr auf die Politik konzentriert. "Zu Beginn konnte man noch in den Bars mit den CEOs plaudern", erzählt Kappeler.

"Doch heute, mit all den Sicherheitsvorkehrungen, wird dies immer unmöglicher.
Vielleicht kommt man zum Schluss, in Zukunft einen bescheideneren Anlass durchzuführen - entweder einen politischen oder einen wirtschaftlichen. Aber nicht beides zusammen."

Trotz der Kritik zog auch das diesjährige Forum die üblichen grossen Namen an.

An der Spitze US-Aussenminister Colin Powell, Schulter an Schulter mit 1'000 Firmenbossen, 250 führenden Politikerinnen und Politikern, 200 Medienverantwortlichen und 200 prominenten Sozialaktivistinnen und -aktivisten.

Als Zusammenkunft von Entscheidungsträgern ist Davos nach wie vor das wichtigste Instrument zum Aufbau von Netzwerken - eine sechstägige Plattform für Debatten, Effekthascherei und vielleicht etwas Skifahren.

swissinfo, Jacob Greber
(Übersetzung Charlotte Egger)

Fakten

Über 1000 Firmenchefs und 250 Persönlichkeiten aus der Politik sowie Medienverantwortliche und soziale Aktivisten werden am diesjährigen WEF teilnehmen.

Die Sicherheit wird 13 Mio. Franken kosten.

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