Erneut Schweizer Chef der Deutschen Börse?
Der Präsident der Schweizer Börse SWX, Reto Francioni, soll neuer Chef der Deutschen Börse werden. Er wurde am Montag nominiert.
Francioni soll seinen Landsmann Werner Seifert ersetzen, der im Mai den Hut nehmen musste.
Schweizer Top-Manager scheinen in Deutschland nach wie vor hoch im Kurs: Daran hat offenbar auch der Abfindungs-Skandal bei der Deutschen Bank, bei dem CEO Josef Ackermann im Zentrum stand, nichts geändert.
Der Personalausschuss des Verwaltungsrates des Frankfurter Börsenbetreibers hat am Montag Francioni als neuen Boss nominiert. Dieser Schritt war allgemein erwartet worden. Die Ernennung durch den Verwaltungsrat der Deutschen Börse am 10. Oktober gilt lediglich als Formsache.
Endlich Ruhe
Der 50-jährige Francioni, ein passionierter Fischer, hat sich am Montag bereit erklärt, den Posten des Vorstandschefs der Deutschen Börse bei einer Wahl anzunehmen. "Ich fühle mich sehr geehrt über diese Nomination und stelle mich als Kandidat zur Verfügung", so Francioni in einer persönlichen Erklärung.
Mit ihm soll endlich Ruhe an der Spitze der Deutschen Börse einkehren. Sein Vorgänger und Landsmann Werner Seifert hatte Anfang Mai nach der gescheiterten Übernahme der Londoner Börse LSE den Hut nehmen müssen.
Vater des Neuen Marktes
Francioni kehrt mit dem Wechsel nach Frankfurt zu seinem früheren Arbeitgeber zurück, den er im Jahr 2000 im Streit mit Seifert und Verwaltungsrats-Chef Rolf Breuer verlassen hatte. Francioni gilt als einer der Väter des Neuen Marktes, der Handelsplattform für die Werte der Technologie-Unternehmen. In den Neunziger Jahren war er auch massgeblich an der Einführung des elektronischen Handelssystems Xetra beteiligt.
Francioni gilt als Befürworter einer engeren Zusammenarbeit zwischen der Deutschen Börse und der SWX. Ein entsprechender Versuch Francionis war im vergangenen Jahr aber noch gescheitert. Beobachter rechnen deshalb mit einer Wiederaufnahme dieser Bemühungen. Würde ein Zusammengehen Tatsache, entstünde die drittgrösste Börse Europas.
Die von seinem Vorgänger favorisierte Fusion mit der Londoner Börse (LSE) wird mit der Berufung des Schweizers dagegen noch weniger wahrscheinlich. Im Gegensatz zu Seifert gilt Francioni als Diplomat, der sich auf internationalem Parkett sicher bewegen kann.
Überraschender Vorschlag
In seiner schriftlichen Stellungnahme vom Montag überraschte Francioni mit dem Vorschlag, Antoinette Hunziker-Ebneter solle neue SWX-Präsidentin werden.
Die 45-Jährige war 1993 in die SWX eingetreten und von 1997 bis 2000 Chefin der SWX Swiss Exchange. Im Dezember 2000 wurde sie Vorsitzende der SWX Group, ehe sie im Februar 2001 auch die Leitung der elektronischen Börsenplattform virt-x übernahm.
Hunziker-Ebneter bringe ideale Voraussetzungen für die Funktion als SWX-Präsidentin mit. Sie habe die Entwicklung der SWX zu einer leistungsfähigen und international hoch angesehenen Wertpapierbörse während etlicher Jahre mitgeprägt und mitgetragen.
Die internationale virt-x hatte einen schwierigen Start und kämpfte mit bescheidenen Handelsvolumen. Im September 2002 verliess Hunziker-Ebneter deshalb die SWX und wechselte als Handelschefin zur Privatbank Bär.
swissinfo und Agenturen
Fakten
Die Deutsche Börse sucht seit Mai einen neuen Chef, nachdem der Schweizer Werner Seifert auf Druck zurückgetreten musste.
Reto Francioni kennt sowohl die Schweizer als auch die Deutsche Börse bestens: 1993 bis 2000 war er Verwaltungsrat der Deutschen Börse, seit 2002 steht er an der Spitze der SWX.
Der Verwaltungsrat der Deutsche Börse entscheidet am 10. Oktober über Francioni als neuen Boss.
Francioni schlägt Antoinette Hunziker-Ebneter zu seiner Nachfolgerin als Präsidentin der SWX vor. Sie war schon von 1997 bis 2000 bei der Schweizer Börse, damals aber als CEO.

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