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Erneuerbare Energien: Funke sprang nicht auf Publikum

Solarkraftwerk auf dem Flughafen Genf. Keystone

In Lausanne hat der erste Salon für erneuerbare Energien stattgefunden. Hinge die Zukunft der Erde von der dortigen Besucherzahl ab, sähe es für den Planeten nicht gut aus.

Dieser Inhalt wurde am 18. November 2006 - 10:05 publiziert

Die Aussteller waren mindestens so zahlreich wie das Publikum, und das in der Modellstadt am Léman, welche für ihre Pionierrolle punkto nachhaltiger Energieproduktion 2005 ausgezeichnet wurde.

"66% des Verbrauchs in der Stadt Lausanne stammt aus erneuerbaren Energien, aber das ist den meisten Menschen gar nicht bewusst", sagt Jörg Stierli von den Stadtwerken.

"Es ist nicht zu spät für eine Verhaltensänderung, aber der entscheidende Schritt muss jetzt geschehen", findet Stierli. Denn der Nutzen erneuerbarer Energien sei für alle klar sichtbar, so dass es sich die nächste Generation nicht zweimal überlegen müsse.

Einsicht allein reicht nicht

Wie aber Menschen überzeugen, die sich auch angesichts regelmässig erscheinender alarmierender Berichte über die Klimaerwärmung ungerührt zeigen?

An Optionen zumindest mangelt es nicht: An der Messe Energytech decken über 40 Anbieter die ganze Palette nachhaltiger Energiegewinnung ab, von holzgespiesenen Boilern, Solarzellen über Erdwärme-Heizungen (Wärmepumpen) bis zu Biogasanlagen und Wasser- und Windturbinen.

Gesetz des Marktes

Leider habe die Technologie ihren Preis, sagt Messechef Christophe Vuillermet. "Die Menschen wollen ihr Verhalten zwar ändern, sind aber nicht bereit, für ein hybrid-getriebenes Auto oder eine Holzheizung mehr zu bezahlen."

Deshalb erwartet Vuillermet Anstosshilfe von Bund und Kantonen: Diese sollen den Konsumenten den Umstieg auf sanfte Energien mit Subventionen schmackhaft machen.

Zwar richten die Kantone solche Zahlungen aus, doch varierten diese sehr stark, wie das Bundesamt für Energie (BFE) feststellt. Der Bund gibt jährlich 14 Mio. Franken aus für Projekte, die auf erneuerbare Energie setzen.

Steuererleichterungen

Für Bernard Vermeulen von der Firma Lopper Kesselbau, die holzgeheizte Boiler fabriziert, sollte die Schweiz dem Beispiel Frankreichs folgen. Dort würde Familien, die holzgeheizte Boiler oder Solarzellen installierten, die Hälfte der Investition zurückerstattet, das in Form von Steuererleichterungen.

Zwar habe bei Lopper die Nachfrage nach holzgeheizten Boilern in den letzten fünf Jahren als Folge des gestiegenen Ölpreises zugenommen, doch sei dies nicht genug, klagt Vermeulen.

Langfrist-Engagement

Ein holzgeheizter 35-Kilowatt-Boiler, gross genug für ein durchschnittliches Haus, kostet rund 35'000 Franken. "Die Energiekosten sind aber über 50% tiefer als bei einem Boiler, der mit Erdöl oder Gas aufgeheizt wird", gibt Vermeulen zu Bedenken.

Von den hohen Einstandskosten will sich der 28-jährige Ingenieur Alexandre Nüssli nicht abschrecken lassen. An der Energytech informiert er sich angesichts der anstehenden Renovation seines Hauses über Solarheizungen und eben die holzgeheizten Boiler.

"Ich bin bereit, für eine solche Lösung mehr zu bezahlen, denn ich will ein Haus mit einer ausgeglichenen Energiebilanz", sagt Nüssli. Auf lange Sicht würde sich die Mehrinvestition auszahlen.

Energiepionier

Jean Oppliger aus Cerneux-Veusil im Kanton Jura gehört zu den Pionieren der erneuerbaren Energien, denn er kehrte sich schon vor 25 Jahren vom Erdöl ab. Er begann mit thermischen Solarplatten, ging dann zu Solarzellen über und verkauft heute unter dem Label jura-energie.ch Strom aus seinen Windturbinen bis nach Bern und sogar Winterthur.

Letztes Jahr produzierte Oppliger 100'000 Kilowattstunden, von denen er lediglich 14'000 für seinen eigenen Bauernhof brauchte. "Wenn die Kunden aber einen Aufschlag von 50 Rappen pro Kilowatt bezahlen müssen, ist es einfacher, Brot statt Energie zu verkaufen", weiss der Pionier.

Oppliger empfindet die Lage zwar als frustrierend. "Doch in wenigen Jahrzehnten, wenn es kein Erdöl mehr geben wird, müssen alle auf erneuerbare Energien umsteigen." Er sieht die Lösung deshalb in der Diversifizierung. "Kleinkraftwerke wie meines sind die Zukunft", ist der Jurassier überzeugt.

swissinfo, Adam Beaumont in Lausanne
(Übertragung aus dem Englischen: Renat Künzi)

In Kürze

Energytech ist die erste Messe für erneuerbare Energien der Schweiz. Sie dauert bis am Samstag im Palais de Beaulieu in Lausanne.

An über 40 Ständen demonstrieren Anbieter verschiedene Systeme zur nachhaltigen Energie-Gewinnung.

Die Organisatoren wollen mit dem Salon Interessierten einen Überblick über die verschiedenen Optionen ermöglichen.

Das Ziel des Anlasses sind 4000 Besucher.

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